Dankbarkeit, yes, gratitude

Engl./German
Elke erzählte neulich, wie sie sich oft bei den Busfahrern in Berlin bedankt wenn sie aussteigt. Manche gucken überrascht, andere freuen sich. Ein Sharehausbesucher erzählte gestern, wie er beim Joggen Menschen grüßt und selten ein Lächeln dafür bekommt. Aus Afrika  kommend fällt mir das nach einem Jahr immer noch auf: Wir, die Deutschen, sind so undankbar. Oder ganz schlicht: Den meisten von uns fehlt’s schlicht an Demut.
Elke dankt übrigens den Busfahrern in Berlin, auch weil sie sich so über ihre Monatsmarke freut. Wir fahren sonst Rad, aber in der Kälte ist das für sie ein richtiger Luxus, im Bus fahren!
Neulich ging ich zur Bergmannstrasse und aß was beim Thai, ganz alleine, und saß ganz dankbar da auf der Bank, sah dem Treiben zu und schlürfte eine Suppe, dankbar. Es gab Zeiten, da konnte ich mir das nicht leisten, und wenn diese mageren Zeiten als junger Mensch nur dafür da waren: Ich habe Dankbarkeit für die kleinsten Dinge gelernt. Wertschätzung. Ich habe das oft in Ländern gesehen, in denen der Tageslohn gerade für ein Essen reicht, und noch nie Menschen mit so einer stillen Andacht und Freude essen sehen.
Es ist schon eine komische Welt. Uns steht das beste Leben zu, Freiheit, Überfluss, Gesundheit. Ich glaube auch, daß jeder eine Arbeit verdient, die Freude macht, Menschen, die das Gute in einem fördern, und dass jeder Mensch verdient aufzublühen. Dafür steht das Sharehaus. Und doch lernen wir oft erst im Mangel, dankbar für das zu sein, was uns sonst so selbstverständlich scheint.
Mir fällt das immer bei den Geflüchteten auf, die im Sharehaus dabei sind. Menschen, die so viel verloren haben, deren Familien oft noch jeden Tag in akuter Gefahr sind. Die stundenlang im eiskalten Mittelmeer schwammen, bevor sie gerettet werden konnten. Sie haben eine besondere Freude am Leben, sie sind Deutschland dankbar für die Hilfe, allen, sie geniessen jeden Bissen, jeden Moment des Friedens. Ich weiss, nicht alle sind so. Ich hatte auch mal diese undankbare Haltung und kannte viele (Deutsche), die sich über den Staat lustig machten, weil er sie versorgte mit Sozialhilfe und anderen Stützen. Je mehr sie bekamen, desto verächtlicher und gehässiger wurden sie
Es ist seltsam, da leben wir in einem Land, das ein tatsächliches Paradies für viele Geflüchtete ist und sind so undankbar. Und es ist als gäbe es gerade hier so viel Lebensverdruss, so viel Hoffnungslosigkeit. Es ist ein Phänomen der Abstumpfung. Wer viel Zucker isst, schmeckt nicht mehr die Süße von Orangen. Aber es gibt eine ganz einfache Abhilfe. Dankbarkeit kann man lernen. Das geht schneller als manchen lieb ist.
5 Minuten jeden Morgen. In Gedanken ein Liste aufzählen, für man dankbar ist. Manchmal sind nur 2 oder 3 Dinge. Am nächsten Tag 5. Dann 10. Und plötzlich eröffnet sich eine ganz neue Welt. Ein Wundern beginnt. Man beginnt wie Wunder zu sehen, die schon die ganze Zeit da sind. Ich mache das inzwischen jeden Tag und mir fällt inzwischen so unfassbar viel ein. Manchmal bin ich ganz high davon. (Manchmal zwinge ich mich zu einem Tag schlechter Laune, bevor es zuviel wird).
Nach einer Woche gesteigerter Dankbarkeit kann es passieren, dass man aus Versehen Menschen in der U-Bahn zulächelt oder ihnen sogar zunickt. Oder beim Joggen wildfremde Menschen grüsst. Oder bemerkt, dass einen jemand anlächelt ohne zu denken: Ist das jetzt ne Irre, oder ist der Typ obdachlos? Es kann auch passieren, daß man einen besonders griesgrämigen Menschen umarmt und auf die Stirn küsst. Und das könnte unweigerlich dazu führen, daß dieser Griesgram dankbar ist, und lächelt und. Die Folgen sind nicht auszudenken. Das könnte zu einer ganz gefährlichen Volksbewegung werden.
Ja Moment mal! Und die wirklichen Probleme dieser Welt, dieser Terror, dieser Winter, diese Grippe, die da draußen, und überhaupt, dieser … ätz, hust, schimpf?! Ich weiß, sie sind da. Wir können ihre Verstärker sein, oder ihre bessere Alternative. wir können uns klein machen im Ärgern, oder Darüberstehen in Dankbarkeit. Huch. Jetzt bin ich schon wieder dankbar! Die Sonne scheint mir ins Gesicht, ich esse köstliche Mandeln und die Baustelle draußen schweigt.
Ich hab vergessen welcher griechischer Philosoph der Antike das auf seiner Wanderschaft so machte: Kam ihm ein Wanderer entgegen mit griesgrämiger Miene und fragte wie die Stadt so wäre, aus der er eben kommt, sagte er: Ach, nicht schön, ganz grausig, nicht der Rede wert. Kam ihm aber einer froh entgegen und guter Dinge und fragte, sagte er: Ganz wunderbar, was für eine schöne Stadt, so schön wie keine!
Dankbarkeit. Wie jede wahre Kunst ganz einfach. Wenn man sich traut. Damit die Welt zu verändern.
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Elke told us the other day, that she often thanks the bus drivers in Berlin when she gets off the bus. Some of them look surprised, others rejoice. A Sharehaus visitor told us yesterday how he greets people while jogging and rarely gets a smile for it. Coming from Africa I still notice that after a year in Berlin, how ungrateful most of us Germans are. Or quite simply, most of us simply lack humility.
By the way, Elke thanks the bus drivers in Berlin also because they she is so pleased with their monthly ticket. We ride bicycle otherwise, and in the cold it is a real luxury for her riding the bus!
The other day I went to the Bergmannstrasse and ate at a Thai Restaurant. I was all alone. I sat gratefully on the bench, watching the the busy streetlife and sipped my sou. There were times when I could not afford it, and if these hard times as a young man are just meant for that: It made me grateful- And travelling to countries where the daily wage is just enough for a meal, I saw people eat with such a silent gratitude and joy.
It’s a strange world. We all deserve the very best life, we deserve freedom, abundance, health. I also believe that everyone deserves a work that is enjoyable, people as support, so each person can flourish. This is what the Sharehaus stands for. Yet we often only learn to be grateful for what otherwise seems so natural to us, when we have experienced lack.
I often think of the fugitives who join us at the Sharehaus. People who have lost so much, and their families are often still and every day in acute danger. Some swam hours in the freezing cold Mediterranean before they could be rescued. Yet they have this joy of life. And they are thankful to Germany for the help they get, the safety and provision. They enjoy every bite, every moment of peace.
I know not all of us are like that. I once had this ungrateful attitude and knew many (Germans), who mocked the government, because it fed them with social grants. The more they got, the more despicable and hateful they became.
It’s strange, because we live in a country that is a real paradise for many Refugees and yet we are so ungrateful. And nowhere in the world seem stop be so much general annoyance, so much hopelessness. It is the phenomenon of dullness. People who eat a lot of sugar, no longer taste the sweetness of oranges.
But there is a simple remedy. Gratitude can be learned. This is faster than some would like.
5 minutes every morning. Make a list while in bed. Sometimes only 2 or 3 things pop up. The next day 5. Then 10. And suddenly a whole new world opens up. Amazement begins. You start seeing the wonders that were already there. I do this every day now and I can’t stop. Sometimes I’m even high on it. (Balancing it now an then with day of grumpiness).
After a week of increased gratitude, it may happen that you accidently smile at people in the subway or you even nod to them. Or that while jogging you start greeting strangers. Or you start noticing that a someone smiles at you and you do not immediately think: Is this lady crazy, is this guy homeless? It may also happen that hug a particularly grumpy person and kiss him or her on the forehead. And that could inevitably lead to this person to gratefully smile. The consequences are unthinkable. This could be a very dangerous people’s movement.
Yes. I Know. There are the real problems in the world, this terror, this winter, this flu, these people that this … splutter, cough, bark?! I know they are there. We can be their amplifier or their better alternative. We can shrink ourselves by being bitter, or standing tall above in gratitude. Yikes. Now I’m grateful again! The sun is shining in my face, I eat delicious almonds and the building site outside is silent.
I forgot which Greek philosopher ist was who did this: When he met a wanderer with grumpy face and the wanderer asked how the city he came from would be, he said: Oh, not pretty, horrible, not worth talking about! But if it was a happy wanderer with a smile, who asked, he said: Wonderful, what a beautiful city, unlike any other!
Gratitude. Simple like any true art. If you dare. To change the world.

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