Fragen an Tabea

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Tabea gehört zu denen, die mich und Elke inspirieren. Im Café im Sharehaus Refugio, in der Gemeinschaft, wir haben viele gute Gespräche, Gebete und Erkenntnisse gehabt zusammen und teilen immer noch viel. Sie ist eine Träumerin und Macherin. Eine gute Kombination.

Tabea hat das Talent Freude und Ruhe auszustrahlen und auch die Offenheit mit Staunen die Welt zu sehen, auch wenn sie selbst immer noch sucht. Und noch was: Glaubwürdigkeit, die hat sie. Kein Wunder, dass ihr Wort auf Facebook damals reichte, um aus Alex’ Speisung der Obdachlosen weltweite News zu machen: Der Flüchtling, der die Armen füttert. Solche guten Nachrichten zu teilen lieben Tabea und wir. Zeit für ein paar Fragen an die Visionärin des Alltags.

 

Tabea, wofür bist du dankbar?

Gesundheit, ein Land mit Frieden, Familie und Freunde, mich geliebt zu wissen von meinem Gott.

Was bewegt dich gerade? Was beschäftigt dich?

Suchend nach Visionen 🙂

Was hast du in letzter Zeit gelernt, das wichtig war?

– A u s h a l t e n und für sich und seine Werte einstehen- . Manchmal sind Dinge im Leben nicht einfach, Herausforderungen Formen und stärken die Persönlichkeit, das lerne ich schlussendlich aus anstrengenden Lebensphasen.

Was hindert dich im Leben, oder sogar: woran verzweifelst du?

Hindern tut mich eigentlich nichts, aber an Menschen verzweifel ich manchmal, wir sind so unfassbar komplizierte Wesen. Es gibt kein einheitliches Rezept für ein glückseliges Leben. Jeder hat eben seine individuelle Geschichte, das macht es manchmal kompliziert Menschen zu verstehen, denn ich glaube hinter jeder unverständlichen Aktion gibts ne tiefe Wurzel, die einen zu komischen Handlungen bewegt.

Von wem hast du im Guten wie im Schlechten gelernt?

Definitiv von meinen Eltern, wunderbare Menschen. Durch und Hoch und Tief, mit aufrichtiger ehrlicher Wertschätzung und Liebe.

Was macht deinen Erfolg aus? (da wo du dich erfolgreich fühlst?)

Puhhhhh, das weiß ich noch nicht, ich glaube ich hab mich noch nie wirklich erfolgreich gefühlt. Wann ist man erfolgreich?

Was willst du noch lernen oder was sind deine Fragen ans Leben?

Ich freu mich auf die nächsten Lebensphasen des Älterwerdens, ich frag mich wie sich mein Denken in zehn Jahren wieder verändert hat 🙂 

Gibts etwas, das du lernen willst?

Überall inneren Frieden finden! Das hört sich himmlisch an und falls man das lernen kann, ich glaube fast das es ein Geschenk ist.

Was kannst du teilen von dir in einer Gemeinschaft?

Mhhh, also ich hoffe Offenheit, ein offenes Ohr, Vertrauen, Toleranz und ne Brise Liebe.

Hast du das Gefühl, du kannst die Welt zum Guten verändern? Und wie?

Ich glaube, dass ich das nur durch den Jesus in mir kann, beten für offene Augen, damit ich die Menschen um mich herum wahrnehme, betend für ein Herz voll Liebe und Geduld, wie ich meinem nächsten und mir selbst begegne, betend für die richtigen Worte und Schritte, Tag für Tag. Vielleicht verändert das zumindest meine Umgebung 🙂

Was ist Gemeinschaft für dich? Und sind da Menschen, die deine Gemeinschaft sind?

Gemeinschaft ist für mich ein Ort wo Menschen sind, die einen kennen und die ich kenne, zumindest ein wenig, manche aber auch mehr.

Meine Gemeinde ist Gemeinschaft, der Ort wo ich lebe – das Refugio ist Gemeinschaft.

Aber auch mit meinen Freunden hab ich Gemeinschaft, sowie mit meiner Familie 🙂

Tabea

Was macht eine echte Gemeinschaft für dich aus?

Ehrlichkeit, vertrauen, Mut zur Schwäche, Offenheit, eine Gemeinsamkeit.

Was ist ein Sharehaus für dich ganz persönlich? Wie sähe es aus?

Ein Haus mit den unterschiedlichsten Menschen, aber die eben eins gemein haben, ein Ort wo man s e i n kann, wo man Leben, Freude, Ängste teilt. 

Ist da eine Vision für dein Leben, die du vielleicht sogar schon als Kind hattest?

Nein nicht das ich wüsste 🙂 

Was glaubst du über das sichtbare Leben hinaus? Was ist deine Spiritualität?

Die Dreieinigkeit in Gott den Vater, Jesus den Sohn und dem Heiligen Geist. Die größte und schönste Erkenntnis, die ich mit 19 Jahren nochmal hatte und die verändernd für mein ganzes Leben war.

Die Liebe gewinnt am Ende, glaubst du das?

Amen dazu!

Hast du das Gefühl, du kannst die Welt zum Guten verändern? Und wie?

Ich glaube, dass ich das nur durch den Jesus in mir kann, beten für offene Augen, damit ich die Menschen um mich herum wahrnehme, betend für ein Herz voll Liebe und Geduld, wie ich meinem nächsten und mir selbst begegne, betend für die richtigen Worte und Schritte, Tag für Tag. Vielleicht verändert das zumindest meine Umgebung 🙂

Was liebst du an Gott?

Das er mich in meiner Unperfektheit liebt, dass er jeden in seiner Unperfektheit liebt.

Ach da gibts so viel, eigentlich alles!

Identität

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Identität. Ein ganz wichtiges Thema im Sharehaus, an dem wir arbeiten, vor allem nach Jahren der Erfahrung.

Das neue Jahr hat begonnen und so halb stehen wir zwischen dem was war, und dem, was wir hoffen. Wie Herr Kurz. Herr Kurz sitzt in seinem Zimmer mit nur einem Hut auf. Sein Freund Herr Lang kommt herein und fragt ihn. “Warum sitzt du denn mitten am Tag nackt in deinem Zimmer?”

“Ach”, sagt Herr Kurz, “ es kommt mich ja eh keiner besuchen.”

“Und warum dann der Hut?”

“Na, vielleicht kommt ja doch noch jemand!”

Alle Unentschiedenheit scheint aus unserer Identität zu kommen. Nur wer bin ich? Wer bin ich wirklich? Diese Frage hat mich immer schon beschäftigt, und war auch ein Grund das Sharehaus zu gründen. Wertschätzung, Gemeinschaft, Sinn suchen wir, und finden es so selten. Dabei sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht, scheint es.

Wer, was bin ich? Held, Versager, Ausländer, Liebender, Träumer, Freund, Kind? Bin ich ein echter Deutscher, heimatlose Perserin, von Geburt adelig, stolzes Arbeiterkind, verheiratet, schwul, hetero, exzentrisch, manisch-depressiv, doof, superschlau Akademiker, Autodidaktin, Tänzerin, Nomade? Oder sind das nur Äusserlichkeiten?

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Was könnten wir nicht Schönes anfangen, wenn wir uns nichts ständig selbst suchen müssten wie eine ständig verlegte Brille. Und wenn wir erst wüssten, was wir wirklich wollen! Hut, nicht Hut?

Theresa von Avila trug eine Kopfbedeckung, als Nonne. Die spanische Mystikerin war durchaus auf der Suche nach dem Selbst, nicht um sich zu finden, sondern all die Räume und Möglichkeiten, die Gott uns gegeben hat, sie nannte es Wohnungen der Inneren Burg. Wer sich verstehen lernt, kann auch in der Welt bestehen als göttliches Wesen. Ein Hinweis auf den inneren Reichtum, zu dem wir gleich kommen.

Zurück zur Suche. Wäre das das Paradies, wenn wir uns nicht mehr suchen müssten? Wenn wir wie Kinder sein dürften? Wen scherts, dass wir nackt sind! Der Philosoph Rousseau*, der unsere Moderne zutiefst geprägt hat, war Autodidakt und Romantiker: Er behauptete, daß jeder Mensch gut und nur von der Gesellschaft verdorben ist. In beidem steckt Wahrheit. Aber den von der Romantik erfundenen Edlen Wilden gibt es nicht. Auch unentdeckte Naturvölker sind grausam, und so sind oft unsere Gesellschaften. Trotzdem sind wir ursprünglich gut, und Gemeinschaft gehört zu unserer Identität. Was macht es denn dann so schwer in Frieden miteinander zu leben?

Die Hölle, das sind die Anderen, sagte Jean Paul Sartre. Insofern wäre alle Gesellschaft oder Gemeinschaft Hölle. Leben ist Leiden und wir sind dazu bestimmt es zu ertragen? Wirklich? Ja, andere Menschen sind oft schwer zu ertragen. Und so sind wir selbst es auch. Sind wir deswegen weniger wert?

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Wertschätzung. Jahrhunderte von moralischer Religiosität und Machtinteresse haben uns erzählt, wir sind nichts wert. Es hat gewirkt. Selbst heute noch fühlen sich selbst aufgeklärte, selbständige Menschen wertlos, schmutzig, nutzlos. Mächtige nutzen das. Wer auch immer Erlösung verkauft, muss erstmal mangelnden Selbstwert verkaufen. Manche Versprechen Arbeitsplätze, andere einen Himmel, oder noch ein Produkt, das glücklich macht.

Und doch ist da eine innere Stimme, die manchmal nur flüstert: Du bist schon wertvoll, gut genug. Mach was draus. Nur wer ermutigt uns? Wozu überhaupt Mut? Wozu überhaupt was tun? Ist nicht alles vorherbestimmt? Fatalisten gibt es häufiger als man denkt. In den Weltreligionen, aber auch politisch. Was kann ich schon ändern? Nie haben sie ihre wahre Freiheit begriffen.

Noch häufiger definieren Menschen sich über den Vergleich. Wir sind die Besten! Und unsere Nachbarn oder wer auch immer: die Schlimmsten! Nationalität, Kultur, Herrschaft, Geschlecht, Klasse will sich oft nur durch den brutalen Vergleich behaupten. Jeder Krieg beginnt so. Die anderen müssen lausig sein, damit wir großartig sind.

Wir leiden alle unter dem Problem, dass wir besser sein wollen als andere. Es ist eine Versuchung. Die gefühlte Bedrohung durch Geflüchtete ist eine Angst, selbst nicht gut genug zu sein. Wir haben, wir sind so wenig! Was wollen die hier!? Wären wir selbstbewusster, wir wären gastfreundlicher, und auch bestimmter in unseren Erwartungen an Einwanderer.

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Moment. Ist Identität vielleicht mehrere? In vielen Kulturen ist die Gemeinschaft Identität, der sich alle unterordnen. Das bietet Schutz, macht alle gleichwertig, verhindert aber manchmal schöne, herausragende Individualität durch Neid. Wir im Westen haben auch dieses gute wie schlechte Stammesdenken. Nationale, kulturelle, spirituelle Identität einer Gemeinschaft ist etwas sehr wichtiges, wenn sie sich nicht vergleichen muß. Deutsch sein ist gut, besser oder schlechter sein nicht. Fällt mir immer noch schwer das zu schreiben, weil gerne Deutsch zu sein tabu war in meiner Erziehung. Dabei ist es großartig. Gerade Ankommer haben mir das wieder beigebracht.

Also gibt es eine gemeinschaftliche und eine Individuelle Identität? Die Griechen entwickelten aus Individualität und Gemeinschaft die Demokratie. Anführer wurden gewählt, weil sie der Sache dienten und geeignet oder begabt waren. Alexander der Große war Gleicher unter Gleichen, aber durfte wegen seiner Begabung führen. Kaum hatten sie Babylon und Persien erobert, wollte er dass seine Kameraden sich vor ihm verbeugen. Sie haben ihn ausgelacht.

Die wilde und ehrliche Geschichte des Alten Testaments beschreibt etwas Ähnliches. Ein Volk auf der Suche nach Sinn, Heimat, Führung. Der Stamm, die Familie zählt, die Auserwählten sind die Nachkommen Abrahams. Im Übereifer wird der Rest wird oft weggefegt. Die Griechen hatten kaum Achtung für die Barbaren, die Israeliten für andere Völker. Gott wurde oft zum Ebenbild ihrer menschlichen Grausamkeit gemacht. Und doch offenbart sich im Narrativ immer wieder ein Gott der Schönheit und des Friedens, und an der Seite herausragenden Menschen. Und die sind oft keine Israeliten, sondern Aussenseiter wie Ruth. Nicht ihre Herkunft hebt sie hervor, sondern ihr Herz.

Das Herz zählt. Das fand ich auch im Sharehaus Refugio heraus. Egal wie bunt die Mischung. Glaube, Tradition, Herkunft sagten nach einer Weile sehr sehr wenig aus über einen Menschen. Man muss Äußerlichkeiten nur durch Vertrauen und echte Gemeinschaft überwinden.

Individuum. Gesellschaft. Gott. Wie Herr Kurz fühlen wir uns oft nackt, allein und doch behütet.

Was hat das mit Gott zu tun?

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Zur Identität gehört mehr als nur der Einzelne und eine Gemeinschaft. Die meisten Menschen auf dieser Welt begreifen sich als Teil einer göttlichen Schöpfung. Eigentlich abwegig zu glauben, wir wären die Klügsten, die Herrscher der Welt. Wir sind göttliche Geschöpfe, nicht Gott. Hier führt eine Spur zu unserer Identität, die weniger wahllos ist. Sie zeigt auf, daß wir lebende Kunstwerke sind.

Hier ist das Echo unserer Vermutungen. Wir sind Gemeinschaft, wir sind Individuen, wir sind Geschöpfe. Jeder von uns ist anders als andere, aber nichts Besseres. Wir sind kostbar, aber auch gebrochen. Wir sind wertvoll und doch frei das Falsche zu tun.

Prinz Buddha befreit sich aus der heilen Welt seines Königsschlosses und lernt durch Tod und Elend den Weg der Transzendenz, den Weg der Mitte. Wir sind bestimmt eins zu sein mit dem Göttlichen.

Jesus geht den entscheidenden Schritt weiter. Unsere Göttlichkeit bekommt eine Gestalt, ein Gesicht, sie wird persönlich. Alles wird umarmt, Gott wird der vergessene Mensch im Gefängnis, der Waise, Kranke. Nichts ist mehr ohne Würde, alles ist voller Konsequenz. Nichts und niemand ist vergessen, kein Mensch, keine Schöpfung. In Jesus begegnen wir Gott und einem Menschen. In ihm erkennen wir uns selbst, weil wir größer sind als unsere Gestalt in dieser Welt. Wir sind verantwortlich für diese Welt.

Schön die Geschichte von Jakob, der die ganze Nacht mit Gott ringt. Gott wundert sich und denkt, der ist aber stur. Und dann zeichnet und ehrt er ihn dafür. Jakob humpelt und ist gesegnet. (Genesis/1.Mose 32:22-32). Wir sind Beschädigte und Unendlich Geliebte. Das Ringen gehört dazu. Das Ringen mit Gott. Ein Gott, der größer ist als unsere Sandförmchen der Religionen und uns gerne überrascht. Denn nichts kann die Liebe wirklich aufhalten.

Du bist gut genug. Der Satz revolutioniert gerade unser Denken und Fühlen im Westen. Wo man hinsieht, überall Seminare, die einem das beibringen. Wir scheinen einen zivilisatorischen Sprung gemacht zu haben. Nach hartem Kapitalismus und arrogantem Atheismus ist da eine neue Öffnung für Spiritualität. Junge Menschen in Europa, im Westen, suchen nach Transzendenz, einem höheren Sinn. Und der ist nicht mehr Geld, Sex, Auto, Haus, Job, Familie. Identität ist tiefer. Höher. Weiter.

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Aber was ist Transzendenz? Ist nicht alles spirituell? Wenn wir Gottes Liebe spüren, zulassen würden, müssten wir wie ein Kind uns auch selbst wertschätzen und lieben können. Selbstliebe one Narzissmus, geht das?

Und wenn wir uns selbst lieben lernen in unserer Unperfektheit, können wir auch die unperfekten Anderen lieben lernen? Wir verändern die Welt, wenn wir Menschen wertschätzen. Es kann schon eine Geste, Zuhören, eine Umarmung, eine Einladung sein. Wir machen uns dieses Lieben oft viel zu kompliziert.

Lieben heisst sogar anders zu denken und zu sprechen. Über sich selbst und andere. Wir können nicht alles, aber wir haben unglaubliches Potential. Wie wir über uns und andere denken und sprechen formt unsere gemeinsame Wirklichkeit.

Sehen wir Gebrochenheit oder Potential? Unsere Kreativität, unsere Vorstellungskraft, unser Glaube an das Gute in uns und in Anderen ist eine oft vergessener Kraft unseres kreativen Potentials. **

Sich verlieren. Jetzt wird es seltsam. einerseits brauchen wir Disziplin das Gute zu denken und zu schaffen. Aber seltsamerweise müssen wir uns auch verlieren, wenn wir das Original in uns finden wollen. Für wahre Transzendenz muss das Ego sterben, damit ein gelassenes, erfülltes Ich und Wir leben kann.

Gott macht es vor. In Jesus wäscht er (oder sie) seinen Kindern die Füsse. Die Asketen wurden still in der Schöpfung, Mystiker schwebten in ekstatischer Verzückung. Musik, Tanz, Kunst, Liebe, Trauer, Freude. Wir wollen uns verlieren. Wer das ohne Drogen, Gewalt und Macht schafft, wer aus dem Moment schöpft, dem Reichtum des Seins, fühlt sich am Leben. Ist. Der Franziskanerpater Richard Rohr beschreibt das gut. In der Gegenwart liegt die Gegenwart Gottes. Der Moment, das Jetzt, hat eine unerwartete, göttliche Tiefe, in der man sich verlieren, in der man sein kann.

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Dienen. So viele Menschen sagen, sie haben Sinn gefunden für ihr Leben, wenn sie etwas Sinnvolles tun können. Lieben. Bei Mutter Theresa die Toten waschen. In der Suppenküche für die Obdachlosen kochen. Kinder aufziehen. Jemanden bedingungslos lieben. Wenn wir verliebt sind, suchen wir uns nicht. Wir gehen auf in der Liebe. In sofern ist Identität ein Weg, ein Handeln, eine Erfahrung. Die Menschen, die für die Geflüchteten in Zeiten der Not da waren und ihnen helfen konnten, sind für immer verändert. Und viele Ankommer leiden darunter, dass sie hier das Gefühl haben, nicht gebraucht zu werden. Wir wollen hilfreich sein. Es gehört zu unserer Identität.

Selbstaufgabe ist uns im Westen oft fremd, weil wir schon so beschäftig damit sind, uns zu finden. Wir leben mit vielen Missverständnissen. Was Glaube ist zum Beispiel. Glaube heisst nichts anderes als Vertrauen. Vertrauen, dass wir schön geschaffen, gut gemacht, wunderbar und fähig sind. Dass wir geliebt sind und dazu da zu lieben. Auch wenn die Welt uns etwas manchmal anderes erzählt.

Als Kinder haben wir noch oft dieses untrügliche Gefühl der überschäumenden Liebe. Wir erforschen, überschreiten alle Grenzen, freuen uns, wollen andere begeistern, sind wie Vogelschwärme, die an einem Frühlingsabend über Rom tanzen.

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Identität ist also vielschichtig. Wir finden uns nicht, wir sind. Unverwechselbares und kostbares Individuum, frei und fähig. Wir sind Teil einer Gemeinschaft, die uns fördert, der wir dienen. Und wir sind transzendenter Teil einer Einheit mit Gott, getragen und geliebt. Hier und jetzt. Sind wir? All das ist eine Entscheidung. Die Freiheit haben wir. Erwarten wir Besuch? Bleiben wir nackt? Setzen wir uns feierlich einen Hut auf?

Praktisch: Wie leben wir, was wir sind? Immer stärker wird uns und anderen klar, dass Gemeinschaft der Schlüssel ist. Zusammenleben, ob in einem Haus, einem Dorf. Gemeinschaft kann uns lehren geliebt, einzigartig und Teil von etwas Größerem zu sein. Darum glaube ich daß Sharehäuser als lernende Gemeinschaften so wichtig sind. Erkenntnis ist gut, Praxis ist besser, denn sie transzendiert.

Ist das alles wahr? Wenn ich auf meine innere Stimme höre, dann ja. Meine Erfahrung mit den Sharehäusern sagt auch: Ja! Wahrheit bringt Leben, sie lässt uns aufblühen, ist fruchtbar, bringt tiefe Freude, Dankbarkeit, Teilen, Wertschätzung, Geborgenheit, Leidenschaft, Sich reich fühlen. 

Wir sind. Wie bitte?

Wer sind wir? Was sind wir?

Wir sind geliebt. Damit fängt alles an.

 

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Bilder: Paros, Kykladen. Am 6. Januar wird in Griechenland die Taufe Jesu gefeiert. Bücher: * Sehr schön beschreibt Friedrich Sieburg Rousseau in seinem Buch Nicht ohne Liebe** Über die kreative Kraft des Glaubens schreibt Paul Yonggi Cho in The Fourth Dimension.

Fragen an Rama

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Rama is family. She is part of the Sharehaus Refugio community we started in 2015. She volunteered in Jordan in a refugee camp and then came to live in Germany in a small town in Brandenburg. Not easy for a single woman from Syria, but she made good friends. Rama and Elke were once portrayed as unusual friends in age, culture and beliefs, and now we feel its time to ask our friend a few more questions about her inspiring life. We are learning from Rama, because she sees the challenges of integration and learns to take the best from both sides. With woman like Rama German society will change to the better. She is an optimist, and a dedicated person truly caring for others. She is an ambassador for the Sharehaus idea.

Rama, what are you thankful for?

It’s really interesting question because in my room I have “gratitude wall” I wrote on it what I’m thankful for!

I’m thankful for being healthy, being positive having family and friends, having house and bed, on the top having God who’s taking care of me!

What is moving you right now, what’s on your mind?

Focusing on my future and making a plan for 2018.

What did you recently that was important?

Starting to speak only German obwohl mein Deutsch nicht so gut ist 😹

What is hindering you life right now, what is in the way?

There is no perfect life, there will be always difficulties. Maybe I miss feeling stable in one place with no fears having to start over and over again in other places!

From who did you learn in good or bad?

From everyone I’ve got something or I learned something and to be honest the definition of “bad and good” is a variable. Not easy to answer!

What do you think is the key to your success? Or where do feel successful?

The key of success is to believe in myself. I can reach everyone’s heart if and if I want!

 

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What do you still want to learn in the future?

I want to Improve skills in order to reach my goal! I want to be wiser and I want to know the purpose of my life , why the God created me, what is my role!

What is it you can share right now with others?

Everything and nothing!

What is true community for you? With whom?

Community is safe place with friends, close friends, and family.

How would your favourite Sharehaus look like for you personally?

Private home with people who care for each other!

What is your vision? Or what was your dream as a child already?

I always had a dream of being someone with a lot of potential to make everyone happy!

My dream came true one time in Jordan when I worked as a volunteer in charity organisation. I will do my best to work in those kind of jobs, where I can be helpful and give positive energy as much as I can!

Describe your spirituality

Free spirit, my spirit can fly 🙂

Will love always win in the end you think?

No, not necessarily!

What do you personally love about God?

When everyone turns their back on you, you will find God hugging you!

Fragen an Andreas

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Andreas gehört zu den Menschen, mit denen man begeistert das scheinbar Unmögliche möglich machen kann. Am besten bei einer Flasche südafrikanischem Wein. Seinem Enthusiasmus und seiner Vision verdanken wir, daß das Sharehaus in Deutschland aufgebaut und in kurzer Zeit mit dem Refugio berühmt werden konnte. Andreas liebt im Leben draussen und im Team zu arbeiten, und hat einen Blick für das Potential in Anderen. Und er ist noch lange nicht ausgelastet, was sein eigenes visionäres und kreatives Potential angeht. Noch ein Grund mehr ihn auszufragen.

Andreas, wofür bist du dankbar?

Für meine Frau Inis, deren Liebe ich jeden Tag neu genieße. Für Familie und Freunde – langjährige Weggefährten genauso wie Menschen, die erst kürzlich Teil meines Netzwerks geworden sind. Für Türen, die sich öffnen, ohne dass ich Entscheidendes dazutun konnte. Für keltische Spiritualität. Für Musik. Dafür, dass ich viele Reisen unternehmen konnte, besonders nach Irland und Iona, Neuseeland und ins südliche Afrika. Für das Meer. Für Steve Jobs (Think different!) und Nelson Mandela. Für alle Südafrikaner*innen, denen ich begegnet bin, die auch heute noch Mandelas Vision von der Regenbogennation im Herzen tragen.

Was bewegt dich gerade? Was beschäftigt dich?

In den zurückliegenden zwei Jahrzehnten hat unsere Gesellschaft einen außerordentlichen Modernisierungsschub erlebt. Smarte Technologien haben unsere Lebensweise sehr grundlegend verändert. Durch meine Tätigkeit bei der Berliner Stadtmission habe ich tagtäglich mit Menschen zu tun, die an den Segnungen der Moderne nicht im ausreichenden Maße teilhaben. Sie fühlen sich nicht nur subjektiv abgehängt, sondern sind es faktisch auch. Warum sind die Ressourcen dieser Menschen für die Gesellschaft nicht bedeutsam?

Ich persönlich habe stets von Individualisierung und Pluralisierung profitiert, aber sehe die Gesellschaft als Ganze an einem kritischen Punkt angekommen, denn noch mehr ICH und noch weitergehende soziale Ausdifferenzierung wirkt schädlich. Wie viele andere frage ich danach, was unsere Gesellschaft eigentlich im Kern zusammenhält; wohin und wer sie zukünftig steuert. Komplexe Herausforderungen sind nicht durch die einfache Antworten oder rückwärtsgewandte Konzepte zu bewältigen. Mehr denn je müssen wir unser Handeln an nachhaltigen Zielen orientieren und Dialog über die Grenzen unserer unterschiedlichen Lebenswelten hinweg fördern.

Was hast du in letzter Zeit gelernt, das wichtig war?

Ich habe in letzter Zeit mehrfach die Grenzen von Intrapreneurship erfahren. Das war schmerzlich – für mich, für andere.

Was hindert dich im Leben, oder sogar: woran verzweifelst du?

Was nervt: Gefüllte statt erfüllte Zeit. Informations-Overflow. Schlechte Organisation, durch die man viel Energie an der falschen Stelle verliert. Macht ohne ausreichende Kontrolle. Populismus. Fremdbestimmung.

Hinderlich ist auch, wenn ich es durch allzu viel Betriebsamkeit verlerne in Kontakt mit den eigenen Leidenschaften zu sein. Für mich geht das einher mit einem Qualitätsverlust meiner Beziehung zu Gott (Erkenntnis aus einem Fast-Burnout vor rund 20 Jahren).

Es gibt in jedem von uns viel schlummerndes Potenzial. Man braucht aber genügend Achtsamkeit, um es zum Leben zu erwecken. Ich finde das Zitat von Rainer-Maria Rilke genial: „Du musst Dein Ändern leben“. So heißt auch ein Film über den Klunkerkranich in Neukölln. Ich habe immer wieder Phasen in meinem Leben gehabt, in denen ich gespürt habe, dass etwas Neues wächst. Immer die verbunden mit der bangen Frage: Wird das, was in Deinem Kopf arbeitet und Dein Herz umtreibt, wirklich das Tageslicht erblicken? Wird das Eis halten, auf das ich mich begeben will? – Für mich auch eine Frage des Gottvertrauens.

Von wem hast du im Guten wie im Schlechten gelernt?

Die Antwort auf diese Frage fällt mir am schwersten. Klar – man lernt immer, sowohl durch gute als auch durch schlechte Erfahrungen. Eine der diffizilsten Fragen in der Pädagogik ist: Wie kann man Resilienz lernen; also Widerstandsfähigkeit oder die Kompetenz konstruktiv mit den Widrigkeiten des Lebens und mit Misserfolgen umzugehen?

Manches kann man nicht direkt vermitteln oder erlernen, insbesondere Haltungen. Resilienz gehört dazu. Es ist leichter Faktoren zu benennen, die Resilienz fördern und begünstigen, und den Blick darauf zu lenken, was einem Kraft gibt. Dies führt letztlich zurück zur ersten Frage: Wofür kann ich danken?

Rückblickend habe ich am meisten gelernt, wenn ich auf Widerstände gestoßen und ihnen nicht ausgewichen bin. Hard times make you strong.

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Was macht deinen Erfolg aus? (oder das, wo du dich erfolgreich fühlst)

Wie entsteht Erfolg? Zunächst halte ich es für essentiell die eigenen Begabungen zu kennen. Wichtig ist aber auch, dass die Systeme so gestrickt sind, dass Stärken tatsächlich zum Zuge kommen können. Der ´Nährboden` muss stimmen.

Erfolg setzt klare Ziele voraus. Erfolg entsteht durch Entschlossenheit, Beharrlichkeit und Fokussierung auf die Ziele. Durch harte Arbeit – vielleicht. Auch eine gewisse Strukturiertheit schadet nicht. Aber ohne emotionale Intelligenz geht es nicht. Soll heißen: Das richtige Gespür haben. Teamplay, innere Verbundenheit mit Anderen. Auf das eigene Herz hören. Wie schon gesagt: In Kontakt sein mit der eigenen Leidenschaft.

Was willst du noch lernen oder was sind deine Fragen ans Leben?

Zunächst einmal ist es wichtig überhaupt lernen zu wollen. Wer nicht mehr lernen will, hat aufgehört zu leben. Fragen, die mich interessieren: Wie gehen wir mit Menschen um, die unsere liberale Moderne von innen oder außen zerstören wollen? Wie können Frieden und Versöhnung wachsen zwischen Gruppen, die sich feindlich gesinnt sind? Woran erkenne ich den richtigen Zeitpunkt die Verantwortung in andere Hände zu legen?

Was kannst du gerade teilen von dir und von dem was du hast?

Ich teile sowohl materielle (Geld) als auch immaterielle Dinge (Zeit, Ideen) mit Anderen.

Was macht eine echte Gemeinschaft für dich aus?

Ich habe bereits zwölf Jahre in einer christlichen Community im ländlichen Niedersachsen gelebt. Entscheidend für meine Wahl war Leben, Spiritualität und Arbeiten ganzheitlich miteinander verbinden zu können. Ich bin Idealist und arbeite gern und viel für das, was mir am Herzen liegt. Gleichzeitig brauche ich Zeitsouveränität. Eine Gemeinschaft ist dann für mich attraktiv, wenn sie mir beides bietet.

Gemeinschaft ist kein Selbstzweck, sondern braucht ein Ziel, für das sie sich einsetzt. Braucht eine Gemeinschaft einen charismatischen Leiter? Wenn Charisma bedeutet, über Grenzen hinweg, also visionär denken oder als Nachfolger eines Gründers eine bereits vorhandene Vision lebendig erhalten und weiterentwickeln zu können, dann ja.

Was ist ein Sharehaus für dich ganz persönlich? Wie sähe es aus?

Ich habe 2013 zum ersten Mal vom Sharehaus in Südafrika gelesen. Mich hat es von Anfang an immer an die erste christliche Gemeinde in Jerusalem erinnert, von der die Apostelgeschichte berichtet. Ihr Reichtum lag im Teilen. 2014 starteten wir das erste Sharehaus in Deutschland, in Kreuzberg. Du nanntest es „Werkstatt für himmlische Gesellschaft“. Es gibt für mich keine zutreffendere Beschreibung als genau das. Das Sharehaus ist gelebte Utopie, ein Experimentierfeld. Ein Labor für eine solidarische Gesellschaft. Im Sharehaus inspirieren und unterstützen sich die Menschen gegenseitig durch ihre vielfältigen Lebensgeschichten.

Ist da eine Vision für dein Leben, die du vielleicht sogar schon als Kind hattest?

Ich bin auf dem Land aufgewachsen und hatte eine schöne Kindheit, aber als Kind konnte ich über Berufswünsche wie Förster oder Busfahrer nicht hinausdenken. Da war also nichts Visionäres. Was geblieben ist, ist die Liebe zur Natur und meine Reise-Leidenschaft.

Für mich gibt es nicht die eine Vision, die ich beharrlich verfolge. Das Spektrum meiner Interessen ist recht vielschichtig. Ich kann mich für vieles begeistern. Ich bin ein initiativer, unternehmerischer Typ. Ich träume aktuell z.B. davon ein Gründerzentrum für kirchliche Startups aufzubauen.

Was glaubst du über das sichtbare Leben hinaus? Was ist deine Spiritualität?

Ich bin evangelisch getauft und konfirmiert, aber in meinem Elternhaus spielte der Glaube im Alltag keine Rolle. Mit 17 Jahren wurde überraschend mein Interesse am christlichen Glauben geweckt. Freunde schleppten mich in eine kirchliche Jugendgruppe mit. Ich begann die Bibel zu lesen, aber so kritisch hinterfragend, wie ich im Deutsch-Unterricht mit Literatur umzugehen gewohnt war. Irgendwann war ich frustriert, wollte den christlichen Glauben ad acta legen. Es änderte sich, als ich mich mit einem Mitglied der Gemeindeleitung immer freitags um 18.30 Uhr zum Beten im Büro seiner Tischlerei traf. Langsam kam ich dem Geheimnis des Glaubens auf die Spur und begriff: Wer sich nicht mit Haut und Haaren auf Jesus Christus einlässt, dem ist es nicht möglich über die vordergründige Wirklichkeit hinauszusehen. Ich will hier jetzt nicht in einen Predigtstil verfallen, aber ich lernte mit den Augen des Herzens zu sehen. Von da an machte ich Entdeckungen in der Bibel, die mir vorher verborgen geblieben waren. Glaube beginnt immer mit einer persönlichen Erfahrung. Wer sie noch nicht gemacht hat, dem werden Christen vermutlich immer ein wenig seltsam vorkommen.

Es gibt leider viele Christen, die verbringen ihr Leben in einer Art christlichem Paralleluniversum. Ihr soziales Netzwerk beschränkt sich auf Leute aus ihrer Gemeinde. Das konnte ich noch nie ab. Schon als Jugendlicher hatte das Nachtleben eine viel zu große Anziehungskraft auf mich. Eine Spiritualität ohne Zuwendung zur Welt, ohne echte Auseinandersetzung mit anderen Weltanschauungen ist für mich hohl. Ich habe immer sehr viel gelernt, weil ich mich nicht nur unter Gleichgesinnten aufgehalten habe und in andere Lebenswelten eingetaucht bin.

Die Liebe gewinnt am Ende, glaubst du das?

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Was liebst du an Gott?

Dass man ihm überall begegnen kann. Dass er an mich glaubt, trotz aller inneren Abgründe. Gott ist für mich: Heilsame Kraft. Unergründliche Tiefe. Bedingungslose Liebe. Gelassenheit und heilige Unruhe gleichzeitig. Quelle von Kreativität.

Ps. Hier die Apple Kampagne Think different von 1997 die mich immer noch inspiriert:

An alle, die anders denken:

Die Rebellen,

die Idealisten,

die Visionäre,

die Querdenker,

die, die sich in kein Schema pressen lassen,

die, die Dinge anders sehen.

Sie beugen sich keinen Regeln,

und sie haben keinen Respekt vor dem Status Quo.

Wir können sie zitieren, ihnen widersprechen, sie bewundern oder ablehnen.

Das einzige, was wir nicht können, ist sie zu ignorieren,

weil sie Dinge verändern,

weil sie die Menschheit weiterbringen.

Und während einige sie für verrückt halten,

sehen wir in ihnen Genies.

Denn die, die verrückt genug sind zu denken,

sie könnten die Welt verändern,

sind die, die es tun.

Fragen lernen

Forschung.blog

Die richtigen Fragen stellen.  

Echte Neugier und kindliches Staunen gehören zum Leben, kluges Hinterfragen und ehrliches Ringen auch. Oft verlernt, werden sie wichtig in unserer Serie im Sharehaus-Lab, in der wir Interviews bringen mit inspirierenden Menschen und von unserem Forschen nach lebendiger Gemeinschaft erzählen. Und all das so, dass es auch praktisch angewandt werden kann. (Alles Neue rund um Sharehäuser in unserem Newsletter). Hier beginnt der neue Blog des Sharehaus-Labs.

Forschung 1

ethik & werte

Was treibt uns an, welche Werte haben wir, und wie wichtig sind eine gemeinsame Ethik und gemeinsame Werte?

Wir glauben, wir haben als Kultur, als Land, als Gesellschaft eine gemeinsame Ethik, wir teilen Werte. Aber die letzten Jahre haben gezeigt, dass wir das nur glauben. Die Welt scheint aus den Fugen zu geraten, weil Nationalisten die Demokratie untergraben, Präsidenten lügen und Radikale neue Werte definieren.

Wir lebt man zusammen? Unsere verschiedenen Sharehäuser haben einen Reichtum an Erfahrung gebracht, manche lustig wie die im Refugio, als wir basisdemokratische Abstimmungen, Soziokratie, testeten, bis einer der Ankommer entnervt sagte: “Ich will strenge Regeln und Strafen! Ich will nicht Rumreden!” Wenn ich entwurzelt und geflüchtet wäre, würde mich auch nicht gerne stundenlang treffen, weil die Gemeinschaftsküche immer dreckig ist. Klare und oft strikte Hierarchien sind oft nötiger für Gemeinschaften als ich dachte. Vor allem je bunter, desto weniger sollte alles zusammen entschieden werden. Hausbesetzer aus den 80er und 90er Jahren wissen was ich meine.

Gleichzeitig war ich überrascht über die tiefe Ehrfurcht gegenüber dem Leben, die wir lebten, weil der bunte Haufen aus Studenten, Ankommern, Deutschen, Unruhigen, Stillen, Lauten, Muslimen, Christen, Atheisten, Buddhisten und vielem mehr, ein Staunen verlangte. Eine Ehrfurcht vor dem Leben der Anderen. Die kam vor allem von den Ankommern. Wenn man alles verliert, wird das Leben ungemein kostbar. Und wenn man ganz neu irgendwo anfangen will, ist man echt neugierig, weil man die neuen Regeln, die ganze Kultur lernen muß.

Unsere Freunde aus Syrien, Afghanistan oder Somalia haben oft gelacht über unser seltsames Verhalten in Deutschland. Wenn wir uns in den Finger schneiden, schreien wir nicht oder selten. Essen bieten wir auch auch nur einmal und nicht viermal, und manchmal sagen wir einfach Nein, obwohl es unhöflich ist.  Überhaupt, wir sind ein sehr privates, selbstbewusstes, manchmal selbstbezogenes, etwas obrigkeitshöriges und jammeriges Volk, inklusive aller Einwanderergenerationen.

Aber die Bewunderung der Ankommer ist echt, weil wir im Frieden leben, wir für Ordnung sorgen und es so was wie Recht gibt. Nur die Brücke zu echten interkulturellen Freundschaft ist schwer zu bauen. Überhaupt: Gemeinschaft braucht viel Kraft, Leben, Konflikt, inneres Wachsen, Übung. Viele Ankommer sind ratlos wie sie bei uns ankommen können, weil wir über viele Themen nicht so gerne sprechen, über Gott, Familie, Tradition. Dabei fällt ihnen das auch schwer. Wenn wir wie im Refugio begonnen, aber dann doch darüber sprechen, sind die Verbindungen, die Beziehungen tief.

Wir sind auf Paros im Haus eines Freundes. Blick aufs Meer, der Wind weht stark im Winter. Beim Stöbern finde ich Albert Schweitzers “Aus meinem Leben und Denken” und lese fasziniert, was er selbst schreibt. Albert Schweitzer (1875-1965) war ein Universalist, einer der eine riesige Neugier aufs Leben hatte. Er war ein Freidenker, Autor, lehrte Theologie, spielte Orgel und half dabei Bach neuzuentdecken, und studierte nochmal, um als Arzt in Afrika eine Krankenstation aufzubauen.

Fasziniert wie ein großes Kind betrachtete er den Mensch und die Welt und als der erste Weltkrieg ausbrach, begriff er, wie eine so hochentwickelte Kultur so barbarisch werden konnte. Ihm war schon davor unwohl geworden, weil der Fortschritt und die Errungenschaften der europäischen Zivilisation ohne tiefere Ethik waren. Ich übernehme hier mal seine Erkenntnisse für die Gemeinschaft, die das Fundament einer jeden Gesellschaft ist. Schweitzer über Kultur:

“Als die Wesentliche der Kultur ist die ethische Vollendung der Einzelnen und der Gesellschaft anzusehen … Welcher Art aber ist die Weltanschauung, in der universelle und der ethische Fortschrittswille miteinander begründet und miteinander verbunden sind? Sie besteht in der ethischer Welt- und Lebensbejahung.” 

Welt- und Lebensbejahung. Natürlich! Na klar! Was sonst bitte schön? Aber so normal ist sie gar nicht. Wir Menschen leben mit der Entrückung, im Guten wie im Schlechten. Islamisten bringen anderen den Tod, damit sie im Jenseits reich sind. Die Christen des Mittelalter waren mystisch und oft weltfremd, und viele Buddhisten oder Hinduisten praktizieren bis heute Lebensverneinung. Die heiligen Sadhus versagen sich dem Leben, um höher, über dieses Leben hinaus zu gelangen. Die Nazis klauten davon und faselten von der Schönheit der Ruinen ihres Tausendjährigen Reichs und der Endlösung. Nazis heute träumen ebenso von einer mythischen Reinheit durch Ehre und Tod.

In irgendeiner Form leben wir alle Eskapismus,  wir wollen der Welt entkommen durch Drogen, Extremsport, Sex, Geld, Ruhm, Ekstase, Erfolg, die einsame Insel. Die Sehnsucht danach ist richtig. Entrückung in der Meditation ist gut, um sich zu erden im Göttlichen, um den Frieden zu erlangen friedlich in dieser gebrochenen Welt zu leben. Entrückung ist schön in der Kunst, im Tanz, im Freuen, aber um zu leben, im hier und jetzt, und um diese Welt hier reicher zu machen.

Bei uns in Europa brachte die Renaissance wieder die Welt- und Lebensbejahung, die auch Jesus lehrte, im Hier und Jetzt handeln und Gutes tun, für Gerechtigkeit sorgen, für den Frieden aller Menschen. Jesus war radikal, weil er die Ehrfurcht vor jedem Menschen lehrte, gerade für die Verlorenen, die Kranken, Waisen, Witwen und Gefangenen. Im Grunde lehrte er anti-karmisch. Das Leben jetzt ist nicht eine Belohnung oder Strafe deines vorigen, sondern jeder Menschen Leben ist unendlich kostbar. Jetzt, hier und ohne Ausnahme. Das war Mahatma Gandhis Renaissance für Indien.

Die welt- und lebensbejahende Zivilisation der Generation Albert Schweitzers stürzte in den ersten Weltkrieg, der eine noch nie gekannte Menschenverachtung brachte und eine ganze Generation als Kanonenfutter verheizte. Sogar heute sehen wir uns wieder Nationalisten, Holocaustverleugner, Radikalen und Autokraten gegenüber in unserer eigenen Kultur, wo wir doch dachten: Nie wieder.

Gesellschaft, also Gemeinschaft, ist harte Arbeit. Die Syrer, die ich kennenlernte, kamen aus einem Land, dessen Krieg und Gräueltaten Hitler in den Schatten stellen, sagen sie. Und die dann aber wieder eine tiefe Ehrfucht vor dem Leben hatten. Vielleicht gerade deswegen.

Die Ehrfurcht vor dem Leben, von Goethe entliehen, war für Schweitzer der Kern echter Kultur. Zu oberflächlich war die Ethik um die letzte Jahrhundertwende vor dem ersten Weltkrieg, ohne Wurzeln, ohne Leben. Man glaubte sich fortschrittlich. Aber der Fehler war, dass man fortschrittlich sein wollte, und doch nicht mehr wirklich den Menschen und die Welt ethisch vervollkommnen wollte. Und genauso erlebe ich manchmal unsere Kultur der Gegenwart: verwahrlost. Ohne tiefere Ethik.

Aber warum ist das so?

Gemeinschaften gab es seit Beginn der Zeit. Manche leben, blühen auf, andere zerbrechen. Wenn sie nicht von feindlichen Kriegern überrannt wurden, gingen Kulturen daran zugrunde, dass ihnen die ursprüngliche Ethik abhanden kam bei allem äusserlichen Glanz. Den Griechen ging es so, frei, mutig, demokratisch, hatten sie den unschätzbaren Wert des Einzelnen erkannt. Dann verrohten sie in internen Kriegen. Ihnen war die Ehrfurcht vor dem Leben abhanden gekommen. Vor dem eigenen und dem der Anderen.

Unsere Gefahr ist anders. Im Sharehaus Refugio übten wir als Gemeinschaft gemeinsame Ethik und Werte in workshops, wir sprachen über sie, einigen uns, und ich fand, wir versuchten sie jeden Tag zu leben. Es dauerte, aber die Gemeinschaft wurde tiefer und es gelang etwas Ungewöhnliches: Statt nur zur eigenen Kultur zu driften oder mit ähnlich Sozialisierten sich zu befreunden, war da eine echte Neugier und ein Lernen vom Anderen. Das Refugio wurde übergeben und wir merkten schnell, Gemeinschaftskultur kann erlöschen, wenn man sie nicht täglich übt. Und die Übung braucht Anleitung.

Ich staune dass Albert Schweitzer im Elsass alle Ehre aufgab als angesehener Musiker, Gelehrter, Geistlicher zur arbeiten, um im Urwald denen zu dienen, die krank waren. Aber er war nur konsequent als Christ, denn dieses gute Leben ist ein Ringen:

Wir wissen, dass wir alle mit den Verhältnissen um unser Menschentum zu ringen haben und Sorge tragen müssen, den fast aussichtslosen Kampf, den viele in ungünstigen sozialen Verhältnissen um ihr Menschentum führen, wieder zu einem aussichtsvollen zu gestalten.”

Absolut aktuell.

In den USA, las ich, kann jeder 5te seine Miete nicht mehr bezahlen kann. Ganz gewöhnliche Familien landen auf der Strasse. Die gelebte Ethik im kapitalistischen Fortschritt ging schon lange verloren. Die 80er brachten den Neoliberalismus, im Grunde freiheitsbejahend, aber letztendlich sorglos gegenüber dem Leben anderer.

Gier wurde schick, Egoismus war angesagt, und all das brachte Elend. Nationalismus ist eine Antwort drauf, erfundene Werte wie “Weisse Überlegenheit” sind wieder denkbar, weil die gemeinsamen gelebten Werte, die Ethik verlorenging und manche sie durch einfache, grobgeschnitzte, ersetzen will. (Sehr gute Lektüre in The Atlantic: The Making of an American Nazi)

Den unethischen Visionen der Nationalisten und Autokraten müssen wir etwas entgegensetzen, damit die Verführer keine Macht haben. Oft ganz einfach, wenn Nachbarn füreinander da sind, sich kennenlernen und offen und mit neugierigem Respekt miteinander gestritten werden kann. Wenn man eine gemeinsame Ethik lebt, für die man auch einsteht. Vor allem, wenn man eine Welt- und Lebensbejahung für alle teilt.

Viele Einwanderer erleben Deutschland, auch Europa, als grundsätzlich gut, aber in der Gemeinschaft und Nachbarschaftlichkeit, und in der Durchsetzung der Werte schwach. Eine gute Warnung. Und die geflohenen Menschen, die ich befreundete, können uns helfen wieder zu verstehen, wie die Gesellschaft auf dem Level der Gemeinschaft, der Nachbarschaft zu leben beginnt. Sie bringen dieses Wissen mit.

Ist doch klar: Wir dürfen mediterraner miteinander teilen, reden, leben, singen, tanzen, lachen, gastfreundlicher sein. Was wir mediterranen Kulturen voraus haben ist Ehrenamt, also Anderen, einer guten Sache ganz selbstlos dienen, während in vielen anderen Kulturen ausserhalb der eigenen, erweiterten Familie kein soziales Pflichtbewusstsein da ist.

Beides zusammenbringen: Herzliche, familiäre Nachbarschaft und füreinander Sorgen, und eine Selbstlosigkeit denen gegenüber, die am Rand der Gesellschaft verloren gehen können. Das ist Ehrfurcht vor dem Leben, eine, die einen selbst auch erfüllt. Und ist man selbst erfüllt, lebt man auch gelassener und muss andere nicht verantwortlich machen für die eigenen Probleme. Das ist wahrer Reichtum.

Praktische Umsetzung:

Persönlich durch regelmässige Meditation erden, dann ähnlich wie in der griechischen Antike in Demokratrieclubs 1-2mal im Monat  für 1-3 Stunden diskutieren, in Runden zu 5-60 Menschen. An öffentlichen Orten, in der Nachbarschaft, in Hausgemeinschaften, am besten im Kiez. Austauschen, jeden anhören mit Ängsten oder Wünschen, Nachfragen, und eine gute Streitkultur des gegenseitig Lernens entwickeln. Soll reihum moderiert werden von jung und alt, neu und alteingesessen.

Also nicht Talkshows, nicht politische Vertreter oder Redenschwinger und keine Meinung, die halt so ist, sondern Erfahrung und Wünsche teilen, gute Argumente, Lernen, alle Fragen zulassen. Solche Debattier-und Frageclubs angeleitet und moderiert mit klaren ethisch relevanten Themen, die vorher festgelegt wurden. Pflichtprogramm für Politiker zum Mithören.

Wir haben ein großes, kaum genutztes Potential voneinander zu lernen. Woran es uns mangelt, ist die Übung und die gemeinsamen Werte auch durchzusetzen, vor allem die unverhandelbaren wie Rede- und Religionsfreiheit, Gleichstellung, die unantastbare Würde des Menschen. Immigranten und die sich ausgeschlossen fühlen, schaffen oft Ghettos ihrer Kultur, in denen plötzlich eigene Gesetze gelten. Ob Ehrenmorde, Islamismus oder Angriffe auf Flüchtlingsheime, die Gesellschaft ist nur so stark wie sie ihre Ethik und ihre Werte verteidigt. Und am Ende sind es nur ganz wenige, die wirklich zerstören wollen, der Rest zieht meist nur mit, weil sie eine Leere empfinden, wo eine starke Gemeinschaft sein sollte, in der alle gehört werden.

Ich bin Optimist. Wir müssen nur täglich und rechtzeitig was tun. Unser ganze Panikgesellschaft, die jeden ständig irgendwo arbeiten sehen will, um Selbstwert zu generieren, braucht einfach Zeit für Kultur, Gespräche, Zuhören. Und Humor. Im Refugio haben wir eine neue Kultur begonnen miteinander zu leben, nicht nur Ankommer und Einheimische. Wir habe uns Zeit genommen zusammen zu kochen, zu essen, zu weinen und offen über wichtige Herzensdinge zu sprechen wie Frieden, Respekt, Liebe, Gemeinschaft. Wir haben es oft geschafft, dass jeder aussprechen kann, was ihn oder sie bewegt und kein Gefängnis der eigenen Gefühle und Gedanken entsteht.

Schweitzer war auch optimistisch: “Aus dem Denken kommender, vertiefter ethischer Fortschrittswille wird uns also aus der Unkultur und ihrem Elend zur wahren Kultur zurückführen. Früher oder später muß die wahre endgültige Renaissance anbrechen, die der Welt den Frieden bringt!” Yes! Albert Schweitzer nannte es Denken, ich würde Denken, Hören, Fühlen nennen. Der Wahrheit horchen und dem alles verbindenden Geist, göttlich und menschlich. Dem war auch Albert Schweitzer Zeit seines Lebens verbunden

Sven Lager aus dem Sharehaus-Lab

Nächste Folge: Interview mit Andreas Schlamm

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Themen der nächsten Forschungsblogs:

Lebendige Beziehungen, persönliche Lebensaufgabe finden, Rhythmen der Gemeinschaft, Absichtliche und unabsichtliche Spritualität, Absurde und erfolgreiche Gemeinschaften, Was kann Demokratie?, Dienen und Selbstbestimmung, Gegenseitige Integration, Wahrer Friede, Was Arbeit kann, …

*Forschung und Interviews sollen auch mit der Zeit auf Englisch erscheinen, wie alle unsere Veröffentlichungen.

Hier beginnt der neue Blog des Sharehaus-Labs.

bow low, jump high

 

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joy is born

when I die

fresh chestnuts in a park

 

when losing all

what then remains

a colourful rock to pray

 

pride was bright

then weakness came

my lilies in the field

 

new colours

dripping from my hand

the sky a deeper shine

 

now a camel bows

through the lowest gate

a love song in the streets

 

the mighty whale, you know

dives deep and breathes

above, to jump with joy

 

After such an intense season of building I experience a new peace in looking, listening, learning. And rediscovering new depths of art. Love and art, song, pain and beauty, they are interwoven. The kingdom we speak of, this heaven on earth, is more than ever one sung, painted, written, performed by artists and in community. Art is part of a mysticism that can lead us to deepest joy in the everyday. This one is for all the artist with a lovesong in their heart.

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Nach so einer intensiven Zeit des Aufbauens erlebe ich einen neuen Frieden beim Zusehen, Zuhören, Lernen. Und beim Wiederentdecken neuer Tiefen in der Kunst. Liebe und Kunst, Schmerz, Gesang und Schönheit sind ineinander verwoben. Das Königreich, dieser Himmel auf Erden, ist mehr als je zuvor einer, der von Künstlern in Gemeinschaft gesungen, gemalt, geschrieben und aufgeführt wird. Eine Mystik, die uns in tiefste Freude jeden Tag führt. Das hier ist für alle Künstler mit einem Liebeslied im Herzen.

 

Freude lebt auf

wenn ich sterbe

frische Kastanien im Park

 

Wenn alles vergeht

was bleibt

ein bunter Fels fürs Gebet

 

Stolz schien helle

die Schwäche kam

meine schönen Blumen im Feld

 

Neue Farben

fliessen aus meiner Hand

der Himmel hat tiefren Schimmer

 

Das Kamel beugt sich tief

durch das niedrigste Tor

ein Liebeslied schwebt durch die Gassen

 

Der mächtige Wal, ja der!

taucht tief und atmet

ganz oben, für seine Freudensprünge

 

 

 

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haiku my love

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my sun
darkened by moon
death came in a truck

our love
is under fire
when beauty is slain

revenge
burns the seed
planted for heaven

but flowers
bring strength
say no with love

as refugees
we came
give me your hand

peace
is a work of many
unity divine

let your gentleness
be known to all
God is with us

 

Sometimes bored with long blogs I rediscovered Haikus. Japanese art knows how to keep it short and deep. Everything Sharehaus should be simple. This is my three page blog condensed in 7 Haikus. * Oft gelangweilt von zu langen Blogs kamen mir wieder Haikus in den Sinn. Japanische Kunst kann knapp und doch tief. Alles Sharehaus sollte einfach sein. Hier sind 3 Seiten meines Blogs verkürzt in 7 Haikus.

 

meine sonne
verdunkelt vom mond
der tod kam im laster

unsere liebe
steht in flammen
wenn schönheit stirbt

rache
verbrennt die samen
für den himmel gepflanzt

blumen sind stärke
nein zu sagen
in liebe

friede ist
die arbeit vieler
göttliche einheit

zeigt eure sanftheit
allen menschen
Gott ist mit euch

 

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Mein Freund

engl. below

Mein Freund

Es ist warm und ich streiche die Fensterrahmen unseres knallroten Sommerhauses himmelblau als der junge Fuchs erscheint. Flauschiges Fell, schüchterner Blick, schleicht er durch den Garten auf der Suche nach Essen. Na mein Freund, sage ich und er schaut misstrauisch und doch neugierig. Er erinnert mich an unseren Ridgeback in Südafrika. Anton hatte ihn Jet getauft, weil er so schnell rennen konnte. Jet war ein echter Freund.

Jet war mir treu sein Leben lang, über 10 Jahre. Auch wenn ich mal nicht gut zu ihm war. Er war schön, verrückt und wild, sprang über jede Mauer und grinste, wenn er hechelte. Und er war furchtlos. Jet der Löwenjäger. Er starb alt und weise nachdem er im Naturreservat am wilden Meer in Afrikas Süden seinen letzten Spaziergang gemacht hatte. Und dabei wurde er in den letzten Schlaf gestreichelt von den Kindern unserer besten Freunde Andy und Joan. Lange musste ich weinen damals. Ich hatte einen echten Freund verloren.

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Oft frage ich mich, was macht eine gute Freundschaft aus? Über die Jahre habe ich mich oft befreundet wie vor kurzem, als mir einer, dem ich vertraute, den Teppich unter den Füssen wegzog und als ich am Boden lag, noch nachtrat. Gerade war er noch ein so interessanter und mir wichtiger Mensch, plötzlich ein echter Depp, der mir das Leben schwer machte. Warum? Hatte ich was übersehen?

Uwe ist ein guter Freund. Neulich hat er mir wieder ein Taschenmesser geschenkt und ich werde mich mit einem Erdbeereisbecher revanchieren. Er will immer wissen wie es uns geht und was ansteht. Er kümmert sich um uns. Freunde sind ihm wichtig. Er wurde von der Stasi gefoltert und hat Jahre auf der Strasse gelebt, von da hat er einen sehr guten Blick auf die Falschen Fuffziger, die Idioten und Pappnasen und Täuscher, auf die ich eher reinfalle. Uwe ist ein so guter Freund, dass er mir schon oft die Freundschaft gekündigt hat um mir zu zeigen, wie sehr wir befreundet sind.

Als ich 30 war, gab mir endlich mal jemand den guten Ratschlag: “Freunde sind Menschen, mit denen du dich wohl fühlst und aufgehoben.” Aha. Ach so! … echt? Wie radikal und einfach! Mit denen ich mich wohlfühle und aufgehoben! Ich war echt baff.

Ich hatte mein Leben lang Freunde gehabt, mit denen war es lustig, geistreich, unterhaltsam gewesen, aber ich fühlte mich oft schäbig mit ihnen, nicht gut genug, oder viel zu gut. Konkurrenz, Abhängigkeit, Neid, falsche Bewunderung waren dabei gewesen, wie leichter Schimmelgeschmack im Kuchen. Zweckfreundschaften waren das, am Ende musste ich die Reste enttäuscht ausspucken. Der Nachgeschmack blieb für eine ganze Zeit. Erst Monate, Jahre später, konnte ich darüber lachen.

Einer tobte in unserem Garten, weil er sich angeblich wegen uns mit Faxpapier den Hintern abwischen musste. Der andere umarmte mich herzlich und schrieb mir am gleichen Tag böse Briefe. Einer kündigte mir die junge Freundschaft weil er angeblich umsonst für mich einen ganzen Tag lang geputzt hatte. Crazy. Ich war auch schlimm, meinem besten Freund nach der Schule versuchte ich die Freundin auszuspannen. Nicht lustig.

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Was ist gute Freundschaft? Was ist das gute Leben? Was gute Arbeit? Was macht Freude? Das fragen ich und Elke uns seit Jahren.

Neulich entdeckte ich wieder Epikur in der School of Life des Schweizer Philosophen Alain de Botton. Epikurs Antwort auf diese ewig gleichen Fragen waren Gemeinschaftshäuser. Häuser, in denen Freunde zusammenlebten, jeder etwas einfaches arbeitete, das meist wenig einbrachte aber positiv war, schön und einfach. Und jeder hatte Zeit zu lesen, zu träumen, nachzudenken. Tausende Menschen haben so friedlich, reich und inspiriert gelebt nach Epikurs Modell, während die Welt sich wild und wirr weiterdrehte.

Ich träume von vielen solchen Sharehäusern, auch wenn sie gar nicht so heissen. Weil ich rund um die Welt schöne Menschen kennenlernen will, die in Freude und Lust zusammenleben und arbeiten. Zu diesen Sharehäusern gehören gute Freundschaften. Vertrauen. Respekt. Echte Neugier aufeinander.

Freundschaften können auch respektvoll und mit Abstand sein, denn Freundschaft hat weniger mit Intensität, sondern mit Wertschätzung zu tun. Die muss man geben, und die muss man annehmen können. Zuviel Wertschätzung löst Krämpfe in mir aus, ich bin sie nicht gewohnt. Dafür ermutige ich andere immer gerne, aber dafür muss ich genau hinsehen und hinhören, wenn ich es ernst meine. Nichts schlimmer als falsche Bewunderung. Freund sein ist eine Kunst. Und eine Entscheidung. Wie die Liebe.

Also was tun? Erfüllt mit echten Freunden leben und arbeiten klingt easy, aber dafür muss man die falschen Freunde verlassen, sie fernhalten. Uwe hat den Riecher, ich oft nicht. Falsche Freunde sind nicht falsche Menschen, sie sind alle kostbar. Nur passen wir nicht zusammen. die Chemie stimmt nicht, oder besser: die gegenseitige Wertschätzung.

Zur gleichen Zeit als ich von einem neuen aber dann doch falschen Freund bitter enttäuscht und auch wochenlang verunsichert wurde, merkte ich, wie ich mit dem Sharehaus im und ums Refugio viele neue Freunde gefunden hatte, die immer an meiner Seite waren. Ich hatte mehr echte Freunde als je zuvor. Neugierige, treue, großzügige Menschen. Freundschaften, die stetig und langsam in der uralten Tradition des schlichten, lebensfreudigen Klosterlebens epikureischer Dimension im Refugio entstanden sind.

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Irgendwas müssen wir richtig gemacht haben. Manche der Extrovertierten wie ich waren im Refugio öfter enttäuscht, dass nicht mehr Konfetti da war und der Soundtrack der Gemeinschaft nicht herzlich genug. Wir wollten laute und sichtbare Gemeinschaft und großartige Freundschaften! Dabei entwickeln sich Freundschaft und Gemeinschaft ganz zart. Das merkte man an den Schüchternen und Zurückgezogenen im Refugio, die sich erst klein fühlten und verloren, und dann aufblühten in der steten Liebe der Gemeinschaft, die nicht perfekt, aber verlässlich war. Familie. Manche waren enttäuscht von ihrer Vorstellung, andere fanden tatsächlich eine neue Familie.

Irgendwann im Bruch des Übergangs konnte sich die Hausgemeinschaft im Refugio zwei Monate nach unserem Auszug endlich verabschieden von uns. Wir wurden herzlich umarmt und befragt. Was machst du? Wie gehts weiter? Wie gehts deiner Mutter? Was schreibst du? Und plötzlich war es kein Abschied mehr, sondern einfach eine Wegetappe zusammen, weil wir uns weiter aneinander freuen und uns wohl gemeinsam fühlen.

Und was mich wieder überraschte: Die meisten, die als unsere Familie kamen, um mit uns zu feiern, waren die Menschen, die nach Deutschland geflohen waren. Einige aus dem Haus konnten nicht, wenige aus dem Haus kamen auch einfach nicht weil sie keinen Bock hatten. Es passte nicht. In guten wie in schlechten Zeiten.

Das war eine große Ernüchterung in meiner Refugiozeit. Es gibt viele großartige Menschen, die sich gegenseitig bereichern, aber auch welche, die diese wichtige Neugier aufeinander nicht haben die gesättigt sind, aber nicht unbedingt satt.  Die keinen Platz haben für den Nachbarn. Kein Platz für Gott als Nachbarn. Warum?

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Viele Menschen leben als Monaden, Welten für sich. Sie fürchten sich vor dem Aussen und ich kann sie verstehen, ich will auch manchmal meine Ruhe. Andererseits, diese Spießer haben mich aber schon früher rasend gemacht durch ihren inneren Stillstand. Im Refugio waren es eher die Einheimischen, die stagnierten. Und auf der Suche nach neuen Sharehäusern sind es auch erstaunlich oft Religionsgemeinschaften, Altlinke und Immigranten in 2 oder 3. Generation, die sich auf Geflüchtete und den Reichtum der Anderen, der Fremden, nicht einlassen wollten, weil sie sich bedroht fühlen.

Dabei ist es aus meiner Erfahrung ganz einfach. Ob wir wollen oder nicht, wir sind Teil des kosmischen, gesellschaftlichen, menschlichen Ganzen, im Guten wie im Schlechten. Eine Pflanze, die sich nicht den Jahreszeiten und  der organischen Gemeinschaft des Gartens stellt, nicht Schatten teilt und keine Nährstoffe von anderen braucht, die keine Schöpferkraft in sich anerkennt und brauchen will, wird vertrocknen müssen. 

Das ist die Wurzel zu der wir gehen müssen. Wir brauchen einander. Als ich umarmt wurde von meiner Sharehausfamilie, überhaupt immer wenn wir uns texten, sehen, reden, zusammen essen, lachen und weinen, begreife ich wie sehr wir uns brauchen, wieviel Sehnsucht wir haben nach Gemeinschaft, nach Freundschaft, die über Jahre in Gemeinschaft gewachsen ist. Jesus war am meisten frustriert mit den Saturierten, weil sie in einer endlichen, falschen Sicherheit lebten, dem sichern Tod, während er Leben brachte, erfrischend Neues, auf das man sich einlassen musste.

Das griechische Agape beschreibt die tiefere Freundschaft, die weit über gemeinsame Interessen hinausgeht. Agape ist die liebende Freundschaft, die Gott uns lehren will. Er gab sein Leben für uns. Das ist der wahre Masstab für die Liebe, deren Herz nicht nur Begehren, Leiden oder Sehnsucht ist, sondern und vor allem Freundschaft. Und so wie die Liebe in ihrem Wesen ein Entschluss ist und eine göttliche Kraft, ist auch die Freundschaft etwas stetiges, größer als die Wirren unserer Welt. Sie ist ein Reichtum, wenn man sie wagt.

In dieser schwierigen Zeit, in der manche Tage scheinbar ohne Grund düster und sinnlos schienen, war ich nicht allein. Die für die ich da war in ihren schweren Zeiten, waren und sind für mich da. Ich habe wie nie sonst bevor Gott mistraut, obwohl wir Freunde sind. Aber er war und ist immer da, wenn ich nur tief genug in den stillen Birkenwald meiner Einsamkeit gehe.

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Freunde sind für einander da, sagt Uwe. Und: Freundschaft muss gepflegt werden. Warum hast du mich denn nicht angerufen, als es dir schlecht ging, fragt er. Da hat er recht. Freundschaft muss ich lernen und ich hoffe mein Leben ist lang genug, das Geheimnis der göttlichen und menschlichen Freundschaft auszuloten und zu erleben. Wenn ich und meine Freunde weltweit Sharehäuser ermöglichen wollen, müssen wir lernen, was echte Gemeinschaftshäuser wirklich ausmacht.

Ein Gebet, das schon oft geholfen hat: Schöner Gott, halte die Menschen heute von mir fern, die für mich nicht gut sind und denen ich nicht guttue, und lass mich Platz machen für die, mit denen du mein Leben bereicherst.

Falsche Freunde: Herzlicher Arschtritt und raus. Echte Freunde: Danke euch zutiefst ihr Goldenen!

My friend

It’s hot and I am painting the sky blue window frames of our bright red summer house when the young fox appears. Fluffy fur, shy look, he is sneaking through the garden in search of food. Well, my friend, I say, and he looks curious but suspicious. He reminds me of our Ridgeback in South Africa. Anton had named him Jet because he could run so fast. Jet was a real friend.

Jet was loyal to me all his life, over 10 years. Even when I was not good to him. He was beautiful, crazy and wild, jumped over every wall, and grinned when he was panting. And he was fearless. Jet the lion hunter. He died old and wise after he had done his last run in the nature reserve at the wild sea in South Africa. And he was caressed into his last sleep by the children of our best friends Andy and Joan. For a long time I had to cry. I had lost a real friend.

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I often wonder what makes a good friendship? Over the years, I’ve often befriended people and experienced failure, as recently when someone I trusted pulled the rug under my feet, and when I was down couldn’t stop mistreating me. He had been inspiring and important to me, and suddenly he was a real bully that made my life difficult.

Why? Had I not seen it coming?

Uwe is a good friend. Recently he gave me another pocketknife and I will honour that with a strawberry ice cream cup for him. Uwe always wants to know how we are and what we are doing. He takes care of us. Friends are important to him. He was tortured by the East German secret police, the Stasi, and lived for years on the street. He has learned how to spot the counterfeit friends, the idiots and pretenders and deceivers I often do not see. Uwe is such a good friend that he has ended our friendship many times to show me how much we are friends.

When I was 30, someone finally gave me some good advice: “Friends are people with whom you feel comfortable and honoured.” Ha!… really? How radical and easy! With whom I feel comfortable and cared for! I was baffled.

I had befriended people all my life with whom it was fun, entertaining, enriching, but I often felt shabby with them, not good enough, or way too good. Competition, dependency, envy, false admiration had been in the way, like a light moldy taste in the cake. At the end I had to spit out the rest, the bad aftertaste stayed on for a long time. Only months, years later, I could laugh about it.

One these false friends was throwing a tantrum in our garden, because he had to wipe his butt with fax paper. The other hugged me warmly just to write me accusing letters the same day. One cancelled our young friendship because he claimed he cleaned his apartment just for me. Crazy. I also was a bad friend sometimes. I fell in love with my best friends girl friend and started an affair. Not funny. I never apologised to him.

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What is a good friendship? What is the a good life? What is good work? What brings real joy? Elke and me are asking this questions for years now.

Recently we discovered Epicur again in the School of Life of the Swiss philosopher Alain de Botton. Epicure’s answer to these ever-the-same questions were community houses. Houses where friends lived together, everyone worked something, which brought in little but work was positive, beautiful and simple. And everyone had time to read, to dream, to think. Thousands of people have lived liked that since then, peacefully, rich and inspired with Epicure’s model of community, while the world outside went on wild and confused.

I dream of many such Sharehauses, even if they are not called that. Because I want to get to know beautiful people around the world who live and work together in joy and pleasure. These Sharehauses are built on good friendships. Trust. Respect. Real curiosity.

Friendships can also be respectful and with some distance, because friendship has less to do with intensity but with appreciation. You have to have it for others, and you have to to be able to accept it. Oh my! Too much appreciation makes me cringe, I am not used to it. I love to encourage others, but I have to listen carefully to them if I’m serious. Nothing worse than false admiration and encouragement. Being a friend is an art. And a decision. Same with love.

So how does it work? Living with really good friends and working together sounds easy, but you have to get rid of the wrong friends. Uwe can spot them, I often can’t it seems. False friends are not false people, they are all precious. We just do not fit together. The chemistry is wrong, or better: the mutual appreciation.

 At the same time, when I was bitterly disappointed by a new and false friend, which unsettled me for weeks, I realised how I had found many new friends around the Sharehaus Refugio who were always at my side. I had made more real friends than ever before, I had made friends with curious, faithful, generous people. Those friendships had emerged steadily and slowly in the old tradition of the simple, life-loving monastic lifestyle of an epicurean dimension at the Sharehaus.

We must have done something right. Some of the extroverts like me were often disappointed at the Refugio. We wanted more confetti, the soundtrack of the community was not loud enough for us. But friendship and community growth needs time. The timid and reclusive people at the Refugio, who often felt insignificant and lost, flourished in the constant love of the community, which was not perfect but reliable.

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Family. Some were disappointed by their idea, others actually found a new family.

At some point after the harsh transition to Refugio without Sharehaus and without us, the house community finally released us with a party, two months after us having to move out. We were hugged. How are you doing? What’s next? How is your mother? What are you writing? And suddenly it was no longer a farewell, but simply a continuing of being woven together, because we felt good together, appreciated.

What surprised me again: Most of those who came to celebrate with us as our family were the people who had fled to Germany. Some from the house could not attend, but a few just didn’t care. It did not suit them. They were absent. In good and bad times.

This was a great disillusionment in my Refugio time. There are many great people who are enriching each other, but there are a few without this most important curiosity for others. They are saturated but not necessarily full. They have no place or interest for their neighbours. No place for God as their neighbours. Why?

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Many people live as Monads, in worlds for themselves. They are afraid of the outside and I can understand them. I also sometimes want my peace and peace. On the other hand, these boring and square people have frustrated me all my life with their inner stagnation. 

Around the Refugio and when looking for new possible Sharehauses it were rather the locals who were stagnant, and surprisingly sometimes faith communities, older activists of the left, and immigrants of the 2nd or 3rd generation, who wanted to not be disturbed by the challenge having to embrace the wealth and diversity working and living with refugees. They didn’t want their monads to be disturbed.

In the end we have no choice. Whether we like it or not, we are part of the cosmic, social, human whole, in good and in bad times. A plant which does not embrace the changing seasons and the organic community of the garden, which does not share shade and does not need any nutrients from others, a plant that is not aware of a higher creative power that makes it grow, will have to dry up.

This is the root find back to: We need each other. When I was hugged warmly by my Sharehaus family and every time when text, see each others, talk, eat together, laugh and cry, I understand how much we need each other, how much yearning we all have for true community, and for friendship that is growing over the years.

Jesus was most frustrated with the saturated of his time because they lived in a finite, false security, heading for death, while he brought life, refreshing newness that one had to get involved in to enjoy.

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The Greek word agape describes the deeper friendship, which goes far beyond common interests. Agape is the loving friendship that God wants to teach us. He gave his life for us. This is the true scope of love: not only desire, suffering, or longing, but friendship. And just as love is in its essence a decision and a divine power, friendship is also something steadier, bigger than the confusion of our world. It is a wealth to share. If you dare.

I was not alone in this difficult time, when some days seemed hopelessly grim and pointless. Those for whom I was there in their hard times, were and are here for me. And I have mistrusted God, as I have never done before, even though we are friends. But he was and is always there when I travel deep enough into the quiet birch forest of my solitude.

Friends are there for each other, Uwe says. And: friendship must be nurtured. Why did you not call me when you were feeling low, he asked me. He is right. I need to learn friendship and I hope my life is long enough to explore the mystery of divine and human friendship. If me and my friends want to help create Sharehauses around the world, we need to learn how real community houses work. Which friendships they are built on.

A prayer that has often helped me: Good God, keep the all people away from me today who are not good for me and for whom I am not good, and let me make space for those you are sending to you enrich my life.

False friends: Feel loved and get out. Real friends: Thank you deeply you golden ones!

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Langusten

English below

Ein neues Zuhause

Es ist soweit. Wir suchen unser erstes eigenes Sharehaus. Ein neues Zuhause für Familien in Berlin.

Ein paar Meter unter der Oberfläche des Meeres saß ich mit den Langusten in einer Höhle. Wir hatten unseren Panzer, unsere starke braune Hülle abgeworfen. Die Wellen krachten gegen die Felsen über uns, die Algen schwankten hin und her, und die Sonne des Südens ließ ihre Lichtsscherben ins Meer fallen. Wir waren nackt.

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Während kleine Blasen aus meinem Mund an die Oberfläche stiegen, dachte ich an die Gemeinschaft, in der wir gelebt und das Projekt, das wir lieben und schätzen und geleitet hatten. Und dass wir übergeben und verlassen wie geplant. Das Sharehaus Refugio fehlte mir.

Krebse wandern um die Welt, als Babys schweben sie durch die Ozeane, bevor sie zu ihrer Heimat zurückkehren. Und so schwebten wir jahrelang durch Zeit und Raum, Nomaden auf der Suche nach einem tieferen Leben, immer reich, immer neugierig, und jetzt fühlte ich mich plötzlich nackt. Langusten werfen ihren Panzer ab, um wachsen zu können. Vielleicht war es das, dachte ich in meiner Höhle, meinem Hirn. Ein Freund auf Reisen hatte uns seine Wohnung überlassen, und wir spazierten durch unsere neue Nachbarschaft.

Wenn es hart wird, kehre zurück zu deiner ersten Liebe. Halte an und höre. Bleib stehen und fühle. Halte inne und erinnere dich, was dich einmal begeistert hat an deinem Job, deinen Beziehungen, an den Orte, an denen du lebts, den Begegnungen, die du hast. Erinnere dich wie die Juden, wieder-lebe es. Erfahre es neu.

Als der Traum eines Sharehauses in Elke und mir in Südafrika wuchs, sehnten wir uns nach mehr Gemeinschaft. Wir hatten erstaunliche neue Freunde, die wirklich mit uns wie Familie teilten. Da war eine neue spirituelle und kreative Tiefe in Gemeinschaft. Was, wenn dieses reiche Teilen ein Haus hatte, wo alle in ihrer Gebrochenheit willkommen sind? Ein Sharehaus. Ein Ort der Wiederherstellung, des Aufblühens, für uns und andere. (Das englische redemption sagt es besser)

Unsere kleinen Langustenträume wurden wahr. Aber redemption, die Wiederherstellung und Erlösung, kann harte Arbeit sein. Drei Jahren hatten wir für dieses Haus der Hoffnung vorbereitet und dafür geschuftet mit der Stadtmission. Unsere Ehe ging fast dabei drauf, weil ich kaum zu Hause war. Im Refugio musste Elke mich mit 40 anderen Familienmitgliedern teilen. Aber wir fanden dadurch eine neue Einheit zusammen. Auch in der Gemeinschaft krachte es, und manchmal sah es nach religiösen oder kulturellen Konflikten aus, dabei waren es einfach die Sorgen von Menschen, die aufblühen und endlich frei leben wollten.

Erlösung, wozu? Ich glaube aus allem Schmerz, Zerstörtem und unserer Zerbrochenheit kann neues Leben wachsen, nicht trotzdem, sondern weil wir so zerbrochen sind. Redemption, Erlösung, kann sich zuerst wie der Tod fühlen. 40 Ankommer und Einheimische waren wie Samen in den neuen Boden des Sharehaus Refugio in Berlin gepflanzt worden. Ihre Heimatgärten in Syrien, Somalia, Türkei, Palästina, Kroatien oder Afghanistan verkümmmerten, andere pflanzten sich an, die sich einfach nach einem Haus und einer Familie sehnten. Sogar Elke und ich fühlten uns entwurzelt, als wir in ein Haus dunkel und leer und muffig wie Erde zogen.

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Das Sharehaus Refugio als Garten. Hier wurde das Geheimnis der Auferstehung sichtbar. Wir pflanzten unser Leben in neuen Boden, wir wässterten, aber Gott liess uns wachsen. Wir waren ein wilde Mischung unterschiedlichster Menschen, voller Lachen, voller Tränen. Und die DNA in unseren Leben wurde langsam zu einem größeren Leben erweckt. Wir spürten sie Im Sharehaus Refugio, die Auferstehung.

Jedes Sharehaus ist für mich ein Garten, in dem jede Pflanze Platz hat und aufblühen kann, ein Garten reich durch seine Vielfalt. Ein Sharehaus muss immer ein Ort sein der kreativen Ruhe, ein geschützter Garten. Die Welt ist hart und wir werden leicht beschädigt, während wir alle von dieser Ruhe träumen, diesem Ort, an dem wir wirklich sein können. Und jetzt hatte uns die Strömung weggetragen in ein neues Wachstum. Und zurück zum Ursprung.

Erlösung ist eine Wiederherstellung zum schönen Ursprung. Wir müssen immer wieder zu unserer ersten Liebe zurückkehren. Erlösung, redemption, bewegt sich wie in einer Spirale. Wir kehren zu unserem Ursprung zurück, nur höher, reifer. Und zu oft ist es ein Verlust, ein Bruch, der uns losreisst und uns zurückwirft in die wirbelnde Strömung des Lebens, wo wir uns nackt fühlen und wachsen können.

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Als Elke und ich im Mai auszogen, war das 6. Refugibaby auf dem Weg. Beim Hausdinner werden die Babys herumgereicht und von der Gemeinschaft gehalten. Achmed, der Erstgeborene des Refugios sieht aus wie ein lachender Wrestler. Karim hat den Frieden und das Lächeln eines Engels. Hassan schaut in die Welt mit großen Augen wie ein Prophet, und Elias ist sehr ruhig und weise wie eine alte Seele. Und all sind in einen völlig neuen Garten geboren worden, in ein neues Zuhause und Leben.

Unser Wiederfinden, unsere Erlösung, ist oft harte Arbeit. Ich denke an Malakeh und Mohammed, die seltene, traditionellen Gerichte für andere Syrer kochen, damit sie sich zu Hause fühlen. Oder Ajmal und Catherine, die afghanische Familien aus den Flüchtlingsheimen einladen, für sie kochen und Geschichten in Farsi teilen, damit sie sich zu Hause fühlen können. Oder Fatuma aus Somalia, der nicht aufgibt Flüchtlinge zu besuchen und zu ermutigen, die immer noch in ländlichen Lagern stecken und isoliert sind. Oder Zora, die gelernt hat um Hilfe zu bitten, wenn sie im Rollstuhl unterwegs ist. Ein Sharehaus ist ein Ort der Beziehungen.

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Ich erinnere mich noch wie wir kaum in unserem Refugio-Büro arbeiten konnten, weil alle aus dem Haus gern vorbeikamen um zu reden, ein Problem zu lösen, eine Geschichte zu erzählen, uns zum Lachen zu bringen. Ich habe oft von einem Büro geträumt, wo wir Zeit für diese echte und schöne Arbeit der Gemeinschaft haben.

Kurz bevor wir auszogen, hörte ich meinen polnischen Freund in der Küche lachen. Er ist sehr konservativ und eher gegen Einwanderer, aber er liebt es mit seinen neuen syrischen, deutschen und somalischen Freunden zu radebrechen, seine eingelegten Pilze zu teilen und somalische Gemüse mit Okra zu essen. Er liebt seine Refugio und die neue Gemeinschaft. Erlösung, redemption, ist auch eine Rückkehr zur ursprünglichen Schönheit.

Ein Sharehaus ist für mich immer ein Ort der Schönheit. Schönheit ist ein sicheres Zeichen der, dass wir unseren Ursprung, unseres inneres Original leben können. Jeden Tag traf ich und sprach mit schönen Leuten im Sharehaus Refugio. Jeden Tag erlebte ich etwas Schönes, auch in den Krisen. Schönheit ist tiefe Resonanz mit dem, wer wir wirklich sind. Ob wir Seetang sind, Hai oder Langusten. Wir wurdest schön geschaffen und sollen Schönheit in die Welt bringen.

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Alle Schönheit hat ihren Ursprung in der Liebe. Und in demütiger Gebrochenheit. Im alten und quietschenden Aufzug des Refugios hatte ich Pauls Worte über die Liebe an die Korinther an die Wände geschrieben. Meine Buchstaben waren grob mit einem Pinsel geschrieben worden. Drew schrieb kunstvoll die englische Version in Rosa zwischen meinen Zeilen. Und eines Tages webt jemand vielleicht die arabische Version in hellgrün ein.

Alles scheint sich im Kreis zu bewegen. Für die Israeliten gab es eine Regel. Als Vertriebene bekamen sie ein neues Zuhause, jede Familie bekam Land, alle waren gleich reich beschenkt. Alle 49 Jahre musste dieser ursprüngliche Gleichheitszustand wiederhergestellt werden, denn einige hatten alles verloren, andere waren Sklaven geworden, aber alle 49 Jahre gab es Erlösung. Alle durften zu ihrem ursprünglichen Reichtum zurückkehren, alle Fehler, alles Scheitern, war aufgehoben und vergeben. Davon sprach Jesus vor seinem Tod. Wir müssen alle erlöst werden.

Das Sharehaus Refugio hatten wir mit guten Partnern aufgebaut, und wir gehen reich an neuen Freundschaften. Als wir das Refugio verliessen, war das Sharehaus zu einem Netzwerk und einem schönen Kollektiv durch Erfolge und Scheitern gewachsen.

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Ein Sharehaus ist ein Ort der Tiefe. Als Sharehaus Refugio Familie hatten wir lange Gespräche über Gemeinschaft, Frieden und Respekt. Wir diskutierten über Werte und Ethik zusammen, wir teilten persönliche Geschichten, wir arbeiteten und aßen zusammen und umarmten uns in guten und schlechten Zeiten. Es gab immer Schönheit und Kunst und  es ist noch lange nicht zu Ende. Im Refugio habe ich eine neue Tiefe des Lebens gelernt. Neue Samen für einen noch reicheren Garten geerntet.

Jetzt suchen wir unser erstes Sharehaus für Familien in Berlin. Ein gutes Zuhause für die wenigen Refugio-Familien, die noch in einem Einzelzimmer wohnen. Ein Zuhause für Freunde und Familie, so wie es von Anfang an geplant war. Und diesmal wird das Sharehaus ein kreatives Büro haben, einen Raum für Work In Progress, wie Elke es nennt, einen Laden oder Workshop, der für alle offen ist.

Ein Sharehaus ist immer ein work in progress, ein Ort der goldenen Erlösung in aller Gebrochenheit, ein Haus, in dem die Kunst der Gemeinschaft gelebt werden kann.

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A new home

Finally, we are looking for our first own Sharehaus in Berlin, a Sharehaus for families!

A few meters below the surface of the sea I sat with other crayfish in a cave. We had shed our protection, our strong brown armour. The waves crashed against the rocks above us, the seaweeds waved back and forth and the southern sun dropped shards of light into the sea. We were naked.

While small bubbles from my mouth rose to the surface I thought of our community we lived in, a project we love and cherish and that we parented and built with the city mission. And that we had left and handed over as planned. I missed our Sharehaus Refugio.

Crayfish migrate around the world, as babies they float through the oceans before they return to their home. And so did we for years floating through time and space, nomads in search of a deeper life, always rich, always wondering, and now we were naked again. Crayfish shed their shell to be able to grow. Maybe it was that, I thought in my cave of my mind. We had moved to a friends flat who is traveling and Elke and me walked through a new neighbourhood in Berlin.

When in trouble, return to your first love. Stop and listen. Stop and feel. Stop and remember what once made you excited about your job, your relationship, the place you live in, the encounters you have. And remember it the Jewish way, re-live it.

When the dream of a Sharehaus grew in Elke and me in South Africa, we longed for more community. We had amazing new friends, who really shared with us like family. The was a new spiritual and creative depth in community. What if this rich sharing had a home where all are welcome in their brokenness? A Sharehaus. A place of redemption, for us and others.

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Our little crayfish dreams came true. But redemption can be hard work. For over 3 years we were in the trenches preparing and building this house of hope. We almost lost our marriage because I was hardly home. And at the Refugio Elke had to share me with 40 other family members. But we found new unity. And we had fights in the community that looked like religious or cultural conflicts, but were simply human and just needed redemption.

Why redemption? I believe out of all pain, destruction and loss, new life can arise not despite but because of our brokeness. Broken soil is fertile. So redemption can feel like death at first. 40 newcomer and locals had been planted like seeds in new soil at the Sharehaus Refugio in Berlin. Their home gardens in Syria, Somalia, Turkey, Palestine, Croatia or Afghanistan lay waste, we all longed for a now home and a family. Even Elke and me felt displaced moving into a house dark and void and smelly like soil.

Then, the Sharehaus Refugio as a garden unveiled the everlasting mystery of resurrection again. We planted our lives in new soil, we watered them, God made us grow. A wild mix of displaced people, full of laughter, full of tears. Our DNA was slowly awakened to a greater life. We felt the resurrection.

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Every Sharehaus is a garden where every plant benefits, rich by diversity. A Sharehaus is a place of creative rest, a protected space to open up and blossom. The world is rough and we get easily damaged while we all dream of this rest, a place where we can truly be. And now we are returnung to where we began.

Redemption is a restoring to a beautiful origin. We need to return to our first love, again and again. Redemption works in circles. You return to your origin, just higher up. And too often a loss, failure or simple growth throws us back into the swirling current of life, where we feel naked and and can grow.

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When Elke and me moved out now in May the 6th baby was on the way. New life. At a house dinner I watched how the babies were passed around and held by the community. Achmed, the firstborn of the Refugio looked like a laughing wrestler. Karim had the peace and smile of an angel. Hassan was looking into the world with big eyes like a prophet, and Elias was very calm and wise like an old soul. All born into a completely new garden, into a new home and life.

Redemption is often hard work. I am thinking of Malakeh and Mohammed, who are cooking the most delicate traditional dishes for Syrians to make them feel home. Or Ajmal and Catherine, who are blessing Afghani families from refugee shelters with evenings of traditional food and sharing stories in Farsi. Or Fatuma from Somalia, who is not giving up encouraging the refugees still stuck and isolated in rural camps. Or Zora, who learned to ask for help when she is on her way in a wheelchair. Oh yes, a Sharehaus is about relationships.

I remember how we hardly could work at our Refugio office as everybody from the house liked to pop in and chat and get a problem solved, tell a story, make us laugh. I often dreamt of an office where we have time for the real and joyful work of community.

Just before we left I heard my Polish friend laughing in the kitchen. He is very conservative and not in favour of immigrants, but he loves spending time with his new Syrian, German and Somali friends, sharing his pickled mushrooms and adding Somali veggies with Okra. He loves his Refugio community. Redemption is also a returning to original beauty.

A Sharehaus is a place of beauty. Beauty is a sure sign of true redemption. Everyday I met and spoke with beautiful people at the Sharehaus Refugio. Everyday I experienced something beautiful, even in a crisis. Beauty is a deep resonance with our origin and our purpose. Whether you are a seaweed, a shark, a crayfish, you were made beautiful, and your purpose is to display beauty.

All beauty has its origin in love. And in humble brokenness. Drew added to my art work in the old and squeaky elevator where I had written Pauls words about love from Corinthians 13. My letters in German that covered the walls were roughly painted. He artfully wrote the English version in pink in between my lines. And one day maybe someone adds an Arabic version in light green.

Everything seems to move in circles. For the Israelites there was a rule. As displaced people they were given a new home, each family got land, all were equally blessed. And all 49 years this original state of equality had to be restored. Some had lost everything, others had become slaves, but every 49 years there was redemption. All had to return to their original riches. All mistakes, all failure was forgiven. A reference Jesus made before his death and resurrection. We all need to be redeemed.

We had built the Sharehaus Refugio with good partners, and we were enriched by great friendships and grew as a collective through failures and successes.

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Sitting in my cave, naked and bubbling, I know they were the right partners to built this dream with. When we left, our Sharehaus had grown to a big network and an amazing collective. Return to your first love.

A Sharehaus is about depth. As a Refugio family we had long talks about community, peace and respect. We discussed values and ethics together, we shared personal stories, we worked and ate together and hugged in good and bad times. There was always beauty and art. And it continues. I learned a new depth of life with this new family. And I could collect seeds for an even richer garden.

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Now we are looking for our first Sharehaus for families in Berlin. A home for the some of the Refugio families still living in a single room. A home for friends and family. This as been our plan from the beginning. And this time the Sharehaus will come with a creative office, with a space for Work In Progress how Elke calls it, a storefront or a workshop, open to all.

A Sharehaus is always a work in progress, a place of golden redemption in brokenness, a space, where the art of community can be lived.

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Deutsch weiter unten

Dear friends,

we as the Sharehaus are a growing community and we are a few more to share stories, ideas and dreams here as well as how the Sharehaus garden is growing. We meet as a community around longtables and talk and share and develop moon projects (impossible ideas that are made possible). And in the last month my role at the Sharehaus Refugio has changed to make communities grow better.

The Sharehaus is an upside down world. Mostly, because we are still trying. And if you change your perspective sometimes, it is the right way around. Too many people said, this Sharehaus cannot work. And yet the Sharehaus Refugio worked and is even better today. 

Once far in the African South we had a dream: a community of peace. And looking at all who we work and live with at the Sharehaus Refugio this dream has come true, because God has a dream and we are just dreaming with, being part of a heavenly body on earth. It’s a simple dream, peace, equality, sharing, yet an upside down concept in our world.

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Up to 45 people live in Berlin at the Refugio in a sharing community of respect and with curiosity for each others, around 200 and more come here every day, not counting the events and celebrations. Sharing a meal, hanging out in the café, joining a workshop, I see amazing friendships growing across cultures and faiths. Some don’t like each others, some couples fight, some argue over politics, but we all get through that because we feel hope. A Spirit present. A fruitful one. At the Refugio the fifth baby is on the way, only after 19 month! 

So you remember? We called it: Big dreams, small steps. Now the dream is very much alive, the community a garden of most diverse plants with each playing an important part. We started in a rough terrain with hard soils and a chaotic creative plan, now this is a refuge for many who feel lost, even if they just come to the café. People who feel there have nowhere else to go.

The Sharehaus was born from a dream of every person being able to blossom and evolve with god-given talents and abilities in a respectful community of equals. After some months of listening to God we finally handed over the Refugio last Friday to widen the tent space of the house and to plant more places of hope. When I symbolically handed over the keys to Harut who we chose to steward the Refugio, I looked at the familiar faces knowing each of their stories so well. I was looking at my new family.

Achmed, born 7 month ago as the first baby in the house. He is a miracle. Both parents separated by war, found each others at the Refugio again. When he sees me Achmed is doing his bright Somali Elvis Presley Smile and I can understand God’s dream becoming a person. To smile at us. And God’s dream is way stronger then the darkness overshadowing the world.

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With my pale feet on the black sand of La Gomera around Christmas last year I saw more of Gods dream. Anton and me had just bodysurfed some waves that came crashing in from the Atlantic. We we were fearful at first. Pebbles and rocks rolled under our feet and hit our legs, then a few meters in we were on a smooth sandbank and surfed the warm green water. El Tiede, Spains highest mountain, was right opposite, a steep volcanic cone covered in snow and mist like a mystical Japanese mountain. 2017 was revealing some new a beautiful things to us. And what I was longing for slowly became reality. If flowing with the Spirit was what I longed for, then I had to break open my mental nutshell of the single child.

In my bed deep at night when the locals of San Sebastian were still celebrating down in the streets we had a dream, us, let’s say, my mind and the Spirit and me. We dreamt of a network of Sharehauses around the world, and a family of likeminded people and their houses of hope and hospitality. A network with friends like Claudia on La Gomera who had started a non profit in South India to empower impoverished women, so they were able to sow and tailor for a living. The wealthier ladies wanted to join as well, she said, that’s when she realised the opportunity to make them share and work together when usually they are separated by class and caste. She is an artist with little funds, but she had planted seeds of love that grew unexpectedly.

A Sharehaus network where what Bonhoeffer called new monasticism was lived, the every day interaction in the world living the sermon on the mount. Like at the Refugio.

Leaning into the serpentines to cross the steep island, swaying left and right like in a rowing boat, we had a dream. A revelation of things to come. in this network of was a monastic place in the south we wanted to run. Very simple, like the summer hut of my grandparents on an island in Sweden, a few rocks, wood, a water pump and a gas stove, but this time with orange and olive trees and some sheep grazing around, not too far the sea. A monastery of a new kind. Simple life, slow food, art, song, love, meditations, healing, sharing, favourite books and garden work. Like the Sharehaus Refugio, just much simpler and with space for silence hearing God’s voice. No idea where exactly it would be, just that it would.

Warming up in the sun next to a well tanned man with pony tail and a tanga, some talkative kids listening music and drinking beer, we had a dream, a dream of a deeper life within. Do you know that feeling, that longing? Especially on a beach you might have had it before. This feeling life could be so simple. And less shallow, but deep like the ocean, high like the sky, wide like the horizon.

Our little monastic retreat would be close to the sea and the mountains with deep wells of fresh water. And we would be able to enjoy the company of like spirited people for longer than a coffee. One week, months, colonies of heaven ourselves, enriching each others as family, nomadic, broken, but strong together. Conversations and rich silences during beach walks, swims, prayers, gardening, cooking, eating, hanging out. Like when we lived in Bangkok or South Africa and we had friends and family over for weeks in a time. The Sharehaus Refugio in the heart of Berlin had grown to a true community, now we longed for really deep time together, and alone. And many of the Refugio do too. Many are longing for a place in nature.

Friends, enjoying a cold beer among locals, the salt of day on my skin, the taste of the ocean on my lips and the tender company of my family, we had a dream. In times of political craze and fascism on the rise, we need communities of peace and contemplation. Places of meditation and action, as heaven transforms inside out. Places open to all seekers as the Spirit was poured out on all humanity.

In that dream was a clear command for me: Make disciples. Awaken followers of God, lovers of Jesus, guide seekers to embrace ecstatically their identity. Teach how to dance with God and how to live in community with her.

With the warm water licking my feet at the black beach of La Gomera we had a dream. A dream of community not only with people, but with creation as well. It all was connected as there is nothing not spiritual. Everything is drawn into the dance of creation and as much when we want to think creation evolves around our achievements and mistakes. How small my otherwise big feet were on the black volcanic sand of La Gomera, a rocky island that looks a bit like a juice press with high ridges in the middle. Melted lava lay in big boulders nearby. Nobody knew when they had come rock’n rolled down the mountain.

In Berlin I love the creative density of life, and I suffer form the arrogant autism of culture. We dance our daily routines and end up next to young people talking drunken nonsense at a Vietnamese soup place. It’s like a time warp. Elke and me are listening to the boring banalities of young bright and beautiful people longing for meaning, longing for a deeper connectedness. 30 year ago we did exactly the same. I remember how lost and alive at the same time I felt back then.

With the crunching sound of snow under my feet I was walking on our Refugio rooftop garden and had a dream. The little me and the majestic us, we had a dream. A retreat, a monastic place in the south and a network of modern day monasteries, Sharehauses. In this network a young or older seeker could come working in the garden of a Sharehaus in Spain, meditate and live community life without having money. A writer can join for a 2 week retreat to discover the well of inspiration inside again and to live a simple life of stillness, service and sharing. Guest can pay what they have. In the evening the local shepherd, the refugee from the farm next door and the surfer join in to share more than a meal, but stories and a hunger for greater things in life.

Jogging along the frozen channels of Neukölln, warming up in the still and cold air, keeping up to the young lads with their fast and skinny legs, we have a dream. A network of Sharehauses that are creative monasteries with Jesus-loving New Agers on the Canary Islands, or with freedom loving farmers in a cooperative in Canada, with run-aways on the West Coast, with creatives and orphans in Cape Town, with women and children in Southern India …

When we kneeled on Christmas in the old church of La Gomera where Columbus was sent of to America we had a dream. God had become a baby and we were all were allowed, catholic or not, to come forward to kiss Baby Jesus. It was a real baroque baby made of porcelain as big as a small boy. God a child, a human being. It was in the best sense a scene of a Fellini movie, tender and funny. Old ladies, young men with tattoos, families with well-ironed shirts and skirts, a handicapped woman, a poor, a rich, kids, me, we were all invited to kiss baby Jesus.

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Dear friends, I know, I know. Why can’t God be distant like a holy mountain? Mighty like the Milk Way? Why become a human? A baby!? Well, you might have heard some theology, but what I hear is different: Don’t mess with an artist. God a baby? It is a genius plan to turn our little world upside down. Right. You think you know crazy people? God is really really crazy. And for sure His wisdom seems like foolishness to us. It’s like with an artwork.You either love it or hate it. Only that this time you are part of it.

Sitting at the benches outside the Vietnamese restaurant with all the nonsensical youth, all of a sudden gravity is reversed, thy sky is the ground and we start floating, bowls swirl and we grab each others not to fly away. The sun is still shining, people yelling and laughing. Freeze. Great picture of a street scene where people and things start flying. And then all fall back onto their places, marvelling. Traffic and and dogs with owners passing by as usual.

Conversations certainly change after that. What was that? How could that happen? Where is my beer, my soup? Where is science? Rock’n Roll! People marvelled at Jesus, God walking around with a gang of disciples shaking up our small world? Jesus said crazy things, especially about love, never about to start a religion. And yet he said all the old laws and regulations were just a part of the bigger picture, like our world. And all has space in Him, who brings all back to one thing, true love.  Oh, I know, but if when why. Why not embrace a God who can hug you and is not ruling from a distance, or a nebulous universe, or a bag full of arguing goddesses. Why not try the obvious. God is right in your face. Especially when you sit at a narrow bench at a Vietnamese soup restaurant.

Dear friends, don’t argue with a great artist. We are but a speck in a creative universe, and possibly not Gods’s only creation. Don’t argue with a great artist, the greatest there is. So great, we can become one with Her and yet be unique in our creative expression. Scary, I know. I am scared too. That’s why she sent me to start something new and to let the Refugio grow without a controlling and overachieving Sven.

Dear friends, this life as difficult as it seems, it is more like one dance of many. In this new season I am learning again to open my hands to receive, to accept to be led into a new dance. And as much we are letting go, I found a family and deeply inspiring friends still dreaming and dancing with us.

As we are leaving the wild creative growth of the Sharehaus Refugio into good hands of a team that can tend the lush and beautiful garden of this heavenly community, we are called to serve again a greater dream. It’s ours and yet God dreamt it long before we were born.

Wow, yes, I really love His amazing art studio, the boiler room of Her splendid and life giving creativity.

From a sunny garden in Mallorca, a bird singing after a cold night,

Sven and me and a greater Spirit.

Liebe Freunde,

als Sharehaus sind wir eine wachsende Gemeinschaft and bald sind es auch andere, die hier Geschichten erzählen, Ideen und Träume teilen, und auch wie der Sharehausgarten wächst. Wir treffen uns als Gemeinschaft rund um den longtable, reden, teilen, und entwicklen moon projects (unmögliche Ideen, die möglich gemacht werden). Und im letzten Monat hat sich meine Rolle im Sharehaus Refugio sehr verändert, damit die Gemeinschaften besser wachsen können.

Das Sharehaus ist eine verkehrte Welt. Meistens, wir üben noch. Aber wenn man seine Perspektive ändert, stimmt es wieder. Ne Menge Leute sagten, dass das Sharehaus nicht funktionieren kann. Gibt’s nicht! Und doch entstand das Sharehaus Refugio und wird immer besser.

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Damals im afrikanischen Süden hatten wir einen Traum: eine Gemeinschaft des Friedens. Und mit Blick auf alle die, mit denen im Sharehaus Refugio arbeiten und leben, hat sich dieser Traum verwirklicht, denn Gott hat einen Traum und wir träumen ihn mit. Es ist ein einfacher Traum von Frieden, Gleichheit, Teilen, aber völlig verkehrt in unserer Welt.

Bis zu 45 Menschen leben in Berlin im Refugio in einer gemeinsamen Gemeinschaft  voller Respekt und Neugier für einander, und so 200 Menschen kommen jeden Tag hierher, ohne die Events und Feste zu zählen. Beim gemeinsamen Essen, im Café abhängen oder bei den Workshops sehe ich erstaunliche Freundschaften entstehen, die über Kulturen und Glauben hinweg wachsen. Manche mögen sich nicht, einige Paare streiten, manche geraten sich wegen Politik in die Haare, aber wir kriegens hin, weil wir Hoffnung haben. Einen Geist. Einen fruchtbaren. Inzwischen ist im Refugio das fünfte Baby unterwegs, und das erst seit anderthalb Jahren Refugio.

Erinnert ihr euch? Wir nannten es: Große Träume, kleine Schritte. Jetzt ist der Traum sehr lebendig, die Gemeinschaft ein Garten verschiedensten Pflanzen, in der jede eine wichtige Rolle spielt. Wir begannen auf rauem Gelände mit harten Böden und einem chaotischen kreativen Plan, heute ist das Sharehaus Refugio eine Zuflucht für viele, die sich verloren fühlen. Manche kommen sogar ins Café, weil sie sonst nicht wissen wohin.

Das Sharehaus wurde aus einem Traum geboren, dass jeder Mensch mit seine  gottgegebenen Talente und Fähigkeiten in einer respektvollen Gemeinschaft aufblühen darf. Nach ein Monaten Hinhören haben wir am vergangenen Freitag endlich das Refugio übergeben, um das Hauses innen stärker werden zu lassen und damit wir mehr Orte der Hoffnung, mehr Sharehäuser starten können. Als ich symbolisch die Schlüssel an Harut übergab, den wir als neuen Leiter ausgesucht hatten, sah ich in die vertrauten Gesichter, deren Geschichten ich so gut kenne. Was ich sah war meine neue Familie.

Achmed, der vor 7 Monaten als erstes Baby im Haus geboren wurde, ist ein Wunder. Beide Eltern wurden vom Krieg getrennt, und fanden sich im Refugio wieder. Wenn er mich sieht lacht Achmed sein breites, somalisches Elvis Presley-Lächeln und ich kann Gottes Traum besser verstehen, ein Mensch zu werden. Um uns anzulächeln. Verrückt. Und Gottes Traum ist viel stärker als die Dunkelheit, die die Welt überschatten will.

Mit meinen hellen Füßen auf dem schwarzen Sand von La Gomera an Weihnachten sah ich mehr von Gottes Traum. Anton und ich hatten eben einige krachende Atlantikwellen ohne Brett gesurft. Erst waren Kiesel und Steine unter unseren Füßen gerollt und gegen sie Beine geprallt, aber ein paar Meter weiter standen wir auf einer glatten Sandbank und surfen das warme, grüne Wasser. El Tiede, Spaniens höchster Berg, lag gegenüber, ein steiler vulkanischer Kegel bedeckt in Schnee und Nebel wie ein mystischer japanischer Berg. 2017 brachte ein paar schöne, neue Dinge für uns. Wonach ich mich sehnte, wurde langsam Wirklichkeit. Wenn mit dem Geist wehen und fliegen war, wonach ich verlangte, dann musste ich meine geistige Nussschale des Einzelkindes aufbrechen.

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Tief in der Nacht, als die Einheimischen von San Sebastian auf der Straße noch feierten hatten wir einen Traum, meine Seele, der Geist und ich. Wir träumten von einem Netzwerk von Sharehauses auf der ganzen Welt und einer Familie von ähnlich begeisterten Menschen mit ihren Häuser der Hoffnung und Gastfreundschaft. Ein Netzwerk mit Freunden wie Claudia auf La Gomera, die in Südindien eine gemeinnütziges Projekt begonnen hatte, um verarmte Frauen so auszubilden, dass sie vom Nähen und Schneidern leben können. Dann wollten die wohlhabenderen Frauen auch mitmachen und ihr dämmerte, dass hier Frauen zusammenkamen, die sonst von Klasse und Kaste getrennt sind. Claudia ist eine Künstlerin mit wenig Geld, aber sie hatte Samen einer Liebe gepflanzt, die unerwartet wuchsen. Ein Netzwerk mit solchen Menschen, die auch eine neue Klösterlichkeit lebten, wie Bonhoeffer es nannte, das tägliche Leben der Bergpredigt. Wie im Refugio.

Als wir uns in die Serpentinen lehnten, um die steile Insel zu überqueren, nach rechts und links schwankend wie in einem Ruderboot, hatten wir einen Traum. Eine Offenbarung der kommenden Dinge. In diesem Netzwerk war auch ein Art Kloster. Ganz einfach, wie die Sommerhütte meiner Großeltern auf der Schäreninsel in Schweden, ein paar Felsen, Holz, eine Wasserpumpe und ein Gasherd, aber diesmal mit Orangen- und Olivenbäumen und einigen Schafen, die nicht zu weit zum Meer weiden. Ein Kloster einer neuen Art. Einfaches Leben, schlichtes Essen, Kunst, Singen, Liebe, Meditationen, Heilung, Teilen, Lieblingsbücher und Gartenarbeit. Wie das Sharehaus Refugio, nur viel einfacher und mit Raum für die Stille, um Gottes Stimme besser zu hören. Keine Ahnung, wo wir dieses Kloster haben würden, ich wusste nur, es kommt.

Als wir uns in der Sonne aufwärmen neben dem gut gebräunten Mann mit Ponyschwanz und Tanga, plappernden Jugendlichen, die Musik hörten und Bier tranken, hatten wir einen Traum, einen Traum von einem tieferen Leben im Innern. Kennen ihr dieses Gefühl, diese Sehnsucht? Vor allem an einem Strand hat man sie manchmal. Dieses Gefühl, das Leben könnte so einfach sein. Weniger oberflächlich, sondern tief wie der Ozean, hoch wie der Himmel, breit wie der Horizont.

Unser kleines Kloster ist nah am Meer und den Bergen, und hat einen tiefen Brunnen mit frischem Wasser. Da könnten wir länger als einen Kaffee die Gesellschaft schöner Menschen genießen. Eine Woche, Monate, wir selbst Kolonien des Himmels, die sich als Familie bereichern, nomadisch, heimatlos auf der Welt, gebrochen, aber zusammen stark.

Lange Gespräche und reiche Stille während Strandspaziergängen, Schwimmen, Gebeten, Gartenarbeit, Kochen, Essen, Abhängen. Als wir in Bangkok oder Südafrika lebten, hatten wir wochenlang Zeit für Freunde und Familie. Das Sharehaus Refugio im Herzen Berlins war zu einer wahren Gemeinschaft gewachsen, jetzt sehnten wir uns nach einer wirklich tiefen Zeit zusammen und allein. Wie viele im Refugio. Mehr als die Hälfte sehnen sich nach einem Ort in der Natur.

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Freunde, als ich ein kaltes Bier unter Einheimischen trank, das Salz des Tages auf meiner Haut, den Geschmack des Ozeans auf meine Lippen und die zärtliche Gesellschaft meiner Familie, hatten wir einen Traum. In Zeiten des wachsenden politischen Wahnsinns und des Faschismus brauchen wir Gemeinschaften des Friedens und der Kontemplation. Orte der Meditation und Erneuerung nach draußen, denn Himmel verwandelt uns von innen nach außen. Wir brauchen Ort offen für alle Sucher, weil der Heilige Geist ausgegossen wurde auf die gesamte Menschheit.

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In diesem Traum war noch ein klarer Befehl für mich: Such dir Schüler, Nachfolger Gottes, Jesus Geliebte, Sucher, die ekstatisch ihre wahre Identität umarmen wollen. Lehre, wie man mit Gott tanzt und wie man in Gemeinschaft mit ihr lebt.

Als das warme Wasser meine Füße am schwarzen Strand von La Gomera leckte hatten wir einen Traum. Ein Traum der Gemeinschaft nicht nur mit den Menschen, sondern auch mit der Schöpfung. Alles ist verbunden, denn es gibt nichts, was nicht spirituell ist. Alles wird in den Tanz der Schöpfung hineingezogen, auch wenn glauben, dass sich die Schöpfung um unsere Errungenschaften und Fehler dreht. Wie klein meine sonst so großen Füße aussahen auf dem schwarzen vulkanischen Sand von La Gomera, der felsigen Insel, die ein wie eine Saftpresse aussieht mit hohen Kämmen in der Mitte. Geschmolzene Lava lag in großen Brocken in der Nähe. Niemand wusste, wann sie den Berg runter gerock’n rollt waren.

In Berlin liebe ich die kreative Dichte des Lebens, und leide an dem arroganten Autismus der Kultur. Wir tanzen unsere täglichen Routinen und sitzen draussen vor einem vietnamesischen Restaurant neben jungen Leuten, die betrunkenen Blödsinn reden. Zeitreise. Elke und ich hören den langweiligen Banalitäten junger, kluger und schöner Menschen zu, die Sehnsucht nach Sinn und einer tieferen Verbundenheit haben. Vor 30 Jahren taten wir genau das gleiche. Wie verloren und lebendig zugleich ich mich fühlte damals.

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Mit dem Knirschen des Schnees unter meinen Füßen ging ich über unseren Refugio Dachgarten und hatte einen Traum. Das kleine Ich und das majestätische wir, wir hatten wir einen Traum. Einen Rückzugsort, ein Kloster im Süden und ein Netzwerk von modernen Klöstern, Sharehäusern. In diesem Netzwerk konnte ein junger oder älterer Suchender im Garten eines Sharehaus in Spanien arbeiten, meditieren und leben, ohne Geld zu haben. Ein Schriftsteller kann für einen zweiwöchigen Auszeit kommen, um den Brunnen der Inspiration innen wieder zu entdecken, ein einfaches Leben der Stille, des Dienens und des Teilens. Gast kann zahlen, was sie haben. Am Abend könnte der Schäfer vorbeikommen, der Flüchtling vom Hof nebenan und der Surfer, um nicht nur eine Mahlzeit zu teilen, sondern auch Geschichten und den Hunger nach größeren Dingen im Leben.

Als ich entlang der gefrorenen Kanäle von Neukölln langlief und in der ruhigen und kalten Luft warm wurde und versuchte den Jungs mit ihren schnellen und dünnen Beinen zu folgen, hatten wir einen Traum. Ein Netzwerk von Sharehäusern. kreative Klöster mit Jesus liebenden Esoterikern auf den Kanarischen Inseln, oder mit freiheitsliebenden Bauern in einer Genossenschaft in Kanada, mit von zu Hause weggelaufenen an der amerikanischen Westküste, mit Kreativen und Waisen in Kapstadt, mit Frauen und Kinder in Südindien …

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Als wir an Weihnachten in der alten Kirche von La Gomera knieten, von wo Columbus nach Amerika geschickt wurde, hatten wir einen Traum. Gott war als Baby zu uns gekommen und wir durften, katholisch oder nicht, nach vorne kommen, um das Jesuskind zu küssen. Es war ein barockes Kleinkind aus Porzellan, groß wie ein kleiner Junge. Gott ein Kind, ein Mensch. Es war, im besten Sinne, die Szene eines Fellini-Films, zärtlich und komisch. Alte Damen, junge Männer mit Tätowierungen, Familien mit gut gebügelten Hemden und Röcken, eine behinderte Frau, ein Armer, ein Reicher, Kinder, ich, wir alle wurden eingeladen, das Jesuskind zu küssen.

Liebe Freunde, ich weiß, ich weiß. Warum kann Gott nicht fern sein wie ein heiliger Berg? Mächtig wie die Milchstraße? Warum Mensch werden? Ein Baby!? Klar, ihr habt schon etliche Theologie dazu gehört, aber was ich höre, ist anders: Leg dich nicht mit einem Künstler an. Gott ein Baby? Alles klar! Im Ernst, was für ein genialer Plan, unsere kleine Welt auf den Kopf zu stellen. Du denkst du, du kennst verrückte Menschen? Gott ist so richtig richtig verrückt. Seine Weisheit erscheint uns wie Torheit. Und mit seiner Schöpfung ist es wie mit einem Kunstwerk. Entweder man liebt es oder hassen es. Nur, dass du diesmal ein Teil davon bist.

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Wir sitzen auf den Bänken vor dem vietnamesischen Restaurant mit all der brabbelnden Jugend, all plötzliche Schwerkraft aufgehoben ist, der Himmel wird zum Boden und wir fangen an zu schweben, Schüsseln wirbeln und wir packen uns gegenseitig, um nicht wegzufliegen. Die Sonne scheint, die Leute schreien und lachen. Stopp. Großartiges Bild einer Straßenszene, in der Menschen und Dinge zu fliegen beginnen.Verkehrte Welt. Und dann fallen alle auf ihre Plätze und staunen. Autos und Hunde mit ihren Besitzern ziehen vorbei wie immer.

Die Gespräche sind sicher anders danach. Was war das? Wie konnte das passieren? Wo ist mein Bier, meine Suppe? Wo ist die Wissenschaft? Rock ‘n’ Roll! Die Menschen staunten über Jesus,  denn Gott wanderte mit einer Gang von Schülern umher, um unsere kleine Welt auf den Kopf zu stellen. Jesus sagte verrückte Dinge, vor allem über die Liebe, und nie darüber eine Religion zu starten. Und doch, sagte er, waren alle alten Gesetze und Vorschriften nur ein Teil des eines größeren Bildes, wie unsere begrenzte Welt nur ein Teil ist. Und alles das, was früher als richtig galt, hat Platz in ihm, weil er alles auf eins zurückbringt, die wahre Liebe.

Klar, aber wenn wie warum!? Warum nicht einen Gott zulassen, der dich umarmen kann und nicht aus der Ferne oder als nebulöses Universum oder eine Tüte voller streitender Göttinnen herrscht. Warum nicht das annehmen, was so offensichtlich ist. Gott schaut dir ins Gesicht Vor allem, wenn du auf einer schmalen Bank vor einem vietnamesischen Suppe-Restaurant zu sitzt

Liebe Freunde, legt euch nicht an mit dem großen Künstler. Wir sind nur ein Klecks in seinem kreativen Universum, und möglicherweise nicht die einzige Schöpfung Gottes. Streiten euch nicht mit einem großen Künstler, dem größten, den es gibt. So großartig, dass wir eins werden mit ihr und doch einzigartig in unserem kreativen Ausdruck sein können. Durchgeknallt, ich weiß. Ich fürchte mich auch manchmal davor. Deshalb schickt sie mich jetzt fort, etwas Neues zu beginnen und das Refugio ohne meine Kontrollsucht und übertriebene Begeisterung wachsen zu lassen.

Liebe Freunde, dieses Leben, so schwierig es scheint, ist ein Tanz von vielen. In dieser neuen Zeit ohne Refugioleitung lerne ich wieder meine Hände zu öffnen und zu empfangen, zu akzeptieren, um in einem neuen Tanz geführt werden. Und gleichzeitig weiss ich, im Refugio fand ich eine Familie und tief inspirierende Freunde, mit denen ich weiterträumen und -tanzen werde.

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Jetzt da wir das wilde kreative Wachsen des Sharehaus Refugio in guten Händen eines Teams legen, das den üppigen und schönen Garten dieser himmlischen Gemeinschaft pflegen kann, sind wir gerufen, wieder einem großen Traum zu dienen. Es ist unser Traum und doch hat Gott ins längst geträumt, lange bevor wir geboren wurden.

Wow, ja, ich liebe wirklich sein wildes Atelier, der Maschinenraum ihrer herrlichen lebenspendenden Kreativität.

Aus einem sonnigen Garten auf Mallorca, ein Vogel singt nach einer kalten Nacht,

euer Sven, und ich und ein größerer Geist.