Große Menschen

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Das Leben, wozu leben wir es? Ist es nicht für Großes gedacht? Und für Zartes? Eines Tages, sagte eine Freundin neulich, eines Tages werden wir zurückblicken und was werde ich meinen Kindern sagen? Was werde ich erzählen über das, was wir damals wirklich getan haben?

Die Frau, die eben bei uns im 5.Stock wohnte, hat ihren Mann und ihr Kind bei der Flucht verloren. Sie sind ertrunken. Jedesmal wenn sie mich sieht, lacht und winkt sie. Sie freut sich und ich bin immer wieder überrascht, wieviel Würde und Freude Menschen ausstrahlen, die so viel erlitten und verloren haben. Mit ihnen fühle ich mich am Leben. Das ist eine Kraft, die ich kaum fassen kann, eine Liebe, die so sanft ist, obwohl sie von der zerstörten Heimat spricht.

Wir sitzen mit Hamed, seiner Frau und ihrem Baby in der Küche und sie haben uns die köstlichsten Gerichte aufgetischt. Sie sind eben erst in Deutschland angekommen. Sie standen auf der Strasse mit einem dieser nutzlosen Hotelgutscheine, die das Lageso nie oder erst nach einem Jahr bezahlt. Sie haben fast nichts. Aber sie kochen uns feinstes Essen, wie man es in ganz Berlin nicht bekommen würde.Warum sind es immer die Ärmsten, die das Beste mit einem teilen? Und Lachen. Jede dieser Runden im Haus ist fröhlich. Und traurig. Als bräuchte wahre Freude Trauer. Mohamed kommt zum Essen, tut überrascht, dass gekocht wurde. Nach einem Teller gibt er zu, dass er von dem Essen gehört hat. Lachen. Ein Fest. Und Witze über den Nahen Osten, Assad, alles, überhaupt nicht political correct, aber aus tiefstem Herzen. Menschen, an die ich mich anlehnen kann wie Johannes an Jesus beim Essen, und am Lagerfeuer. Zärtlich. Nah.

Bei der Einweihung des Refugio flog meiner Nichte Edith gerade der blaue Ballon weg als Gerold in seiner Einweihungspredigt erzählte, wie Gott alle Tränen wegwischen wird in der neuen Welt, die Johannes in der Offenbarung sah. Edith war erst untröstlich. Der Saal, bis zum Rand voller lichter Menschen, Lachen, hinten die syrischen Frauen in Kopftuch, die munter ihren ersten Tag in Deutschland mit Smartphones filmten. Edith bekam einen neuen Ballon. Ich wischte ihre Tränen weg. Was für ein Moment, so mächtig, so zart. Dieses Kind auf meinem Arm, der Trost, die Freude.
Später tanzten die syrischen Männer im Cafe, einige holten sich Taschentücher, mit denen sie im Kreis tanzten und wedelten. Die Heimat ist verloren, hier beginnt ein neues Zuhause.
Gerold und ich waren berührt, zutiefst. Wieder diese mächtige Zärtlichkeit. Und die tanzenden Männer waren wie Johannes mit Jesus, hatten diese respektvolle, großzügige Nähe zueinander, so wie manche der Somalimänner im Haus, die oft Hand in Hand gehen. Nicht betont, nicht haltend, sondern sich ergebend.

Manchmal kommt mir Deutschland klein vor. Schaffen wir das? Deutschland ist groß. Groß in vielem, bewundernswert. Ich bin dankbar hier aufgewachsen zu sein. Was für ein zerrissenes, dramatisches Land. Was für ein Land großer Träume. Und auf einmal kommen von woanders: Große Menschen.
Wir sprechen hier im Sharehaus oft von dem Potential eines jeden Menschen, dem Talent, das Gott jedem gegeben hat. Und tatsächlich, die Götter haben etwas Mächtiges in jedem Menschen angelegt. Etwas gewaltig Schönes. Etwas, das über jedes weltliche Maß hinausgeht. Das ist nicht der Übermensch, denn die Nazis haben dumm die Rechnung ohne Gott gemacht. Dem Herrenmensch fehlte jede Größe. Das wirklich zärtlich Mächtige in jedem Menschen dagegen ist das Göttliche.

In den Menschen, die mühsam und verletzt und zerbeult zu uns kommen, sehe ich diese göttliche Größe und ich bin begeistert. Endlich große Menschen. Oh wie sehr ich begreife, dass ich sie nicht verbessern, massregeln, einlagern oder politisieren darf, sondern wertschätzen und ihnen Schutz gewähren.
Sind die Deutschen denn klein? Ich begegne überall großartigen Deutschen. Also Einheimischen, deren Familien ebenso irgendwann vertrieben wurden, geflohen sind, eingewandert. Es gibt den Deutschen nur als bunten Hund. Aber auch der kann manchmal ganz schön klein sein. Spiessig. Das ist das alte Wort dafür. Verängstigt, bitter, böse und weinerlich.

Diese Art Deutschland ist tatsächlich zu klein für die großen Flüchtlinge. Man kann keine Riesen in einer Hundehütte unterbringen. Da ist dann schnell kein Platz mehr. Und irgendwann sind auch die letzen alten Kleider statt beim Müll bei den Geflüchteten gelandet, die letzte studierte Bürgerstochter, die unbedingt helfen wollte, ist weitergezogen, und dem letzten Workshop, der unbedingt irgendwie was mit Flüchtlingen machen wollte, ist die Puste ausgegangen. Was dann?

Wir schaffen das. Ist das ein kluger Satz? Ja, das ist wahre Größe. Da spricht ein großer Traum, nicht der von Angela Merkel, sondern es ist der Glaube and die wahre Größe im Göttlichen, der sie das sagen lässt. Wie klein dagegen die Politiker, die von Überforderung sprechen. Ihr Armen, ihr Kleinherzigen. Ihr seid die Erben des großen Schocks, der bis heute unser Leben prägt. Damals ergriffen die Kleinherzigen mit großen Sprüchen die Macht und vernichteten mehrere Millionen Menschen, davon sicherlich die meisten in Kultur und Herzen weit größer als die Nazis.
Jetzt kommen ein paar Hunderttausend und wir sind an unseren Grenzen? Dass ich nicht lache. Die angebliche Krise wurde aufgefangen von zahllosen Menschen mit wahrer Größe, Beamten, Polizisten, Nachbarn, Studenten, Menschen wie du und ich, die sich die Mühe machen, nicht nur zu Helfen, sondern zu lernen und willkommen zu heissen. Das ist das große Deutschland, das leicht  6 Millionen Menschen aufnehmen kann im Ausgleich zu 6 Millionen umgebrachten Juden? Das wäre keine Wiedergutmachung. Nur Vergebung kann heilen. Aber es wäre eine Geste wahrer Größe.
6 Million Menschen aufnehmen, die vor Krieg und Terror fliehen? Klar geht das, das sind nur halb so viele wie nach dem Krieg ins zerstörte Deutschland flohen.
Groß denken, noch grösser Träumen. Vor einem Jahr war ein ganzes Haus mit 5. Stockwerken mitten in Berlin noch ein großer Traum. Belächelt. Beseufzt. Ja ja, das wäre schön. Hätte, hätte, Fahrradkette. Und gestern stand Fatuma im neuen, schönen und belebten Cafe und sagte, sie dachte wir reden nur groß. Als wir vor drei Monaten einzogen, war das Foyer des 5.stöckigen Hauses dunkel, trist, und ein trauriger Seniorenheim-Empfang füllte wie ein toter Wal den Raum. Fatuma, die Ahnungslose, die gratis U-Bahn in Berlin gefahren ist bis sie erwischt wurde, und die eine ganze Weile lang freundlich “Gesundbrunnen” zu jedem Niesenden sagte, sie ist wie alle im Haus kene Geflohene, sondern ein Geschenk.

Und was haben wir davon? Wir könnten endlich wachsen. Wozu leben wir sonst? “Eines Tages werden wir sterben. Aber an allen anderen Tagen werden wir leben,” zitierte der jetzt tote Hennig Mankell seinen Kollegen P. O. Enquist.

Jeden Tag am Leben sollten wir aus dem Vollen schöpfen. Der mächtigen Zärtlichkeit sind keine Grenzen gesetzt. Der Tod dagegen ist klein. Eine Null. Unsere Freunde im Haus sind ihm auf der Flucht begegnet. Seiner Armseligkeit. Deshalb lachen sie, freuen sich, teilen trotz Armut, trauern,und sie sind hungrig nach mehr im Leben. Denn sie sind groß.

Ein Fest

Ajmal mag Hunde, sagt er. Er und Murtaza laden mich ein in der Küche im Refugio mit ihnen zu essen. Lamm und Reis. Beide haben den ganzen Tag gefastet während Ramadan. Zwischen 10 und halb drei Uhr morgens wird gegessen und Wasser getrunken.
Ajmal ist monatelang von Afghanistan bis nach Berlin gelaufen, manchmal gefahren. Ein lange Geschichte. Familie? Ja. Auch eine lange Geschichte. Er lacht. Kann man nicht mal eben so erzählen, es ist noch ganz frisch. Und wir wohnen erst seit 2 Wochen zusammen im Refugio. Hier sind alle Suchende. Vor allem Ankommende.
Mein Freund A., der für deinen Glauben verfolgt wird, kommt in Schritten an. Er hat sehr viel zurückgelassen, Frau, Kinder, Arbeit, Familie. Mehr als nur ein Leben. Über Monate wandert das vom Kopf in den Bauch. Er nimmt alles mit Fassung, und dann, immer wieder Tränen, Freude, Erschöpfung, Verzweiflung. Lachen. Da ist ein weiter Weg zwischen Begreifen und Begreifen.
Denke in letzter Zeit oft an den Film: Things we lost in the fire. Mit Halle Berry. Wir begreifen, dass wir in diesem Leben vieles verlieren, aber wir fühlen es oft nicht in aller Tiefe.
Mir fällt auch wieder unsere Konzert mit Sarah Brendel und Moritz Brümmer ein, als der Satz im Raum stand: Ein Brunnen voller Tränen, und ganz unten die Freude.
Als Ajmal sagt, er mag Hunde, denke ich wieder an unseren Hund, der neulich gestorben ist. Ich denke oft an Jet, wenn ich Hunde sehe. Eine Frau radelt vorbei mit einem schönen Hund im Korb vorne, ich denke an Jet. Das Paar nebenan spielt im Hof mit ihrem jungen Boxer. Ich denke an Jet.
Jet, die Kanone. Mit Jessi, der Jack-Russel Hündin holten wir ihn vor 10 Jahren im Tierheim in Südafrika ab. Beide jung und angefahren. Wir geflohen aus Deutschland. Eher aus innerer Not. Aus Durst nach Leben. 10 Jahre blieben wir, ein Leben. Ein ganzes Hundeleben, wurde mir neulich klar, als Jet starb, dieser schöne und treue Freund, der Löwenjäger und Townshiphund, der den Robben im Hafen immer erstaunlich ähnlich sah.
Die Kinder wollten Hunde. Und Katzen. Wir lebten mit einem kleinen Zoo über die Jahre. Einem glücklichen Zoo. Aus den menschlichen Zwergen wurden große schöne junge Menschen, und am Ende hatten Jet und Jessi graue Haare. Nur die Katzen schienen zeitlos jung.
Jet und Jessi. Beide gute Wachhunde. Die braucht man auf dem Land, im Vorort, wo auch immer wir über die Jahre hinzogen. Jessi baute sich gerne ein Lager aus Schuhen, legte sich zu den Kindern ins Bett, wälzte sich in seltsamen Gerüchen und setzte sich am Strand zu wildfremden Leuten, als gehöre sie zu ihnen. Kamen wir von einem langen Spaziergang zu den Dünen zurück, sahen wir Jet vor uns die langen Kelpalgen schütteln und zerbeissen, aber Jessi sahen wir manchmal nicht. Dafür Leute auf Picknickdecken oder Surfer neben ihren Brettern, und ein Hund neben ihnen, der uns freundlich ansah und genauso aussah wie … Erst wenn wir sie riefen, kam sie angetrottet und wir waren nie sicher, ob sie nicht eines Tages mit einer Familie durchbrennen würde, die mehr Würstchen aß.
Die Hunde waren wild. Sie jagten jede Katze, rannten in fremde Häuser, Jet sprang über 2 Meter hohe Mauern und wir beeilten uns, damit uns keiner sah, wenn er wieder auf der andern Seite der Gärten auftauchte. Er tat keinem was, er war einfach nur unverschämt und neugierig. Und voller Energie. Manchmal fuhren wir in unserem alten, maigrünen BMW am Meer entlang und liessen ihn hinterherrennen. Er machte knapp 45 Stundenkilometer, und wenn wir schnell genug fuhren, bellte er auch keine anderen Hunde an. Dieser Blick. Im Rückspiegel die Gesichter der Spaziergänger, dann dieser Blitz, der an ihnen vorbeischoss.
Jessi zog die Klippen vor. Auf den steilen Felsen von Hermanus kletterte sie wie eine Berggemse mit ihren kleinen Beinen und ihrem dicken Bauch. Die Dassies stiessen noch einen kurzen Ruf aus, dann rannten die Klippschliefer in ihre Höhlen. Einmal hörten wir Jessi im Innern eines riesigen Findlings bellen. Wie sie da rein- und wieder rauskam, haben wir nie rausgefunden. Wir mussten nur weitergehen, Jet und Jessi kamen immer treu hinterher. Oder Stunden später zum Haus.
Ihr Paradies war Stanford, ein schmuckes Dorf, wo sie den ganzen Tag stromern konnten und ausgetobt nach Haus kamen, wie die vielen Kinder, die durch die Strassen zogen und sich Obst von den überhängenden Bäumen pflückten.
Unsere Kinder versuchten, wie alle Kinder seltsamerweise, Hamster zu halten. Aber sie hatten nicht mit Jessi gerechnet, die die kleinen Dinger liebevoll ableckte und im Garten irgendwo in Sicherheit brachte. Unversehrt. Jessi warf auch eine Menge Welpen und Jet fand eine Menge eingesperrter weil läufiger Hündinnen, zu denen er mühelos reinkletterte. Stanford war einfach zu fruchtbar. Gutes Land, wir wenig auf Tasche, aber reich reich beschenkt.
Jessi ist tough. Sie ist bei einer alten Dame untergekommen, die sie mit Pralinen füttert. Aber als Jet starb, musste ich in der S-Bahn weinen. Erst ein Bild auf Whatsapp. Jet mit den Kindern unserer Freunde am Kaminfeuer, ein alter Kämpfer, der seine letzten Atemzüge macht.
Unsere wunderbaren Freunde, deren Kinder Jet sogar von seinem Altersausschlag geheilt hatten. Wir hatten Jet in noch bessere Hände übergeben. Hundehimmel. Und da starb er, in einem Landhaus unter der schönsten Klippe der Küste Südafrikas, begraben am Fusse eines Milkwood, am Meer, da wo die Welt noch Schönheit atmet.

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Ich weine wirklich fast nie. Einmal im Jahr, weil Männer ja nicht weinen. Südafrikanische Männer. Aber diesmal schaffte ich es kaum nach Hause. Da waren sie, die Tränen des Abschieds, und sie kommen auch jetzt beim Schreiben. Things we lost, worin auch immer. Vergangen, verloren. Jet, mein Freund, ein Mann und sein Hund. Obwohl er eigentlich der Hund unseres Sohns war. Jet und ich waren jeden Tag unterwegs gewesen. Er war mein Freund. Ein Hund, ja. Begrenzt. Aber ist es nicht seltsam wie gerade ein Hund so loyal und treu ist, so geradeheraus und herzlich?
Was mit Jet starb, war die Unschuld dieser 10 Jahre in Afrika. Diese unwiederbringliche Zeit. Die zarte Schönheit einer Welt, in der der Mensch so viel kleiner ist. Und da lagen wir als Familie und weinten zusammen auf dem Bett in Berlin, und weinten, und weinten. Wir weinten einem ganzen Leben nach, das wir zurückgelassen hatten und das mit Jet endgültig starb. Es gab kein zurück mehr.
Elke sagte, jetzt weinst auch du endlich. Ihr war der Abschied aus Südafrika schwer gefallen. Viele Tränen. Obwohl wir gerne und aus freien Stücken zurück nach Berlin kamen. Wir freuten uns! Aber der Abschied war schwer, denn es gab kein zurück. Nach Südafrika schon, aber nicht in dieses Leben.
Unter den Tränen, tief unten, die Freude. Das ist ein göttliches Mysterium, ein bezauberndes.
Ich sehe mir diese schönen und freundlichen Menschen an, mit denen wir im Refugio zusammenleben. Die fliehen mussten. Alles verloren haben. Die aus Not die Schönheit ihrer Heimat zurücklassen mussten. Der Krieg zerstört die Heimat, aber die Schönheit, sie lebt fort im Herzen.
Es ist wahr, kaum etwas von dieser Welt bleibt. Alles Lebendige stirbt, neigt sich seinem biologischen Ende zu, und doch ist da das Unsterbliche in uns, der göttliche Lebensstrom,der nie stirbt. Über Jahre begreifen wir vom Kopf hinab ins Herz den Schmerz und Verlust des Lebens, das vergeht. Und es wird nur schlimmer, je mehr wir die Schönheit der Welt um uns begreifen. Vielleicht ist das etwas, wodurch uns Gott führt, Schmerz und Freude, die sie uns ausloten lassen wollen, und die unfassbare Tiefe darin.
Gott? Zulassen? Warum all dies Leid? Die große Menschenfrage. Und auch: Warum all die Freude?
Wir sollten nicht immer warum fragen, sondern wohin. Wohin trägt uns das? Worin sollen wir wachsen, wohin über dieses biologisch begrenzte Leben hinaus? Wohin mit dem Schatz unserer tiefen Empfindungen?
Die Hölle, das steht fest, ist das Nichtempfinden, der Verlust jeder Güte und Empathie. Das gibt’s oft bei Menschen, die oft Böses erfahren haben und noch Böseres tun.
Ich weine wirklich, weil ich diese Schönheit und auch den Schmerz dieser Jahre in Südafrika nicht festhalten kann. Sie waren nicht besser oder schlechter als jetzt, sie waren nur einzigartig. Unsere Kinder gibt es nicht mehr als kleine Kinder. Unser kleiner Zoo, er ist verschwunden.
Alles vergeht, und ich bete, dass unter all den Tränen eine unsterbliche Freude ist, ein Wein, der gereift ist in unserem tiefsten Empfinden, und der niemals zur Neige geht auf dem ewigen Fest, das wir alle zusammen feiern werden.

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Ajmal likes dogs, he says. He and Murtaza invited me to eat with them in the kitchen at the Refugio. Lamb and rice. Both have fastet all day during Ramadan. Only between 10 and half past two clock in the morning eating and drinking water.
Ajmal has been walking for months from Afghanistan to Berlin, sometimes he had transport. A long story. Family? Yes. Also a long story. He laughs. Its all still fresh. And only since 2 weeks we live together in Refugio. Here we are all seekers. And we arrive at something new.
My friend A., who is persecuted for your faith, is arriving in steps. He left a lot behind, wife, children, work, family. More than just a life. For months this loss and new life migrates from the head to the belly. Tears, joy, exhaustion, despair. Laugh. There’s a long way between comprehension and real understanding.
I am often reminded of: Things we lost in the fire. With Halle Berry. We realise that we lost much in this life, but we often feel not in depth of this loss at once.
I am also reminded of our concert with Sarah Brendel and Moritz Brümmer once, when this phrase stood in the room: At well of tears, and all the way down there is joy.
As Ajmal says he likes dogs, I think of our dog who recently died. I often think of Jet when I see dogs. A woman cycling past with a beautiful dog in the basket in front, and I think of Jet. The couple next door playing in the courtyard with her young boxer, and I think of Jet.
Jet, the cannon. With Jessi, the Jack Russel lady we took in 10 years ago at the animal welfare shelter in South Africa. Both young and hurt in accidents.
We had fled from Germany. We were not forced, but we had to leave with a great thirst for life. 10 years we stayed, a life. A whole dog’s life, I thought, when Jet died, this beautiful and loyal friend, the lionhunter, and Township dog, who always looked remarkably similar to the seals in the harbor.
The kids wanted dogs back then. And cats. We lived with a small zoo over the years. A happy zoo. The human dwarfs became beautiful young people, and at the end Jet and Jessi had gray hair. Only the cats seemed timelessly young.
Jet and Jessi. Both good watchdogs. Ones you need on the countryside, in the suburb, wherever we went on for years. Jessi likeed to build a nest of shoes, she liked to sleep with the children in their beds, loved to rub in strange smells and sat on the beach with strangers, as if she belonged to them. When we came back from a long walk to the dunes, we saw before us Jet shaking long Kelp pieces, but sometimes we did not see Jessi. JUst people on picnic blankets or surfers besides their boards, and a dog next to them, who looked exactly like … Only when we called her, she came trotting along and we were never sure if she would not run away one day with a family who ate more sausages.
The dogs were wild. They chased every cat, ran into other people’s houses, Jet jumped over 2 meters high walls and we hurried along so no one could see us when he emerged on the other side of the gardens. Jet was cheeky and nosy. And full of energy. Sometimes we drove our old may-green BMW along the sea and let him run after us. He made nearly 45 kilometers per hour, and when we drove fast enough, he barked at no other dog. Funny sight in the rear window, the calm faces people strolling, then Jet the flash shot past them.
Jessi preferred the cliffs. On the steep cliffs of Hermanus she climbed like a mountain goat with her little legs and her big belly. The Dassies made a short warning call, then these hyraxes ran to their holes. Once we heard Jessi barking inside a giant boulder. We never found out how she got in or out. We only had walk on and Jet and Jessi were always following is somewhere. Or came back to the house hours later.
Stanford was their paradise. A pretty village, where they could roam all day and be happy like all the kids children who roamed the street picking all the fruits from the overhanging trees.
Our children tried, like all children, strangely enough, to keep hamsters. But Jessi lovingly licked the little things, and brought them to safety in the garden somewhere. Intact, but shocked. Jessi had a lot of puppies and Jet visited a lot of locked in dogs on heat. He just climbed over the fences effortlessly. Stanford was just too fertile. Good country, we had little in our pockets but were rich rich rich.
Jessi is tough. She’s staying with an old lady who feeds her with chocolates. But when Jet died, I cried in the S-Bahn. I saw him on Whatsapp. Jet with the children of our friends at the fireplace, an old fighter at his last breaths.
Our wonderful friends and their children, who healed Jet of his old age skin rash with loads of love. Dog Heaven. And when he died, he died in a country house under the most beautiful cliff of the South Africa coast, buried at the foot of a Milkwood tree, by the sea, there where the world still breathes beauty.
I really almost never cry. Once a year, because men do not cry. South African men. But this time I barely made it home. There they were, the tears of farewell, and they are also coming now while writing. Things, friends we lost. Jet, my friend. A man and his dog. Although he was actually the dog of our son but Jet and I had been on the road every day. He was my friend. A dog, yes. Limited. But is not it strange how especially a dog is loyal and true, as simple and sincere?
What died with Jet was the innocence of 10 years in Africa. A childhood. Oh, this deep experience of a world in which the human being is so much smaller. As a family we cried together on the bed in Berlin, we wept, and wept. We cried for a whole life that we had left behind and that had finally died with Jet. There was no looking back.

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Elke said, now your are finally crying. It was hard for her to say goodbye to South Africa back then. Many tears. Although we happyly and voluntarily returned to Berlin. But the farewell was hard because there was no turning back. To South Africa, yes, but not to this life.
Among the tears, deep down, the joy. This is a divine mystery, a beautiful one.
I am looking at this beautiful and friendly people, with whom we live in Refugio. Who had to flee. Who have lost all. They had to leave the beauty of their homeland. The war destroyed their home, but the beauty lives on in the heart.
It is true, nothing seems to last in this world. Everything living dies, drawing to a biological end, and yet there is the immortal in us, the divine life stream that never dies. It takes years from our head down into the heart to really understand the pain and loss of life. And it only get’s worse, the more we realise the true beauty of the world around us. Perhaps this is something which leads us to God, the pain and joy they want us to experience and explore, the incredible depth of it.
God? Allowing all that? Why all this suffering? The big question of mankind. And also: Why all the joy?
We should not ask why, but where to. Where does all that lead us? Wherein shall we grow beyond this biologically limited life? What to do with the treasure of our deep feelings?
Hell, that’s for sure, is not to feel loss, kindness and empathy. Happens with many people who have experienced evil and yet do more evil.
I am crying because I can not hold this beauty and the pain of this years in South Africa. They were no better or worse than now, they were just unique. Our children are no more than small children. Our little zoo, it has disappeared.
Everything passes, and I pray that beneath all the tears in this world is this immortal joy, a wine that has matured with our deepest feelings, a wine never to run out at the eternal feast we will all celebrate together.

Birthday

english & german

Der Pullover

Neulich ging ich ins Theater. Auf Einladung von Lasse, einem jungen Mann, der mir einen langen Brief geschrieben hatte, warum gerade das Sharehaus so interessant wäre für den Abend, und ob ich kommen könnte, etwas erzählen.
Einladungen schlage ich ungern aus und erzählen tue ich gerne. Geschichten, der Treibstoff der Geschichte. Nur welche sollte ich erzählen da auf der Bühne des Deutschen Theaters? Rampensau. Das Wort gefällt mir. Viel Tanzen habe ich mir für die nächsten Jahre vorgenommen, warum nicht im Theater auf die Bühne? Nur welche Geschichte sollte ich erzählen?
Fast unbemerkt ist der erste Geburtstag des Sharehauses vorübergegangen. Im Mai 2014 eröffneten wir das Experimentierfeld Sharehaus in Kreuzberg, die Bühne für den wahren Reichtum eines jeden Menschen. Reichtum, der auf Augenhöhe geteilt werden sollte. Und was für ein Theater es wurde!
Ein Jahr Sharehaus Berlin. Ein Stück mit den irrsten Wendungen, und immer mit aussergewöhnlichen Darstellern. Ein wahres Drama mit Geschrei, Tränen, Lachen. Die Ladenwohnung des Sharehauses unter der schönen Kastanie in der Fürbringerstrasse wurde zur Bühne für Selbstdarsteller, Suchende, gute und schlechte Verrückte, für ganz zarte und leise, und fast immer schöne und von Herzen teilende Menschen. So bunt, dass es mir fast jeden Tag so vorkam, als würden mehrere, völlig unterschiedliche Stücke auf der Bühne gleichzeitig gespielt.
Neulich sassen wir in einer kleinen Besprechung im Sharehaus und aßen dabei, als ein gemütlicher Mann hereinkam, alle begrüßte und sich dann mit einem Teller zu sich setzte. Er hatte weisses Haar, sah gütig drein, sagte er mag Jazz und war hungrig. Als er sich verabschiedete, schenkte er uns eine angebrochene Tüte Kressesamen.
Überhaupt, in Afrika und in Berlin war es das gleiche. Bevor richtig planen konnten, entstand schon das Stück. Wer zur Tür reinkam, war meistens richtig da, und was Gott dieser Person mit auf den Weg gegeben hatte, wurde zum Leben im Sharehaus.
“Was macht ihr denn hier so im Sharehaus?” fragte fast jeder.
“Was würdest du denn gerne hier machen? Was würdest du überhaupt gerne im Leben machen.” Verwirrung. Und manchmal Begeisterung.
In den Sommermonaten sassen wir jeden Tag draussen an unserem Eckladen und grüßten wirklich jeden laut und freundlich. Erst erschraken alle, nach einer Weile aber grüßten sie, bevor wir dazu kamen.
Im Mittelpunkt immer der unentdeckte Reichtum eines jeden Menschen. Für manche Menschen war das ein Schock. Ein Leben lang wurde einem gesagt, was man tun soll, und hier sollte man selbst verantwortlich sein?
Als ich auf die Bühne des Deutschen Theaters trat, legte ich meinen Pullover auf den Boden. Die Bühne war nicht die große Bühne, sondern die Box, Wände und Boden schwarz, auf dem Boden waren mit Klebeband Worte geschrieben wie Optimierung, Weltverbesserung, Lust, Liebe, Freude, Gemeinschaft, Heilung, Reduzierung, Erfahrung.
Was sucht ihr? war die Frage. Im Publikum viele junge Leute. Die meisten stellten sich zu Heilung und Friede, Freude, Lust. Kaum jemand zu Weltverbesserung oder Gemeinschaft.
Der Pullover. Ich lege ihn mitten auf die Bühne, da treibt er im Meer. Man sieht ihn als Bild aus einem Flugzeug im blauen Wasser treiben, vielleicht aus einem Flugzeug, vielleicht auf Google Earth. Wem gehört er? Wer hat ihn getragen? Und wo ist dieser Mensch? War das ihr Lieblingspulli? War das sein einziger Pulli?
Das Sharehaus entstand aus einer Sehnsucht nach mehr. Nicht mehr Konsum oder Sonne, mehr Geld oder mehr Liebe. Sondern mehr Sinn, Erfüllung, Tiefe, danach dürstete uns. Uns wurde, fiel Elke und mir auf, alles längst dafür gegeben. Klassische Selbstfindung, oder? Nicht wirklich. Nicht das Ich suchten wir, sondern wofür wir geschaffen wurden..
In den Jahren in Afrika dämmert und langsam, dass wir in Gottes Ebenbild geschaffen wurden, Frau und Mann, einzigartig, kein Mensch ist wie der andere. Und egal wo wir geboren wurden und wie: Wir sind fehlerhaft, kostbar, irrend, talentiert und göttlich bewundert. Wir sind unverhandelbar und unwiderruflich: von unschätzbarem Wert. Und wir kommen auf die Welt, reich beladen. Und wie viele Menschen nutzen das nicht einmal bis zum Ende eines langen Lebens.
Begeisterung, Solche Sätze kommen gut an. Da nicken fast alle freudig, klingt fast wie Positive Thinking. Verstehen tut jeder etwas anders darunter. Vor allem unter Teilen.
“Kann ich 15 Säcke gebrauchte Babykleidung spenden?”
“Nein, wir haben keine Babys.”
“Oh, aber manche der Sachen sind noch völlig ok! Die werdet ihr sicher los.”
“Nein danke.”
Mitleid ist wie eine Müllhalde.
“Ich finde, ihr solltet einen deutsch-türkischen Treffpunkt machen, bei dem Jugendliche Theater spielen und alte Leute mit Essen vom Foodsharing versorgt werden.”
“Klingt klasse, wann fängst du an?”
“Oh, ich, für so was hab ich echt keine Zeit gerade, aber ihr solltet so was unbedingt machen! Das wäre super für den Kiez!”
Oh! Wie wir uns gehütet haben davor, etwas zu machen, was andere gerne machen würden.
“Wisst ihr was, ich kenne einen Obdachlosen, der könnte bei euch schlafen! Der ist echt nett.”
“ Wir haben keine Betten. Aber wieso kann der nicht bei dir schlafen?”
“Was, bei mir? Ich weiss doch gar nicht, ob der überhaupt irgendwo drinnen schlafen will!”
Schönes Theater! Ich lache, weil es wirklich lustig ist im Sharehaus manchmal. Verrückt wie in einem John Irving Roman. Ganz schwer zu beschreiben, das Zarte, das Leise, das Heilende, das täglich da ist. Wie die jetzt namenlose Frau, die nach Hause gehen musste, weinen, weil sie plötzlich hörte, dass sie wertvoll ist, kostbar, nicht unnütz und schlecht, sondern göttlich geliebt so wie sie ist. Das hatte ihr noch nie jemand gesagt. Oder die Männer, die eines Abends mit uns beim Nachbarschaftsessen sassen. Keiner fragte woher sie kommen, niemand setzte sich weg, wir teilen Essen, Geschichten. Nur einer von uns wusste, dass sie auf der Strasse leben und niemand sie sonst einlud.
Das endlose Sharehaustheaterstück handelt von den Fragen. Den richtigen. Richtige Antworten haben viele. Was willst du denn gerne machen? Was macht dich glücklich? Was macht dir Freude? Was hat dir als Kind Freude gemacht?
Berlin ist nicht nur die Hauptstadt der Partys, Rollkoffer, Startups, sie ist auch die Hauptstadt der Bedürftigen, der Lahmen und Selbstmitleidigen. Wie ein Schock kommt da für viele, dass Gott jeden Menschen begabt und wichtig gemacht hat. Und die Verantwortung gegeben, das eigenes Leben und diese Welt eine weit bessere zu machen.
Auf der Bühne zeige ich einen klaren Feind. Die Selbstoptimierung. Man kann ein Puzzlestück nicht perfektionieren. Allein auf sich gestellt bleiben die Ränder brüchig, egal wie schön die Oberfläche.
Im sonnigen Sharehaus im gemütlichen Kreuzberg fand sich eine lose Gemeinschaft. Manche gingen wieder, andere kamen dazu und jeden Mittwoch wurde zusammen gekocht. Es war wirklich wie auf einer Bühne. Manche erschienen nur kurz, manche nervten, andere fanden Anerkennung, Unscheinbare blühen auf und oft saß ich nur da uns war dankbar. Dankbar für den geteilten Reichtum! Denn in all dem Drama wurde wirklich geteilt, Zeit, Anerkennung, Wertschätzung, Fahrräder, Wissen, Beamer, Geld, Erfahrung, Essen, Geschichten, Liebe, Sehnsucht, Erkenntnis, Gotteserfahrung, Freude, Leid, Kultur, Sinn, W-lan, Ideen, Glück, Sorge, Schönheit, Humor und Raum. Das Sharehaus wurde ein Schutzort, eine Lange Tafel der Gemeinsamkeit.
Irgendwann, das wussten wir, würde die kritische Masse erreicht und die Menschen im Sharehaus würden eine bestimmte Richtung einschlagen. Und so kam es auch.
“Habt ihr irgendwelche Flüchtlinge, für die ich was tun kann?” Wieder stand jemand in der Tür.
“Äh, nö, sorry, gerade haben wir keine da.” So fing es an. Das Sharehaus ist nur die Bühne, und wer angezogen war von der Idee, waren Flüchtlinge und Menschen, die mit ihnen arbeiten und leben wollen.Und dann entwickelte sich die Choreografie ganz schnell von selbst. Unsere Freunde und Träger von der Berliner Stadtmission wollten ein Konzept für ein ganzes Haus mit 5 Stockwerken. Und so schlüpfte aus der bunten Larve Sharehaus Berlin eine schöner Schmetterling, das Refugio. Die Klosterherberge für Pilger, denn die meisten von uns sind Suchende, Weltenwanderer. Im Refugio werden wir vor allem mit Menschen, die flüchten mussten, arbeiten und Gemeinschaft leben.
Der Pullover vom Meer. Er ist nur eine Hülle. Wie das neue Haus. Wichtig ist der Mensch darin und die Gemeinschaft, für die er da ist und in der er auflebt.
Und wieder entpuppt sich das Sharehausprinzip als göttlich wahr. Die Menschen, die fliehen mussten, müssen und wollen mit uns leben. Sie sind durstig nach mehr, wie wir, und sie bringen einen Reichtum, den wir nur entdecken, wenn wir wirklich teilen.
Apllaus, Verbeugung. Spät radle ich durch den dunklen Tiergarten. Die Irrlichter anderer Radfahrer unter den Bäumen. Der Pullover wärmt mich.

Das Refugio öffnet diesen Sommer.

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* all pics from our London trip to citizensuk.org
The sweater

The other day I went to the theater. At the invitation of Lasse, a young man who had written me a long letter, why the Sharehaus would be so interesting for the evening, and if I could come to tell something.
I love invitations I propose I like storytelling too. Stories, the fuel of the history. Just what should I tell while on stage of the Deutsches Theater? Rampensau. A word I like (living out being on stage). Dancing I’ve made up my mind for for the next few years, why not on stage? Just what story should I tell?
Almost unnoticed, the first anniversary of Sharehaus has passed. In May 2014, we opened an experimental stage called the Sharehaus in Kreuzberg, a stage to unveil the true wealth of everyone. Wealth that should be shared on no one higher or lower And what a play it was!
One year Sharehaus Berlin. A play with the craziest twists, and always with exceptional performers. A real drama with cries, tears, laughter. The cornershop under the beautiful chestnut tree in Fürbringerstrasse was a stage for self-promoters, seekers, the crazy in a good way and in a bad way, and for the delicate and quiet, and almost always tender sharing of hearts. All that so colorful that every day seemed to me as we played several, completely different plays on stage simultaneously.
The other day we were in a meeting at the Sharehaus and ate toghether, when a friendly man walked in, said hello to everyone and then sat down with us and took some food. He had white hair, he said he likes jazz and is hungry. When he left, he gave us an opened bag of cress seeds.
Everywhere, in Africa and in Berlin it was the same. Before we really could plan the play already had started. Those who came through the door were usually right there, and what God had given to this person, came to life in the Sharehaus.
“What are you doing in the Sharehaus?” Asked almost everyone.
“What would you do like it here? What would you like to do in life at all?” we replied. Stunned looks. Confusion. And sometimes enthusiasm.
In the summer months we sat outside our corner shop and greeted everybody loud and friendly. Some got a fright, but after a while they greeted even before we could.
Our focus is always the undiscovered wealth of every human being. For some people, that was a shock. Too many are told what to do, and here should be responsible for yourself?
When I stepped onto the stage of the Deutsches Theater, I dropped my sweater on the floor. The stage was not the big stage, but the box, walls and floor painted black, words were written with tape, words like optimization, Improve the world, lust, love, joy, community, healing, reduction, experience.
What do you seek? was the question. In the audience, many young people. Most stood grouped themself to healing and peace, joy and pleasure. Hardly anyone to Improve the world or community.
The sweater. I put it in the middle of the stage, where he floats in the sea. You see it as a from an airplane in the blue water, perhaps in Google Earth. Who does it belong to? Who wore it? And where is this this person? Was that her favorite sweater? Was that his only sweater?
The Sharhaus grew out of a yearning for more. Not for more sun, more money, or more love. But more meaning, fulfillment, depth, thats waht we thirsted for. Elke and me, we started the Sharehaus, because we wanted to know what we are created for.
In Africa it dawned slowly on us that we were created in God’s image, man and woman alike, diverse and unique, no one is like another. And no matter where we were born, we are precious, erring, talented, stumbling and divinely admired. We are non-negotiable and irrevocable: priceless. And we come to the world, richly laden. Sadly so many people do not even use it even in a long life.
These ideas have been well received in the Sharehaus. Almost sounds like Positive Thinking, but isn’t. And some do understand what we say, completely different.
“Can I donate 15 bags of used baby clothes?”
“No, we do not have babies.”
“Oh, but some of the things are still completely ok! You will find people interested. ”
“No thanks.”
Pity is like a garbage dump.
“I think you should create a German-Turkish club, where young can express themselves in drama and old people are supplied by Food Sharing.”
“Sounds great, when can you start?”
“Oh, m, I really got no time for that, but you should absolutely do that. It would be so good for the neighborhood!”
Oh! As how we have kept ourselves form doing what others wanted to do.
“You know what, I know a homeless person who could sleep at the Sharehaus! He is really nice.”
“We have no beds. But why can’t he sleep at your place?”
“What, at my place? I do not even know whether he even wants to sleep somewhere inside! ”
Best of Theater! It’s really funny at the Sharehaus sometimes. Crazy like in a John Irving novel. And almost impossible to describe the tender, the quiet, the healing, that is also taking place every day. The woman who had to go home crying because she suddenly heard that she is valuable, precious, not useless and bad, but divinely loved as she is. Nobody ever told her. Or the men who were sitting one evening at our weekly supper with us. No one asked where they came from, no one was put off, we share food, stories. Only one of us knew that they lived on the street and no one invited them otherwise.
This endless Sharehaus play is about questions. The right questions. Correct answers there are many. What so you like to do? What makes you happy? What inspired you a sa child?
Berlin is not only the capital of parties and startups, it is also the capital of the needy, the lame and self-pitying. What a shock to many that God has made every human gifted and important. And we are all given the responsibility to make life better for ourselves and the world.
There is an enemy on stage: The self-optimization. You can not perfect a piece of the puzzle. You can gloss it, but the edges remain fragile, no matter how beautiful the surface.
In the sunny Sharehaus in cozy Kreuzberg a loose community grew. Some left, others were added, and every Wednesday we cooked together. It was really as if on stage. Some appeared only briefly, some were annoying, others found recognition, the inconspicuous blossomed on many times I just sat there and was grateful. Grateful for the shared wealth! Because in all the drama we really shared time, recognition, appreciation, bicycles, knowledge, projectors, money, experience, food, stories, love, desire, knowledge, experience of God, joy, sorrow, culture, meaning, W-lan, ideas , happiness, care, beauty, humor and space. The house was a refuge, a long table of communion.
At some point, we knew that the critical mass would be reached and the people would take a certain direction. And so it happened.
“Do you have any refugees around I can do something for?” Again someone was standing in the doorway.
“Uh, no, sorry, we haven’t got any right now.” So it began. The Sharehaus is only the stage, and who was attracted by the idea of sharing, were refugees and people who want to work with them and live with them.Und then the choreography developed very quickly on its own. Our friends and supporters from the Berlin City Mission wanted a concept for a whole house with 5 floors. And so out of the colorful caterpillar Sharehaus Berlin a beautiful butterfly emerged, the Refugio.
Refugio, the monastery hostel for pilgrims, because most of us are seekers, pilgrims. In Refugio we will live and work especially with people who had to flee.
The sweater floating in the sea. He’s just a shell. As the new house. Important is the community in it, where it comes to life.
I am glad the Sharehaus principles remain true. We are all valuable. The people who had to flee, want to live and work with us. They are thirsty for more, like us, and they bring a wealth that we only can discover when we really share.
Aplause. Later at night I am cycling through the Tiergartenpark. The flickering lights of other cyclists under the trees. The sweater keeps me warm.

The Refugio opens this summer.

the embrace of listening

Die Umarmung des Zuhören       dt. & engl.Geredet wird viel, gesagt wird oft wenig. Das ist meine Erfahrung.
Ich hatte immer viel zu sagen, viel viel viel zu sagen. Klares Zeichen der Unreife. Dieser Lärm des Redens, dieser Druck der ständigen Meinung. Was für eine Hilflosigkeit.

Im Sharehaus wird auch viel geredet, manchmal klingen mir die Ohren davon. Es ist die Aufregung. Das passiert so viel Neues, so viel Schönes, aber auch schon davor, da wurde viel geredet. Manchmal muß der Lärm im Kopf raus, das Herz gelüftet werden, und manchmal ist der Mensch, der redet, auch gar nicht da.
Ich hab das schon öfter gesehen. Nicht nur der Zuhörer kann abschalten und innerlich auf deine Reise gehen, es gibt auch Erzähler, die wie überwachte Geheimagenten ein Tonband voller Nichtigkeiten einschalten.

Worte. Sie bringen Leben oder Tod. Die Zunge. Wie das kleine Ruder an einem großen Schiff. Ist doch was wir reden, das Abbild unseres Innersten. Auch wenn wir Lügen, oder gerade dann.
Worte. Bringen Leben oder Tod. Darüber haben wir neulich meditiert bei unseren offenen Donnerstagsmeditationen. Was für eine Macht wir mit ihnen haben. Und wie wir selbst Menschen beeinflussen, die uns nicht hören, weil die Kraft der Worte schöpferisch ist.
Das fiel mir schon früh im Sharehaus auf, daß wir nie schlecht über andere sprechen dürfen, und nur gut in ihrer Abwesenheit. Denn da ist nichts Schönes im Schlechten, das wir von Anderen behaupten. Nur Zerstörung. Und um so mehr Schönheit ist da in den Worten, die das Gute, das gute Potential eines Menschen beschreiben und wecken, statt den Mangel zu betonen.

Sind Geflüchtete eine Bereicherung oder eine Last. Die angebliche Krise hat das Potential eine Bereicherung zu sein. Je nachdem wir wir darüber reden. Und wie wie wir danach handeln. Und je nach dem wie tief wir uns, fremd wie wir uns oft sind, wirklich zuhören.
Zuhören. Das Zuhören ist der Schlüssel zu einer lang vermissten Tiefe in unserem Leben. Zu einer Empathie, die uns oft fehlt. Mitleid ordnet nur ein, stuft herab. Mitgefühl geht tiefer.

Zuhören ist aktiv. Wie als uns Ibrahim und Baschar von ihrer Flucht aus Syrien, über Ägypten, Libyen und Lampedusa erzählten. Die Beiden waren aufgeregt, oft ihre Erzählung trocken, und nur wenn man mit dem Herzen zuhörte, verstand man das Unglaubliche, den Tod an Bord, die Gefahr für die Familie, die Angst und die mächtige, mächtige Hoffnung nach Frieden, die Menschen durch Landschaften der Verzweiflung treibt.

Die Umarmung des Zuhören. Ich nennen das so, weil das Zuhören etwas sehr aktives ist, Vor ein paar Tagen war ein Film über 40 Jahre Momo im Sharehaus zu sehen. Schon damals als Momo geschrieben wurde, war klar, daß wir an unserer Effektivität unterzugehen drohen. An dem Leistungswachstum, der Entseelung. Heute, lange nach den profitmaximierenden 90ern, sehe ich ein ganze Generation, die zum Glück anders denkt. Bei der Vertrauen das Kapital ist, wie z.B. die http://www.dclass.de Konferenz zeigte.

Nach dem Film sassen über 25 Menschen im Kreis, nur wer die Schildkröte hatte, durfte reden. Nicht mein Ding, dachte ich. Sowas wird schnell zum Befindlichkeitsgau. Stattdessen wurde Dankbarkeit schnell ein Thema. Ein Gedicht von Bernard de Clairvaux, das uns als Schale beschreibt, aus der Gottes Liebe überläuft und wir nie zu wenig haben. Und das Sharehaus.

Mir fiel ein wie unnütz ich Momo damals fand, als junger Mensch, wie ich alles besser wußte, überhaupt viel zu sagen hatte. Und wie Gott mich auf den langen Umweg über Afrika schickte, bei dem ich auf Menschen traf, die alle sehr neugierig waren und unsere Geschichte hören wollten. Die selbst großartige Lebensgeschichten zu erzählen hatten, ohne sich etwas darauf einzubilden. Die echtes Mitgefühl hatten.

In Afrika lernte ich zuhören und mich selbst nicht mehr so ernst zu nehmen. Ich lernte Zuhören als Umarmung, nicht nur als nächtelanges Labern bei Wodka Limes im Kumpelnest. Aus der neuen Umarmung des Zuhören entstand das Sharehaus. Wir waren der Kirchen müde, die anderen erzählen wollten, wie sie leben sollten. Wir wollten produktive Gemeinschaft, in der der voneinander lernen können. Jesus, das wurde schnell klar, war keine neue Krücke, kein wichtiger Zusatz zum Leben, sondern wurde Gebrauchsanweisung fürs Leben, wurde Offenbarung, die man oft in anderen, im Anderen findet, nicht nur in sich selbst.

Zuhören. Der große Kreis ließ nach einer Stunde alle tief bewegt zurück. Der Verlust tiefer, großer Gefühle war ein Thema. In dieser Runde begannen sie wieder. Die Augen leuchteten. Die Wangen waren gerötet, nichts zu Intimes war geteilt worden, aber Vertrauen, Leben, Hoffnung. Die Umarmung des Zuhören.

Um einem Menschen wirklich aufmerksam zuhören zu können, muß man die richtigen Fragen stellen lernen. Nicht clevere, nicht psychologisch geschulte Fragen, sondern Fragen aus einem tiefen Mitgefühl. Und Mitgefühl ist keine lifestyle-Übung. Ohne Mitgefühl ist da erschreckend oft geistige Krankheit. Tod. Das fällt mir immer häufiger auf, daß Menschen, die gestört sind, Depressive, Menschen mit Burn-Out ebenso wie Gewaltverbrecher und Betrüger, nur sehr wenig Empathie haben. Oder gar keine. Auch keine echte Toleranz. Auch so ein großes Wort. Wir meinen oft: Sein lassen und sich seinen Teil denken. Dabei ist Toleranz echtes Interesse am Anderen. Zuhören. Verstehen wollen ohne jede Angst, den eigenen Boden zu verlieren.

Das Mitgefühl beginnt bei den Fragen. Und die Fragen muss ich üben. Manchmal überraschen sie mich auch, meine Fragen. In der göttlichen Umarmung, in der ich bin, sind sie nicht immer von mir. Sie öffnen tiefe Quellen. Menschen offenbaren dann nicht nur, was sie denken, sondern wer sie wirklich sind. Wirklich. Göttliche Wesen. Mit den richtigen Fragen sprechen Menschen nicht nur in Tränen und im Lachen, in Geschichten und Geheimnissen, sie sprechen auch von Dingen, die sie gar nicht wußten, sie sprechen aus dem Göttlichen, das in jedem wohnt.

Ich kann, das begriff ich wieder im großen Schildkrötenkreis des Zuhören, ich kann das aufmerksame Zuhören Gottes, diese göttliche Umarmung des Zuhörens nur weitergeben, indem ich selber zuhöre. Mit einer Umarmung.

 

***

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The embrace in listening deeplyThere is much talk, little is said. This is my experience, not only in love.
I always had a lot to say, much much much to say. Clear sign of immaturity. The noise of talking, this pressure of the heart. What a helplessness.

At the Sharehaus we also talk a lot, sometimes so much, my the ears are ringing. It’s the excitement. Many new things are happening, many beautiful things. But even before that, there has been much talk. And sometimes the person who speaks, is not there. I’ve seen it often. Not only the listener can talk and shut of on the inside, also the talker can switch on a tape like a bugged secret agent.

Words. They bring life or death. The tongue. Like the small rudder on a large ship. Our worlds reveal our heart. Even if we lie, or even more so. Words. Breathe of life or death. We meditated on that at our open Thursday meditations. What power we have with words. And how we even affect people far away, because the power of words is creative.
That struck me early in Sharehaus, that we must never speak badly of others, and only good in their absence. For there is nothing beautiful in the bad, we say about others. Only destruction. And all the more beauty is there in the words that describe the good, the potential of people and awaken it, instead of emphasizing what lacks.

Are refugees an blessing or a burden? The so called crisis has the potential to be enriching. Depending on how we we talk about it. And how we act accordingly. And depending on how deep we, foreign as we often are for one another, really listen.
Listening. Listening is the key to a long-lost deepth in our lives. To empathy, which often lack. Pity only downgrades. Real sympathy goes deeper.

Listening is something active like when we listened to Ibrahim and Bashar when they told of their escape from Syria, Egypt, Libya and Lampedusa. The two were excited, no great storytellers, only if you listened to the heart you grasped the unbelievable, the death on board the boats, the dangers to the family, the fear and the mighty, mighty hope for peace that drives people through landscapes the desperation.

The embrace of listening. A few days ago a film, 40 years Momo, was shown in Sharehaus. Back then when Momo, was written, it was clear that that our effectiveness ist our curse. Today, long after the profit maximizing 90ies, I see a whole generation that thinks differently. Where trust is the capital, as the http://www.dclass.de conference showed.

After the movie about 25 people sat in a circle, only those who had the turtle could talk. Not my thing, I thought. Something like that can quickly become a Befindlichkeitsgau (a melt down of confused issues). Instead, gratitude was a topic. A poem by Bernard de Clairvaux, which describes us as a cup from which God’s love is able to overflow. And the Sharehaus. I remembered how useless I found Momo back then, as a young man. I knew everything better, and had much to say. Then God sent me on the long detour via Africa, where I met people who were very curious and wanted to hear our story. They had great stories of life themselves, without showing off. They have real compassion, they listen deeply.

In Africa, I learned to listen and not to take myself too seriously. I learned listening is an embrace, not a nightlong jabberind drinking vodka limes at Kumpelnest. From the new embrace of listening the Sharehaus was built. We were tired of Churches, that wanted to tell others how they should live. We wanted a productive community in which the can learn from each other. Jesus, we quickly realized, was not a new crutch or philosophy, no important addition, he is a manual to life and a revelation. A divine revelation that one often finds in others. In the other, not only in oneself.

Listening. The large sharing circle with the turtle lasted an hour. The loss deep, great emotions was a topic. In this round, they started again. The eyes were shining. The cheeks were flushed, nothing too intimate had been shared, but trust, life, hope. The embrace of truly listening.

To really listen, you ave to pay attention, and you have to learn to ask the right questions. Not smart, not psychologically savvy questions, but questions coming from a deep compassion. And compassion is not a lifestyle exercise. Without compassion there is mental illness. Death. This always strikes me how often people who are disturbed, depressed, people with burnout as well as violent criminals and fraudsters, how little empathy they have. Or none at all. Also no real tolerance. Another big word. We often think: let them be and I’ll think my part. True tolerance is genuine interest in others. Listening. Wanting to understand without any fear of losing your own ground.

Compassion begins with the right questions. Questions I need to practice. Sometimes they surprise me too, my questions. In the divine embrace, in which I am, they’re not always coming from me. They open deep wells. People then reveal not only what they think, but who they really are. Divine beings. With the right questions people speak not only in tears and laughter, in stories and secrets, they also speak of things they did not know, they speak from the Divine that dwells in every one.

II realized in the big circle of turtle-listening, that I can reply to this divine embrace of by truly listening. With an embrace.

Dankbarkeit, yes, gratitude

Engl./German
Elke erzählte neulich, wie sie sich oft bei den Busfahrern in Berlin bedankt wenn sie aussteigt. Manche gucken überrascht, andere freuen sich. Ein Sharehausbesucher erzählte gestern, wie er beim Joggen Menschen grüßt und selten ein Lächeln dafür bekommt. Aus Afrika  kommend fällt mir das nach einem Jahr immer noch auf: Wir, die Deutschen, sind so undankbar. Oder ganz schlicht: Den meisten von uns fehlt’s schlicht an Demut.
Elke dankt übrigens den Busfahrern in Berlin, auch weil sie sich so über ihre Monatsmarke freut. Wir fahren sonst Rad, aber in der Kälte ist das für sie ein richtiger Luxus, im Bus fahren!
Neulich ging ich zur Bergmannstrasse und aß was beim Thai, ganz alleine, und saß ganz dankbar da auf der Bank, sah dem Treiben zu und schlürfte eine Suppe, dankbar. Es gab Zeiten, da konnte ich mir das nicht leisten, und wenn diese mageren Zeiten als junger Mensch nur dafür da waren: Ich habe Dankbarkeit für die kleinsten Dinge gelernt. Wertschätzung. Ich habe das oft in Ländern gesehen, in denen der Tageslohn gerade für ein Essen reicht, und noch nie Menschen mit so einer stillen Andacht und Freude essen sehen.
Es ist schon eine komische Welt. Uns steht das beste Leben zu, Freiheit, Überfluss, Gesundheit. Ich glaube auch, daß jeder eine Arbeit verdient, die Freude macht, Menschen, die das Gute in einem fördern, und dass jeder Mensch verdient aufzublühen. Dafür steht das Sharehaus. Und doch lernen wir oft erst im Mangel, dankbar für das zu sein, was uns sonst so selbstverständlich scheint.
Mir fällt das immer bei den Geflüchteten auf, die im Sharehaus dabei sind. Menschen, die so viel verloren haben, deren Familien oft noch jeden Tag in akuter Gefahr sind. Die stundenlang im eiskalten Mittelmeer schwammen, bevor sie gerettet werden konnten. Sie haben eine besondere Freude am Leben, sie sind Deutschland dankbar für die Hilfe, allen, sie geniessen jeden Bissen, jeden Moment des Friedens. Ich weiss, nicht alle sind so. Ich hatte auch mal diese undankbare Haltung und kannte viele (Deutsche), die sich über den Staat lustig machten, weil er sie versorgte mit Sozialhilfe und anderen Stützen. Je mehr sie bekamen, desto verächtlicher und gehässiger wurden sie
Es ist seltsam, da leben wir in einem Land, das ein tatsächliches Paradies für viele Geflüchtete ist und sind so undankbar. Und es ist als gäbe es gerade hier so viel Lebensverdruss, so viel Hoffnungslosigkeit. Es ist ein Phänomen der Abstumpfung. Wer viel Zucker isst, schmeckt nicht mehr die Süße von Orangen. Aber es gibt eine ganz einfache Abhilfe. Dankbarkeit kann man lernen. Das geht schneller als manchen lieb ist.
5 Minuten jeden Morgen. In Gedanken ein Liste aufzählen, für man dankbar ist. Manchmal sind nur 2 oder 3 Dinge. Am nächsten Tag 5. Dann 10. Und plötzlich eröffnet sich eine ganz neue Welt. Ein Wundern beginnt. Man beginnt wie Wunder zu sehen, die schon die ganze Zeit da sind. Ich mache das inzwischen jeden Tag und mir fällt inzwischen so unfassbar viel ein. Manchmal bin ich ganz high davon. (Manchmal zwinge ich mich zu einem Tag schlechter Laune, bevor es zuviel wird).
Nach einer Woche gesteigerter Dankbarkeit kann es passieren, dass man aus Versehen Menschen in der U-Bahn zulächelt oder ihnen sogar zunickt. Oder beim Joggen wildfremde Menschen grüsst. Oder bemerkt, dass einen jemand anlächelt ohne zu denken: Ist das jetzt ne Irre, oder ist der Typ obdachlos? Es kann auch passieren, daß man einen besonders griesgrämigen Menschen umarmt und auf die Stirn küsst. Und das könnte unweigerlich dazu führen, daß dieser Griesgram dankbar ist, und lächelt und. Die Folgen sind nicht auszudenken. Das könnte zu einer ganz gefährlichen Volksbewegung werden.
Ja Moment mal! Und die wirklichen Probleme dieser Welt, dieser Terror, dieser Winter, diese Grippe, die da draußen, und überhaupt, dieser … ätz, hust, schimpf?! Ich weiß, sie sind da. Wir können ihre Verstärker sein, oder ihre bessere Alternative. wir können uns klein machen im Ärgern, oder Darüberstehen in Dankbarkeit. Huch. Jetzt bin ich schon wieder dankbar! Die Sonne scheint mir ins Gesicht, ich esse köstliche Mandeln und die Baustelle draußen schweigt.
Ich hab vergessen welcher griechischer Philosoph der Antike das auf seiner Wanderschaft so machte: Kam ihm ein Wanderer entgegen mit griesgrämiger Miene und fragte wie die Stadt so wäre, aus der er eben kommt, sagte er: Ach, nicht schön, ganz grausig, nicht der Rede wert. Kam ihm aber einer froh entgegen und guter Dinge und fragte, sagte er: Ganz wunderbar, was für eine schöne Stadt, so schön wie keine!
Dankbarkeit. Wie jede wahre Kunst ganz einfach. Wenn man sich traut. Damit die Welt zu verändern.
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Elke told us the other day, that she often thanks the bus drivers in Berlin when she gets off the bus. Some of them look surprised, others rejoice. A Sharehaus visitor told us yesterday how he greets people while jogging and rarely gets a smile for it. Coming from Africa I still notice that after a year in Berlin, how ungrateful most of us Germans are. Or quite simply, most of us simply lack humility.
By the way, Elke thanks the bus drivers in Berlin also because they she is so pleased with their monthly ticket. We ride bicycle otherwise, and in the cold it is a real luxury for her riding the bus!
The other day I went to the Bergmannstrasse and ate at a Thai Restaurant. I was all alone. I sat gratefully on the bench, watching the the busy streetlife and sipped my sou. There were times when I could not afford it, and if these hard times as a young man are just meant for that: It made me grateful- And travelling to countries where the daily wage is just enough for a meal, I saw people eat with such a silent gratitude and joy.
It’s a strange world. We all deserve the very best life, we deserve freedom, abundance, health. I also believe that everyone deserves a work that is enjoyable, people as support, so each person can flourish. This is what the Sharehaus stands for. Yet we often only learn to be grateful for what otherwise seems so natural to us, when we have experienced lack.
I often think of the fugitives who join us at the Sharehaus. People who have lost so much, and their families are often still and every day in acute danger. Some swam hours in the freezing cold Mediterranean before they could be rescued. Yet they have this joy of life. And they are thankful to Germany for the help they get, the safety and provision. They enjoy every bite, every moment of peace.
I know not all of us are like that. I once had this ungrateful attitude and knew many (Germans), who mocked the government, because it fed them with social grants. The more they got, the more despicable and hateful they became.
It’s strange, because we live in a country that is a real paradise for many Refugees and yet we are so ungrateful. And nowhere in the world seem stop be so much general annoyance, so much hopelessness. It is the phenomenon of dullness. People who eat a lot of sugar, no longer taste the sweetness of oranges.
But there is a simple remedy. Gratitude can be learned. This is faster than some would like.
5 minutes every morning. Make a list while in bed. Sometimes only 2 or 3 things pop up. The next day 5. Then 10. And suddenly a whole new world opens up. Amazement begins. You start seeing the wonders that were already there. I do this every day now and I can’t stop. Sometimes I’m even high on it. (Balancing it now an then with day of grumpiness).
After a week of increased gratitude, it may happen that you accidently smile at people in the subway or you even nod to them. Or that while jogging you start greeting strangers. Or you start noticing that a someone smiles at you and you do not immediately think: Is this lady crazy, is this guy homeless? It may also happen that hug a particularly grumpy person and kiss him or her on the forehead. And that could inevitably lead to this person to gratefully smile. The consequences are unthinkable. This could be a very dangerous people’s movement.
Yes. I Know. There are the real problems in the world, this terror, this winter, this flu, these people that this … splutter, cough, bark?! I know they are there. We can be their amplifier or their better alternative. We can shrink ourselves by being bitter, or standing tall above in gratitude. Yikes. Now I’m grateful again! The sun is shining in my face, I eat delicious almonds and the building site outside is silent.
I forgot which Greek philosopher ist was who did this: When he met a wanderer with grumpy face and the wanderer asked how the city he came from would be, he said: Oh, not pretty, horrible, not worth talking about! But if it was a happy wanderer with a smile, who asked, he said: Wonderful, what a beautiful city, unlike any other!
Gratitude. Simple like any true art. If you dare. To change the world.

Initiation

Initiation

engl. below pics

Ist ein Ort Heimat? Oder sind es die Menschen? Ich hab den Berliner Winter lieben gelernt, nass auf dem Fahrrad zu werden, die Finger in den Handschuhen nicht mehr zu spüren, die Sonne, die Mittags schon verschwindet, und dann das im Januar: 30 Grad, eine gleissende Sonne über dem Meer und in den Wellen glücklich kreischende Kinder. Unerträglich.
Südafrika. Man kann ein Leben nicht zurücklassen, so wie man nie seine Familienkonflikte lösen kann, indem man verschwindet. 10 Jahre hier. Ein ganzes Leben. Elke sagte gerade, hier passiert mehr, das Leben ist dramatischer. Als wir gestern auf dem Abendmarkt unter den großen Eukalyptusbäumen standen und ein Bier der vielen neuen Kleinbrauereien tranken, erzählte uns eine Bekannte innerhalb von 5 Minuten von Selbstmordversuch in der Familie, Krebs, endlich genug Geld, die Käsepreise, Haus abgebrannt, Hund überfahren, super Auslandsreise, Stromausfall, und des Pastors Depression. Gefühlt, aber nicht übertrieben. Und dazu lächelt sie als würden wir uns über Biojoghurt unterhalten. Grossartige, tapfere Frau übrigens, die viel durchgemacht und überstanden hat, mehr als ich je könnte. Eine von der ich gekernt habe: Das Leben kann hart sein. Heul nicht rum.

Life is hard. Das Leben meistern. Vielleicht habe ich hier in Südafrika endlich gelernt, den Problemen des Lebens entgegenzutreten, statt ihnen erfolglos auszuweichen. Beherzt, das Wort passt gut zu unserer Bekannten. Und von solchen Alltagshelden gibt es in Südafrika viele. Es ist als wäre das Leben hier weiter, tiefer und größer. Vielleicht ist das auch der Grund, warum hier mehr Platz für göttlichen Glauben ist, für Gott, der oft nicht in unser kleinteiliges, egooptimiertes und erledigungsgetriebenes Leben passt in Europa. “Ich hab jetzt echt keine Zeit dafür, keinen Kopf, ich muss noch die Kinder abholen, einkaufen, meine Mutter anrufen, puh!” Das fiel mir oft im Sharehaus auf, daß alle das Sharehaus superrrrr finden, klasse, weiter so! Kind quengelt, Handy trötet, die Gedanken dröhnen, was? Also, worum gings nochmal, tschüss!

Kaum waren wir angekommen, trafen wir einen Schreiner, der oft mit mir ins Krankenhaus gegangen war zum Beten. Ein aufgeräumter, junger Mann, Frau, Kinder, aber plötzlich keine Arbeit. Der Sommer von November bis Januar mit all den Urlaubern, die hier Häuser besitzen, ist die fette Zeit in Hermanus. Was man jetzt verdient, muss für den Winter reichen. Aber er hatte keine Aufträge! Verrückt. Und dazu noch umziehen in einen neues Haus, aber kein Geld dafür. Schulterschmerzen, niedergeschlagen, ratlos.

You are not in control. Du hast nicht nicht alles unter Kontrolle. Is so. Für Deutsche, für mich schwierig zu begreifen. Für Südafrikaner nicht peinlich. Mein Schreinerfreund ist kein Hartz4verlierer, kein Gescheiterter, sondern einfach nur ein guter Handwerker, und anständiger und großherziger Ehemann, Vater und Freund und wie ich, ziemlich mittelmäßig in vielem. Er weiß das, und er weiß um seinen göttlichen Wert. Wirklich ein großer Vorteil und Erfahrungswert eines entspannten und gelebten Glaubens. Wenn ich weiß, daß ich geliebt bin, geschätzt, mein Leben ein Plan hat, Sinn, wenn ich weiß, daß ich damit nicht allein bin und auch unter Menschen eine Familie habe, dann kann ich auch um Hilfe bitten und ehrlich sein.
Wir hatten ein gute Zeit zusammen. Offen und tief. Beten und übers Leben sprechen. Vor ein paar Tagen trafen wir ihn im Supermarkt, Schulterschmerzen weg, er hat Arbeit und ihm wurde genug Geld geschenkt, um die erste Miete und Kaution zu bezahlen. Er weiß nicht von wem. Ich wars nicht.

Alltagshelden. Was als kleiner Urlaub begann in unsere alte Heimat, wurde eine Reise in die Dankbarkeit. Dankbar für die Helden auf meinem Weg, die mich inspirierten. Dankbar für die Widerstände, die mich wachsen liessen. Vor allem in Stanford, einem kleinen viktorianischen Dorf, immer noch hart getrennt in weiß, farbig und schwarz. Hier fing ich in einem Bürgerkomitee zu arbeiten, nachdem ein Mädchen von einem Einbrecher missbraucht worden war. Gerade mal ein handvoll von Kleinkriminiellen beherrschte das 4000 Seelendorf und wurde von unfähigen Richtern immer wieder auf Bewährung entlassen. Der Polizeikommandant war faul wie Puh der Bär, im Pub hielten dicke Männer große Reden wie das Dorf sicher werden kann, und die Damen vom Häkelclub waren echt besorgt. Nur von der anderen Seite des Teichs, wohin damals alle (kapmalaischstämmigen) Farbigen, verbannt wurden, nur von da kam wirklich Hilfe. Eine fröhliche Gruppe von Leuten patroullierte die Strassen, sammelte verlorengegangene Kinder ein, deren Eltern zu besoffen waren, trennte Jugendbanden, die sich aus Langeweile kloppten und nahm Diebe und Vergewaltiger fest. Allen voran Wilelm, mein Freund heute, ohne dass wir uns wirklich gut kennen.
Vor ein paar Tagen stand er wieder vor mir und rief “Mister Sven!”, klein, dünn und stark, ein strahlend blaues Hemd an und auf dem Kopf wie immer ein Cowboyhut aus Stoff. Wir umarmten uns.

Life is not about you. Das Leben dreht sich nicht um uns. Das war meine Lektion mit Wilelm. Wir beide waren Aussenseiter. Die von der weiße Seite des Dorfs redeten nicht mal mit ihm in den Treffen. Ein farbiger Arbeiter. Mich, den Deutschen, nahmen sie auch nicht zu ernst. Dazu kam ein Xhosapolizist untersten Rangs, Constable Gweyi. Wir Randgestalten begannen das Dorf umzukrempeln.
Viel ist passiert seitdem, es würde ganze Bücher füllen. Wilhelm leitet das Bürgerkomitee, organisiert das Art Fest mit und bringt seit Jahren die Kirchen zusammen, die sich vorher nicht koscher waren. Er verliert sogar von seinem geringen Gehalt als Farmmanager dabei manchmal. Aber er ist ein richtiger Mann. Er ist glücklich. Ein Vorbild.

Life is not about you. In Stanford sass ich auch in unserem schönen kleinen Haus und litt. Ich konnte meine Familie nicht ernähren. Hatte keinen Erfolg als Autor, nirgends eigentlich. Nicht so wie ich wollte. Überhaupt, Familienleben war schwerer als gedacht, die Kinder kamen in die Pubertät und ich fühlte mich selber nicht mal erwachsen. Leiden! Was war ich für ein armer Schlucker. Ich tat mir manchmal echt ganz schön leid. Schwitz, quäl.

Elke sagt, das war unsere Lehrzeit, Stanford. Nicht dass wir vorher nichts gelernt hätten, aber in Stanford starb eine Menge Ego. Das Leben dreht sich nicht ums Ich. Nö. Ich lese gerade über Initiation und verstehe wieder mehr. Rites de Passage, dass es in allen Kulturen es Traditionen gibt, vor allem die Männer durch den Tod gehen zu lassen. Ihr Ego töten, um ihr göttliche Identität leben zu können. Jesus nicht anders: Stirb, um zu leben. Hier in Stanford starb viel Ego, und daraus entstand auch die Idee vom Sharehaus.

You have to die. Blicke ich heute zurück, wünsche ich mir, ich hätte eine echte Initiation erlebt. Bei den Xhosa müssen die jungen Männer wochen- und teils monatelang in der Wildnis überleben und werden beschnitten. In manchen Kulturen ist es leider das Militär, das aus Jungs Männern machen soll. Nicht immer, aber oft mit tragischen Folgen, denn die Initiation ist ein heiliger Ritus, in dem jeder zu seinem göttlichen Selbst erwachen soll. Auf Jesus kam der Heilige Geist, danach ging er in die Wüste und war bereit für seine Mission. Mein göttliches Leben begann schon bevor ich geboren wurde, aber dazu aufgewacht bin ich erst in Afrika. Wachgeküsst. Der Heilige Geist lebt in mir.

Ein unheiliges Leben sieht übrigens so aus: Wer sich selbst nicht überwindet, sein Ego nicht tötet und lernt göttlich zu leben, der gibt immer danderen die Schuld, beginnt Krieg, kämpft stur für “eine Sache” und bestraft Andersdenkende.

Die Taufe ist ein Symbol dafür, das alte Leben hinter sich zu lassen. In unserem Buch “Es muss im Leben mehr als alles geben” habe ich es schon beschrieben: Als ich im wilden Meer in Hermanus getauft werden sollte, zogen sich die Wellen zurück und ich lag auf dem Trockenen. Gott hat Humor. Ich konnte mich gar nicht tief genug legen. Zuviel Ego. Am Ende musste ich in die Wellen laufen, um nass zu werden.

Überfluss. Das ist das Thema, das ich für 2015 höre. In allem Guten. Ein überraschender, schöner, oft unerklärlicher Überfluss. Und den sehe ich hier in Südafrika auch. Viele sagen, das Land könnte den Bach runtergehen wie Simbabwe unter Mugabe. Klar, könnte sein, wären da nicht die Alltagshelden, die vielen Menschen, die scheinbar keine Stimme haben, weil sei keine Macht haben, kein Mandat, keine Villa, keinen hohen Posten. Sie bauen eine neue Gesellschaft. Sie machen was. Sie nehmen sich selbst nicht so ernst, sie sind sich bewusst wie vergänglich sie sind, sie reden nicht ständig von sich, sie lachen dem Leben ins Gesicht, wenn’s hart auf hart kommt, und sei haben ein Leben, das ihnen keinen wegnehmen kann. Auch der Tod nicht.
Initiation: Inspiration aus Richard Rohrs “Adams return”, Crossroads.
Bilder vom wachsenden Viva Art Projekt, das wir in Stanford gestartet haben.

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initiation

Is a place home? Or is it the people? I love the Berlin winter, I learned to get wet on the bike, to no longer feel my fingers under gloves, I even got used to the sun disaperaig at noon. And then in the middle of January: 30 degrees, a glistening sun over the sea and in the waves happy screaming children. Unbearable.

South Africa. You can not leave behind a life, as you can’t leave family issues by disappearing. 10 years we lived here. A whole life. Elke just said more happens here, life is dramatic. When we were last night at the evening market under big eucalyptus trees, drinking a beer of one of the many new small breweries, al lady told us within 5 minutes of an attempted suicide in the family, cancer, finally enough money, cheese prices, dog run over, best overseas travel, power failure, and the pastor’s depression. Felt, but not exaggerated. And she smiled as if we talked about organic yogurt. Great, brave woman by the way, has gone through and survived much, more than I ever could. A person from whom I have learned: Life can be hard. Stop whining.

Life is hard. Perhaps I have finally learned in South Africa, to confront the problems of life rather than evading them unsuccessfully. Beherzt, with heart, the word fits the lady well. And those everyday heroes, South Africa is so rich with. It is as if life here is larger and deeper and wider. Maybe that is the reason why there is more space for divine faith, for God, who often does not fit into our small-scale, egooptimated and execution-driven life into Europe.
“I am running, no head, I still have to pick up the kids, shopping, call my mother, phew!” It occurred to me often that all love the Sharehaus, superrrrr, class, keep it up! Child whines, mobile phone whizzes, the noise of thought. So, where were we? I have to go, bye!

As soon as we arrived in South Africa, we met a carpenter, who had often gone to the hospital with me to pray. A good, young man, with wife and children, but suddenly out of work. The summer from November to January with all the tourists who on houses here is the fat time in Hermanus. What you earn now, must last for the winter. But he had no orders! Crazy. And still move to a new house, but no money for it. Shoulder pain, downcast, helpless.

You are not in control. Is that way. For a German, even for me, difficult to understand. For South Africans it is not embarrassing. My carpenter friend is not a Hartz4verlierer, no loser, just a good craftsman, and decent and generous husband, father and friend and as I am pretty average in many ways. He knows that, and he knows has a divine value. Really a great advantage and experience of a relaxed and experienced faith. If I know that I am loved, appreciated, If I know my life has a plan, when I know I’m not alone and have a family, then I can ask for help and be honest.
We had a good time together. Open and deep. We prayed and talk about life. A few days ago we met him at the grocery store, shoulder pain gone, he has a job and he was given enough money to pay the first month’s rent and security deposit. He does not know by whom. And it wasn’t me.

Everyday heroes. What began as a small vacation in our old homecountry became a trip of gratitude. I am grateful for the heroes who inspired me. Grateful for the hindrances, that allowed me to grow. Especially in Stanford, a small Victorian village, still very segregated in white, colored and black. In Stanford I started working in a citizens’ committee (Community Police Forum), after a girl had been sexually abused by a burglar. Just a handful of small time criminals seemed to dominated the 4000 souls of the village, and often they were again and again released by incompetent judges. The police commander was as lazy as Winnie the Pooh, in the pub big men held great speeches who the village can be kept safe, and the ladies of the Häkelclub were really really worried. Only from the other side of the pond, to where all the capemalay colored people were banned during Apartheid, only from there there came real help. A cheerful group of people were patrolling the streets, collecting all lost children whose parents were too drunk, separating youth gangs who were fighting out of boredom, arresting thieves and rapists. The were led by Wilelm, my friend, without us really know each other too well.
A few days ago he stood in front of me and shouted “Mister Sven!” A small, thin and strong man with a bright blue shirt. On his head a cowboy hat made of fabric. We hugged.

Life is not about you. Life does not revolve around me. That was my lesson with Wilelm. We were both outsiders. On the white side of the village nobody even talked with him in the meeting. A colored worker! Me, the German, they didn’t take too seriously. Then there was a Xhosa policeman, lowest rank, Constable Gweyi. We fringe people began to change the village on bigger scale.

Much has happened since then, it would fill books. Wilhelm leads the Citizens Committee, co-organizes the art festival I helped starting, brings together the churches that were previously not united. He even loses some of his low salary as a farm manager sometimes serving the community. But he is a real man. He is happy. And a role model.

Life is not about you. In Stanford, I was sitting in our beautiful little home and suffered. I could not feed my family. Had no success as an author, nowhere really. Or: Not like I wanted. In general, family life was harder than expected, the children came into puberty and I do not even feel grown up myself. What Suffering! Poor, poor me. I felt really sorry for me. Me.

Elke says that was our apprenticeship, Stanford. Not that we have not learned anything before, but in Stanford a lot of ego died. Life does not revolve around self. Nope. I just read on initiation and do understand this time better now. Rites de passage. There are traditions in all cultures where a person go through death. Kill your ego: to live their divine identity. Jesus no different: Die to live. Here at Stanford died much ego, and from this arose the idea of the Sharehaus. Real community.

You have to die. Looking back now, I wish I could have had a real initiation. Among the Xhosa, the young men must survive for weeks and sometimes months in the wilderness and are circumcised. In some cultures unfortunately young men join the military. Not always bad, but often with tragic consequences.
Initiation is a sacred rite in which each one is to be awakened to his or her divine self. On Jesus the Holy Spirit came, then Jesus went into the desert and was ready for his mission. My divine life began even before I was born, but I woke to it only in Africa. Wachgeküsst. The Holy Spirit lives in me.

An initiated, an unholy life looks like this: blaming others, starting war, fighting for a cause (not people or creation) and punishing everyone who thinks differently.

Baptism is a symbol to let the old life behind. In our book, “There must be more to life than everything,” I already described how I was baptized in the wild ocean at Hermanus: The waves retreated and I was on dry land. God’s humor. I could bow deep enough. Too much ego. In the end I had to run into the waves to get wet.

Abundance. This is the theme I hear for 2015. A surprising, beautiful, often inexplicable abundance. Here in South Africa as well. Many say the country could go down the drain as Zimbabwe did under Mugabe. Sure, it might be, were it not for the everyday heroes, the many people who seem to have no voice because is they have no power, no mandate, no mansion, no high post. They are the fringe people wo are buildig a new society. They talk less, they do something. They do not take themselves too seriously, they are aware of how fragile they are, they do not talk constantly of themselves, they laugh life in the face when it get’s tough and have a life that no one can take away. Not even death.
Initiation: Inspiration from Richard Rohr: “Adam’s return,” Crossroads.
Images of the growing Viva Art project that we started at Stanford.

Tränen. Der Freude

Tränen. Der Freude.

engl. and German

Schöne Freunde,

Es war ein gutes Jahr für uns. Andere würden sagen, dass ich immer das Positive sehe, aber ist das nicht die Schönheit, die im Auge des Betrachters liegt? Ich musste Schönheit in allem und jedem sehen lernen, gerade als Deutscher. Entweder ist man Wadenbeisser oder tritt als Radfahrer nach unten. In Afrika habe ich gelernt, das Schöne in uns zu sehen, denn da ist weniger ich, mehr wir.

Auf Augenhöhe sein, das ist das Thema des Sharehauses. Jeden Menschen anerkennen, das Schöne in jedem sehen, die Größe, das göttliche Potential. Klar gab es vieles, das nicht klappte in den ersten sieben Monaten Sharehaus in Berlin. Einiges, das trotz großem Anlauf scheiterte. Aber kann uns das definieren?

Ich bin Schriftsteller, aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Ich schreibe auch, gerne, leidenschaftlich, und manchmal scheitert ein Buch, ein ganzes Jahr Arbeit. Würde mich das definieren, wäre ich wirklich gescheitert. Aber das Leben ist immer größer als das Werk, das Unsichtbare oft wirkungsvoller als das Sichtbare.

Ich sehe als einen der größten Erfolge des Sharehauses, dass wir Zeit haben für Gespräche, Gebete, Zuhören. Ich sehe als einen der grössten Erfolge des Sharehauses, dass möglichst jeder, und jede, die zu uns kommt, wertgeschätzt wird und respektiert, dass es ein echtes Interesse aneinander gibt. Das niemand nach seinen Umständen bewertet wird. Das hat viele, auch mich, wachsen lassen dieses Jahr.

Identität. Unveränderter. Darin liegt alle Kraft für die radikale und tiefgreifende gesellschaftliche Veränderung, in der wir uns gerade befinden. Darum müssen wir uns gegenseitig in unserer göttlichen Identität bestätigen, dass wir gut sind, kostbar, wertvoll, denn nur wer sich selbst schätzen kann und selbst lieben, kann die Welt verändern.

Wissen wir alle, dass man den größten Müll verkaufen kann, wenn man selbstsicher auftritt. Eine Tatsache, von der unsere auf Wachstum getrimmte Wirtschaft lebt. Und nicht minder selbstbewusst müssen wir sein, die wir für eine neue gesellschaftliche Ordnung eintreten, eine neue soziale Gerechtigkeit, die Anerkennung und Wertschätzung eines jeden. Die jungen Eliten von heute, die Macher und Träumer, werden nur erfolgreich sein, wenn sie an sich und ihr Grundrecht auf eine gerechtere Welt glauben. Eine viel viel bessere Welt! Manche halten das für eine Utopie. Nur was wären wir ohne Utopien, ohne Ideale?

Neulich bekam ich sehr gute Fragen über das Sharehaus gestellt, und fand klare Antworten auf das, was wir machen. Wir ermutigen Menschen wieder groß zu träumen. Mit großer Geste ihr Leben zu entwerfen. Unser schicker Minimalismus kann zur Armut werden, unsere falsche Bescheidenheit zur Depression.

Im Sharehaus versuchen wir jeden ernstzunehmen und groß träumen zu lassen. Als gäbe es kein einziges Hindernis. Ich denke, daß groß Träumen eine göttliche Gabe ist und dass jedem verschiedene von Anfang an geschenkt wurden, die gelebt werden müssen. Wie kleinlich aus der Gegenwart zu schliessen, wir müssten unser Herz bescheiden.

Wenn wir im Sharehaus anderen helfen wieder groß zu träumen, bieten wir auch an zusammen ganz praktische, kleine Schritte in die Richtung der große Träume zu gehen. Manchmal ist der dann der Weg das Ziel, die Träume waren der Antrieb, und der Weg führt zu ganz anderen, überraschenden Seiten des Lebens.

Zu diesem Weg gehört Scheitern und daraus lernen zu dürfen. Bescheiden zu sein. Dankbar für die großen und kleinen Dinge. Das ist kein Widerspruch zu den großen Träumen, die großen Träume bestimmen die Haltung, mit der wir uns auf den Weg machen.

Das Sharehaus ist ein Haus, aber das Haus besteht aus einer Familie. Das halte ich für einen der grössten Erfolge des Sharehauses, dass wir eine Familie geworden sind, die wächst. Ein wilde Familie oft, es gibt Uneinigkeit, Missverständnisse, und da ist ein Respekt und eine Wertschätzung, die wir gelernt haben, die alles zusammenhält und jeden Besuch sich willkommen fühlen lässt.

Und da ist auch as ist viel geteiltes Leid, wenn wir uns auf Augenhöhe unterhalten, uns zuhören und ermutigen. Eine der grössten Erfolge im Sharehaus ist für mich, dass wir wieder eine Tiefe im Leben entdecken und leben, in Gemeinschaft, mit Gott, mit uns selbst. Und mit unseren syrischen Freunden, die es hierher geschafft haben und dankbar sind für jedes Detail des Friedens in Deutschland, unsere Freunde, die oft verzweifeln, weil ihre Freunde, ihre Familien jeden Tag durch eine Rakete sterben könnten. Unsere syrischen Freunde wie die meisten Geflüchteten, lehren uns eine neue Tiefe im Leben. Ich wünschte wir würden die Grenzen für sie öffnen und von ihnen lernen, wir oft kleinherzigen, ängstlichen Deutschen, wir Verwalter eines großen Friedens. Ich wünschte wir würden unsere Frieden mit ihnen teilen und ihre Tiefe lernen. Daß unter all den Tränen, dass am Grunde dieses Brunnens all dieser Tränen die Freude ist. Schwer zu erklären. Aber wie feiern ja Weihnachten. In die Dunkelheit trat Licht, und ein göttlicher Friede ist unter uns, den keiner uns wegnehmen kann. Denn wir sind geliebt. Unendlich geliebt.

Geniesst diesen Liebe, Freunde,

aus Afrika, euer Sven

***

Tears. Of joy.

Beautiful Friends,

It was a good year for us. Others would say that I always see the positive, but is it not that the beauty is in the eye of the beholder? I had to learn to see beauty in everything and everyone, being a German. Either one is a Wadenbeisser or kicks downwards like a cyclist. In Africa I have learned to see the beauty in us, because there is less I, more we.

To be at eye level, that is the theme of the Sharehaus. To recognize, see the beauty in everyone, the true size, the divine potential. Sure, there were many things that did not work in the first seven months of the Sharehaus in Berlin. Some things failed despite a great start. But does that define us?

I am a writer, but that’s not the whole truth. I also write, I am passionate about writing, and sometimes a book, a whole year’s work is wasted. I that would define me, I would have really failed. But life is always greater than work, the invisible often more effective than the visible.

I see as one of the greatest successes of the Sharehaus that we have time to talk, to pray, to listen. I see as one of the greatest successes of the Sharehaus is that everyone who comes to us is appreciated and respected and that there is a genuine interest in each other. No one is judged by his circumstances. That made us grow, including me.

Identity. Unchangable. In that lies all the power for the radical and profound social change in which we find ourselves in these days. Therefore, we must confirm each other in our divine identity that we are made for good, precious, valuable, because only those who can appreciate themselves and love themselves, can change the world.

We all know that you can sell the biggest nonsense when you are confident. A fact our have-to-grow-by-consumerism-economy is feeding off. And no less confident we must be, we who we are building we a new social order, a new social justice, a recognition and appreciation of one another. The young elites of today, the makers and dreamers, will only be successful if they believe in themselves and their fundamental right to a just and fair world. A much much better world! Some this is just an utopia. But what would we be without utopia, without ideals?

The other day I was asked very good questions about the Sharehaus, and found clear answers to what we do: We encourage people to dream big again. Our chic minimalism in contrary can make us poor, our false modesty leads to depression.

At the Sharehaus we try very seriously to dream big. As if there was not a single obstacle. I think that big dreams are a divine gift and that each of us were given different great dreams from the beginning, dreams that must be lived. How fearful to conclude from the world, that we must make our hearts small.

When we help others to dream big again at the Sharehaus, we also offer to take it step by step together in the direction of the great dreams. Sometimes the way is the goal, the dreams were the incentive and the path leads to completely different and surprising aspects of life.

To take it step by step also means to fail and that we may learn from it. To be modest. Grateful for the big and little things. This is no contradiction to the big dreams, because they determine the attitude with which we make our way.

The Sharehaus is a family. I think this is one of the greatest successes of the Sharehaus that we have become a family that grows. A wild family often, there is disagreement, misunderstanding, and there is a respect and appreciation that we have learned, that holds everything together and makes each visitor feel welcome.

And there is much shared suffering, when we talk at eye level, when we encourage and listen. One of the greatest successes of the Sharehaus for me is that we rediscover a depth in life by living in communion with God, with ourselves. And with our Syrian friends who have made it here and are thankful for every detail of the peace we have in Germany, our friends who despair often because their friends, their families could be killed any day by a random rocket.

Our Syrian friends, like most fugitives, teach us a new depth in life. I wish we would open the borders for them and learn from them, us so often small-minded, fearful Germans, us keepers of a big peace. I wish we would share our peace with them and learn their depth. That among all the tears, that at the bottom of this well of all these tears is joy. Difficult to explain. But just as we celebrate Christmas. In the darkness came light, and a divine peace among us that no one can take away. Because we are loved. Infinitely loved.

Enjoy that love, friends,

from Africa, your Sven

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M…elancholie

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engl. und deutsch

Als Jean und Mohamed wieder im Sharehaus arabische Lieder spielten spürte ich diesen freudigen Schmerz. Zwei Freunde aus Syrien, der eine aus christlicher, der andere aus muslimischer Familie, und beide spielten Liebeslieder in Zeiten des Krieges. Sehnsucht. Sehnsucht nach der Fülle des Lebens, dem Rausch der Liebe, der Stille im Hoffen. Und Trauer. Ein Land, eine Kultur, Damaskus, die älteste noch bewohnte der Stadt der Erde, zerstört. Ein Seufzen. Ein Gebet. Wiederauferstehung.

Auf Jean’s Facebookbildern aus der Zeit vor dem Krieg spielt er westliche Musik für Botschaften, U2, Bob Dylan, Pink Floyd, und er lacht. Wenn wir uns hier in Berlin sehen, lacht er auch, wir lachen viel zusammen, aber es ist, als wäre das Herz weiter. Als wäre es weiter durch Liebe, und durch durch Trauer.

Ich konnte Trauer nie ausstehen. Ich meide Begräbnisse, sie sind mir unerträglich. Ausser sie sind Freudenfeiern, bei denen getrunken und gegessen, gescherzt und getanzt wird, und am Ende noch der Tote wiederaufersteht. Aber noch auf keiner Einladung zu einer Trauerfeier wurde das je so angekündigt. Auf keiner, zu der ich eingeladen wurde. Da ist was Falsches in der Art wie der Tod zu ernst genommen wird. Abgesehen davon, traurig sein macht mich meist lachen. Ich kann es nicht erklären. Und das wäre blöd auf einem sehr sehr traurigen Begräbnis, einer der ständig lacht, kichert und kaum an sich halten kann.

Vor ein paar Tagen war ich aber plötzlich selbst traurig. Unendlich traurig. Es war geradezu eine Symphonie der Traurigkeit, die in meinem Herzen an einem grauen Samstag Vormittag in meinem warmen Bett begann. Tonangebend natürlich das Cello und der Bass. Oh weh. Hatte mich seit dem Weltschmerz meiner Jugend je wieder so eine solide und satte Melancholie erwischt? Warum? Lag es am Wetter? Der Weltlage? Dem Bankkonto? Der Liebe? Oder war vielleicht der Herbst Schuld, dieses eisige Grau vor den Fenstern Anfang Dezember und dass es um drei Uhr Nachmittags schon wieder dunkel wird, als wäre die Sonne zu erschöpft zu scheinen?

Freunde, ganz ehrlich, wenn mir jemand sagt, es geht ihr oder ihm nicht gut wegen dem Wetter, dem kommenden Tief, dem unerträglichen Hoch, der gefühlten Temperatur, denke ich, ab ins Pflegeheim. Klar, Umberto Eco behauptet unsere Hochkultur fusst auf der Tatsache viel Zeit drinnen verbringen zu müssen. Als hätten Völker, die gerne draussen sind, keine Kultur. Trotzdem: Das Wetter. Elke sagte neulich wie eine traurige russische Dichterin: Alles stirbt. Und dann zeigte sie kraftlos auf die letzten gilben Blätter an den Bäumen. Quatsch! Das Leben ist so was von satt und fett und alles leuchtet! entgegnete ich ihr wie Ishmael aus Moby Dick es getan hätte. Zwei Tage später traf mich die Trauer mit voller Breitseite.

Was war passiert? Waren es Jean’s und Mohamed’s Lieder gewesen, war es der Herbst, waren es der Tod und der Krieg, der hier und da die Reihen lichtete, oder waren es der Weihnachtsrummel plus der grattelige Nachbar, der Beschwerdebriefe schrieb, weil er mehr Liebe wollte?

Nach zehn Jahren an der Spitze Afrikas, wo es durchaus kalt und grau sein kann, habe ich in meiner alten Heimat Berlin wieder die gute wohlbekannte Melancholie entdeckt, die einen satt einhüllt und gar nicht unzufrieden grübeln und traurig sein lässt. Und dankbar erkannte ich, dass es gar nicht so schlecht ist mal zu trauern. Ich spreche nicht von Jammern. Ich spreche von einem gütigen Gefühl anzuerkennen, das so einiges in der Welt furchtbar ist und danebengeht. Wenn ich die Augen zumachte, fühlte es sich an wie zutiefstes Mitgefühl mit der Schöpfung an, da wo meine manchmal oberflächliche gute Laune nicht hinkam. Eine Trauer wie ein Liebeslied, das alles will, Ekstase, Strom des Lebens, Freude, Sinnlichkeit, kostbaren Frieden, und gerade deswegen von dem Schmerz singt, weil so einiges davon im Moment nicht möglich ist. Hach.

Nach zwei Tagen machte ich wieder Witze. Ja, Auskosten das Leben. Tiefe ausschöpfen, dem Atem der Welt lauschen. Stille. Immer wieder schön. Und Hach, die Vergänglichkeit darin, ja ja. Aber was die angeht halte es mit James Bond. Hobby? Wiederauferstehung.

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*

When Jean and Mohamed played Arab Songs at Share House again, I felt this joyful pain. Our two friends from Syria, one from a Christian, the other from a Muslim family, both played love songs in times of war. Longing. Longing for the fullness of life, the intoxication of love, the silence of hope. And grief. A country, a culture, Damascus, the oldest inhabited city on earth, destroyed. A sigh. A prayer. Resurrection.

In Jean’s Facebook pictures from before the war, he plays Western music for embassies in Syria, U2, Bob Dylan, Pink Floyd, and he laughs. Now when we meet in Berlin, he laughs too, we laugh a lot together, but it’s as if our hearts have become wider. Through love, and through grief.

I could never stand grief. I avoid funerals, they are unbearable. Unless they are joyful celebrations, where people drink and eat, joke and dance, and the dead is resurrected at the end. But I never got an invitation to such a funeral, or any that was ever so announced. There’s something wrong in the way death is taken too seriously. Apart from that sadness makes me laugh. I can not explain it. Picture a very, very sad funeral, and me who constantly laughs, giggles and can hardly contain himself.

A few days ago I was hit with sudden sadness. I was infinitely sad. What hit me was a veritable symphony of sadness that began in my heart on a gray Saturday morning in Had there been since my youth Weltschmerz days ever such a solid and deep melancholy? Why? Was it the weather? The world situation? My bank account? Love? Or was perhaps the autumn, this icy Gray in front of the windows in early December when it gets dark again by three clock in the afternoon, as if the sun was too exhausted to shine?

Friends, quite honestly, if someone tells she or he does not feel good because of the weather, the upcoming low, the unbearable high, the felt wind chill, I think, get them to a nursing home. Sure, Umberto Eco claimed our civilisation is based on the fact of having to spend a lot of time indoors. As if people who like to be outside, have no culture. Nevertheless: The weather. Elke said the other day like a sad Russian poet: Everything dies. And then she pointed faintly at the last yellowing leaves on the trees. Nonsense! Life is full and fat and everything is illuminated! I would have answered her like Ishmael in Moby Dick. Two days later sadness hit me like a wall of bricks.

What had happened? Had it been Jean’s and Mohamed’s songs, was it autumn, or death and war, claiming beloved lives here and there, was it the shopping Christmas frenzy plus the grumpy neighbour who wrote letters of complaint because he wanted more love?

After ten years at the Southern tip of Africa, where it can be quite cold and gray, I found good old melancholy again in my old home Berlin, fat und fully wrapping me and not at all in a way sad. And grateful I realized that it’s not so bad to mourn sometimes. I am not speaking of whining or complaining. I am speaking of a graceful sentiment acknowledging that so much is terrible in the world and so much goes wrong. When I closed my eyes, it felt deepest sympathy with creation, a depth my sometimes superficial good mood could not reach. Sadness like a love song that wants it all, ecstasy, the stream of life, joy, sensuality, precious peace, and because it longs for it, it sings of the pain, as so much of it is not possible at the moment. Sigh.

Yes. After two days I made jokes again. Sure, savoring life, the depth of our being, and listening to the breath of the world. The Silence. Beautiful! And futility, sure, everywhere. But regarding that I keep it with James Bond. Hobby? Resurrection.

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Heilig & holy

 

Neulich traf ich einen Mann, der am Kuhdamm nach Flaschen in den Mülleimern schaute. Er schlurfte an H&M vorbei an einem sonnigen Morgen und war fast verwirrt, als ich ihm etwas geben wollte.
Er war mein Alter, zartes Gesicht mit braunen Locken, etwas gebückt vom Leben, und ganz ehrlich und überrascht fragte er mich: Warum? Ich war ebenso überrascht. Warum?! Ich sagte es ihm, es lief auf eines hinaus: Weil er mir heilig ist.
Er war fassungslos, wir freuten uns zusammen und als ich davonradelte, betete ich, dass diese Hoffnung in ihm nie verlischt, zu wissen, dass er mir und jedem heilig sein sollte, er, ein kostbarer Mensch.
Ich kam da übrigens gerade aus dem Sportstudio, wo ich trainiere hartnäckig Leute zu begrüssen. Ich habe noch keinen einsameren Ort in Berlin gefunden als zwischen den Maschinen. Wahrscheinlich haben die meisten an diesem sauberen und freundlichen Ort, an dem man sich wahr machen kann, ähnliche Selbstwertprobleme wie ich. Haben könnte. Hatte, meine ich.
Bei unserer Kreuzberger Sharehaus-Grüssoffensive im Sommer hat fast jeder überrascht aber freudig zurückgegrüsst, den wir auf der Strasse vor dem Laden angesprochen haben, und heute grüssen viele der Nachbarn zuerst. Im Sportstudio lächelt nur jeder Fünfte. Die anderen sind sich nicht ganz klar, was ich wirklich von ihnen will. Oder ob ich sie nicht mit jemand Wichtigen von den Fashion- und Red Bull-Videos an der Wandschirm verwechsle. Der sie nicht sind.
Elke und ich haben viel mit anderen geredet seitdem wir aus Südafrika zurück sind. Oft über Glauben, und selten war da Klarheit. Jeder redet eigentlich von etwas anderem, meist von seiner Vorstellung. Ich glaube, wir müssen lernen Jesus in jedem Menschen zu begegnen. Über Religion können wir uns andermal streiten. Nö. eigentlich nicht. Schnarch. Bedingungslos Lieben lernen interessiert mich. Wie sieht das eigentlich aus? Wenn echte Liebe im Kleinen wie im Grossen die Welt verändern kann, was müssen wir alle dann noch lernen? Vor allem voneinander lernen?
Neulich trafen wir uns mit Philipp Ruch nachdem wir auf einer Podiumsdiskussion zusammen aufgetreten waren. Elke. Das war zum Martin Luther King Jr. Tag, der schrecklich daneben ging, weil die Moderatorin nicht klarkam mit der Idee, wir Milchgesichter könnten eine “schwarzes Thema” verstehen. Autsch.
Philipp und seine Freunde haben gerade wieder eine genial schlingensiefsche und unperfekte Aktion gestartet mit Politicalbeauty.de, die den Finger auf die Wunde legt. Warum wollen wir nicht lernen, Flüchtlinge zu lieben? Festung Europa. Und auch hier wieder: Sehr, sehr viele Deutsche und Ausländer wie ich würden sofort und gerne und bedingungslos Flüchtlinge bei sich aufnehmen und sich um sie kümmern. Würde die Regierung sie reinlassen oder nicht in Aufnahmelagern festhalten wie unseren Musikerfreund Mohammad aus Syrien, der seit Wochen in einer Kaserne und manchmal in einem Hotel in Eisenhüttenstadt mit seiner Frau lebt, obwohl er bei uns im Sharehaus unterkommen kann. Aaaahh! Oh, so einiges muss sich ändern im schönen Deutschland. Und so vieles ist schon ganz richtig.
Was ist heilig? Eine Frage, die mich gerade mit dem Sharehaus immer mehr beschäftigt. Paulus nennt in seinen Briefen übrigens jeden in den frühen Kirchen heilig. Auch die, die es völlig vergeigen, betrügen, lügen, neiden, und wachgerüttelt werden müssen. Er nennt jeden heilig, der begriffen und akzeptiert hat, dass Jesus Gottes radikale Liebesoffenbarung für uns ist, an uns, die wir ihm immer kostbar sind. Glaube ist deswegen übrigens weniger an Gott zu glauben, als daß Gott an uns glaubt. Aber wie sage ich das meinen fremden Freunden im Studio für angewandt sexy Bauchmuskeln?
Grüssen, Grüssen, Grüssen! Und Umarmen will ich auch einige, aber das könnte in Tränen enden, Angstschreien und unkontrolliertem Gelächter. Das wird dann gefilmt.
Am Sharehaus hing lange draussen eine Tafel mit der Frage: Was ist mir heilig? Leute, die vorbeikamen, schrieben:
Meine Familie, Ruhe, Ruhe, Silence, Freunde, Wochenende, Gesundheit, Gott, Liebe, Truth, Schönheit, Leben, Loyalität. Letzteres wieder durchgestrichen, vielleicht hat jemand doch nicht gewagt so viel zu fordern. Sehr private Themen. In Südafrika wären das weit sozialere gewesen: Gerechtigkeit, Gleichheit, Anerkennung, Wertschätzung, Chancengleichheit, Gastfreundschaft, Grosszügigkeit, Wahrheit.
Ja, ich weiß, wir können von Afrika lernen. Meine Rede. Wir können von afrikanischen, palästinensischen, syrischen Flüchtlingen lernen. Vor allem was Heiligkeit angeht. Die ist weit sozialer als wir denken.
“Kann man ohne Gott ein Heiliger sein, das ist das einzig wirkliche Problem, das ich heute kenne.” Albert Camus
* For our mostly English speaking friends: You are holy to me. Learn from refugees, fill your days with acts of random kindness – and this story is way to long to translate. Wait till our still unknown but holy young assistant comes to help out here at the Sharehaus, then all that social networking and presenting will be very snazzy, funky and international. I hope. Because we is. Are. I mean.
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Grün and green

 

Schöpfung,

es ist schön in der Herbstluft durchs Land zu radeln wie wir neulich raus zu einer Bekannten kurz hinter Brandenburg. Sie wäre auch an einer Art Sharehaus interessiert auf ihrem Vierseitenhof, eins in dem Künstler, Erschöpfte und Suchende ein paar Tage bleiben können, den Vögeln zuhören, Walnüsse sammeln und mit ihren Ziegen spazieren gehen.

Es wurde ein richtiger Tiertag. Der scheue und gerade herrlich stinkende Bock kam und schleckte mir die Hand, die beiden blonden Ponypferde liefen Schau und galoppierten furzend und Dreck schleudernd an uns vorbei, und Hunderte von Wildgänsen flogen umher, zu einem frisch gepflügten Feld, das schwarz in der Ferne lag, dann flogen sie stundenlang in Formationen über uns mit ihren weissen Bäuchen. Das Geräusch ihrer Flügel machte uns neidisch. Könnten wir auch so fliegen!
Ein Taube saß still auf der höchsten Tanne neben der kleinen Steinkirche aus dem Mittelalter, und der Baum neben Violas Haus war voller zwitschernder Vögel als wäre er ein Zugvogelbahnhof.
All das erinnerte mich an den Fuchs auf der Insel im Tegeler See, der mich zur Fähre begleitet hatte. Harmonie mit der Tierwelt, der Schöpfung. Will ich erleben!

Herbst. Spinnenfäden flogen durch die ungewöhnlich stille Luft, manch mit einem dicken weissen Schaft wie Kerzen, die behutsam auf Sträuchern landeten und sich nur langsam niederlegten. Auf unserem Weg die Trampelpfade der Rehe und Wildschweine, sogar an einem Ruheplatz unter den auslandenden Ästen eines Baums kamen wir vorbei. Von hier aus schauen sie ungestört übers Land, den Blick auf die grünen Blätter der Wintergerste, die aus dem dunlen Boden schiessen. Das Schilf raschelte leise.

Der Vierseitenhof muss noch in Schuss gebracht werden, Freunde und Unterstützer werden gebraucht für Reparaturen, aber einiges ist schon da. Sie hat den Hof seit 20 Jahren, hatte Ziegenfarm, Käserei, Familienbetreung. Jetzt hat sie einen Traum: Ein Ort der Stille. Der Tiefe.
Das haben wir auch im Sharehaus in Berlin gelernt, daß wir wie ein Kloster sein müssen. Innen die Stille, der Friede mit Gott, Ekstase, himmlische Erdung, die dann nach aussen strahlt. Erst damit kann das Sharehaus Nachbarschaftsladen sein, kreatives Haus. Zum Schöpfen braucht man Stille.

Gerade las ich, dass unsere Gehirn tatsächlich im Ruhezustand 20% aktiver ist. Dass kreative Lösungen gefunden werden, wenn man Druck macht, arbeitet, und dann loslässt, für 10 Minuten, einen Spaziergang, einen Tag, eine Woche. Bei all dem Schmerz, dem Lärm, dem Rhythmus in unserem täglichen Schaffen und tun, und wir brauchen das, sind wir doch am schöpferischsten im Ruhen. Unser Geist ist dann erst frei für die eigene Choreografie.
Ein Schritt weiter gedacht. Wir werden Teil des kosmischen, göttlichen Tanzes. Da finden sich dann Lösungen für dass Alltägliche, und das Große.

Sven

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Grossartige Neuigkeiten. Das Bezirksamt will gerne mit uns den Spielplatz in der Solmsstrasse 50 umgestalten, es gibt ein Budget für Neugestaltung und unsere Ideen und Vorschläge passen ins Konzept.
https://sharehaus.net/urban-gardening/
Wer dabei sein will: Morgen Mittwoch 22.10. 19.30 Treffen und Essen (jeder bringt was) im Sharehaus.
Auch morgen 14-16 Uhr Yvonnes beliebter Kleidertausch, jeder bringt was, nimmt was. Letzter Kleidertausch war ein Erfolg. Danach Malen mit Kindern 16-18 Uhr.
Freitag wächst jetzt übrigens der Stricksalon in unseren neuen gemütlichen Räumen, immer ab 16 Uhr.

* Newsflash! Towncouncil wants us in on planning an urban garden in Solmsstrasse 50. Join the party tom Wed. 7.30 pm at the Sharehaus (bring and share food). Also tom Wed. 2-4 pm Clothes-Exchange with Yvonne. Come early! Then Painting with kids 4-6 pm. And the Salon de Crochet is growing in our newly and warmly autumnified premises, every Friday from 4 pm.

Urban Gardening:
Jetzt sind wir als Nachbarn gefragt. Viele wollten mit dabeisein und für sich und Kinder Gemüse- und Blumenkästen anlegen und auch mitreden bei der restlichen Gestaltung, wie mehr Bänke, Tische für Picknick, bessere Geräte für kleine Kinder, Winterspielplatz etc.
Und auch nochmal mailen, wer dabei sein will. Jetzt ist die Gelegenheit sich einen Teil in einem einzigartigen Stadtgarten zu sichern! Der Winter wird kurz, und vieles muss jetzt schon vorbereitet werden.

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